
Bericht: Netanyahu drängte Trump zu neuen Angriffen auf Iran vor israelischer Wahl
Axios, Channel 12 und N12 berichten, Netanyahu und Trump hätten vor den Zwischenwahlen eine gemeinsame US-israelische Operation gegen Iran erörtert. Das Weiße Haus nennt den Bericht falsch.
Die Telefonate
Axios berichtet unter Berufung auf zwei US-Beamte, einen israelischen Beamten und eine vierte mit der Sache vertraute Quelle, dass Benjamin Netanyahu und Donald Trump über die Wiederaufnahme groß angelegter Militäroperationen gegen Iran vor den Wahlen in beiden Ländern gesprochen haben. Den Quellen zufolge hat Netanyahu in den vergangenen zwei Wochen mehrere Telefonate mit Trump zu dieser Frage geführt, eines davon, bevor Trump öffentlich erklärte, er werde Iran vor den US-Zwischenwahlen nicht angreifen. Die beiden Regierungschefs hätten zudem eine mögliche gemeinsame israelisch-amerikanische Operation gegen militärische und nukleare Ziele erwogen. Channel 12 und N12 veröffentlichten ähnliche Darstellungen unter Berufung auf israelische Regierungsquellen und mit den Gesprächen vertraute Beamte.
- Trumps führende Kabinettsmitglieder treffen sich stundenlang in Camp David, um nächste Schritte und mögliche neue Angriffe zu beraten
- Netanyahu und Trump führen Telefonate über die Wiederaufnahme von Operationen gegen Iran, laut Axios
- Axios, Channel 12 und N12 veröffentlichen Berichte, das Weiße Haus nennt sie falsch
- Israelische Wahlen (geplant)
- US-Zwischenwahlen (geplant)
Nukleare Sorgen und militärische Bereitschaft
Netanyahu habe Berichten zufolge auf Erkenntnisse verwiesen, wonach Iran besorgniserregende Schritte zur Wiederbelebung seines Nuklearprogramms unternehme. Israel sei besonders besorgt, dass Iran den Pickaxe Mountain als Standort für Urananreicherung nutzen könnte. Iran habe zudem in den vergangenen Tagen offenbar von mehreren Stützpunkten aus ballistische Raketentests durchgeführt, anscheinend um sein Raketenprogramm wieder aufzubauen. Israelische Sicherheitsbeamte hätten Channel 12 Berichten zufolge gesagt, die Geheimdiensteinschätzungen hätten sich nicht genug verändert, um eine gemeinsame Operation in den nächsten zwei bis drei Wochen zu rechtfertigen. Dennoch blieben die israelischen und US-Streitkräfte in Alarmbereitschaft und schlössen ihre Vorbereitungen ab, falls Trump seine Meinung ändere. Israels Generalstabschef Eyal Zamir habe Berichten zufolge mit seinem US-Amtskollegen die Möglichkeit erörtert, Angriffe innerhalb von drei Wochen wiederaufzunehmen, und laut N12 gewarnt, eine erneute Eskalation vor der Wahl könne zu deren Verschiebung führen.
Risse in der Trump-Regierung
Verteidigungsminister Pete Hegseth und die Führung des US-Zentralkommandos gelten einer mit den Gesprächen vertrauten Quelle zufolge als die stärksten Befürworter einer Wiederaufnahme der Angriffe. Die meisten Berater Trumps zögen es Berichten zufolge vorerst vor, auf Wirtschaftssanktionen und andere Druckmittel zu setzen, und ein US-Beamter sagte, dieser Ansatz funktioniere immer besser. Axios berichtet, Trump habe zunächst zu neuen Angriffen geneigt, sei dann aber zögerlicher geworden, und ein US-Beamter beschrieb ihn als zwischen den Positionen schwankend. Trumps führende Kabinettsmitglieder trafen sich am 2. Oktober stundenlang in Camp David, um über die nächsten Schritte im Krieg und die Möglichkeit neuer Angriffe zu beraten. Mark Zandi, Chefvolkswirt von Moody's Analytics, schätzt, dass der Krieg die durchschnittliche amerikanische Familie etwa 2.000 Dollar gekostet hat, landesweit 265 Milliarden Dollar seit seinem Beginn Ende Februar, wobei die Energiepreise die Hauptursache der höheren Kosten seien.
Dementis und der Wahlkalender
Das Weiße Haus nannte den Bericht falsch und erklärte, der Präsident habe klargestellt, dass die Vereinigten Staaten Iran vor den Zwischenwahlen nicht angreifen würden. Netanyahus Büro erklärte, der Ministerpräsident stehe in regelmäßigem Kontakt mit Trump und hochrangigen Regierungsvertretern und äußere sich nicht zum Inhalt ihrer Gespräche. Die israelischen Wahlen sind für den 27. Oktober angesetzt, die US-Zwischenwahlen für den 3. November. Axios berichtet, neue Angriffe könnten die israelische Wahl durch iranische Vergeltung oder eine Verschiebung des Urnengangs beeinflussen und US-Wähler an steigende Kraftstoffpreise erinnern. Trump habe keine Entscheidung getroffen, so Axios, und ob ein Angriff vor oder nach den beiden Abstimmungen erfolge, bleibe offen.
