
Belgischer Luftraum geschlossen: Fluglotsen streiken gegen Digital-Tower-Plan
Ein nicht angemeldeter Streik der Fluglotsen von Skeyes legte am Dienstagnachmittag den gesamten zivilen Flugverkehr nach und von Belgien lahm, strandete tausende Passagiere und zog scharfe Kritik der wallonischen Flughafenministerin nach sich.
Die Schließung
Der Flugverkehr nach und von Belgien kam am Dienstag um 14:00 Uhr Ortszeit zum Erliegen, nachdem die Lotsen von Skeyes, dem staatlichen Flugsicherungsdienstleister, einen nicht angekündigten Streik begonnen hatten. Das Unternehmen bestätigte, dass nur ein Minimalbetrieb aufrechterhalten werde: Staatsflüge, medizinische Flüge sowie Such- und Rettungseinsätze. Daten von Eurocontrol deuteten darauf hin, dass die Sperrung bis 21:00 Uhr andauern würde, wenngleich Skeyes-Sprecherin Audrey Dorigo warnte, dass sich die Lage entwickeln könne.
Der Flughafen Brüssel-Zaventem teilte mit, dass die Fluggesellschaften alle geplanten Flüge in dem siebenstündigen Zeitfenster streichen müssten, was etwa 200 Starts und Landungen betrifft. Der Flughafen rief Passagiere mit Buchungen in diesem Zeitraum auf, nicht zum Terminal zu kommen. Brussels Airlines erklärte, sie erwarte eine „erhebliche Auswirkung“ und arbeite daran, Reisende umzubuchen, während sie ihr Bedauern über die Störung ohne vorherige Ankündigung zum Ausdruck brachte.
Nächtlicher Vorläufer
Der Nachmittagsausstand folgte auf einen spontanen Streik in der Nacht von Montag auf Dienstag. Diese frühere Aktion führte zur Streichung von 30 Passagierflügen am Flughafen Charleroi und beeinträchtigte rund 40 Frachtflüge am Flughafen Lüttich. Am Flughafen Brüssel wurden etwa 25 nächtliche Abflüge um ein bis zwei Stunden verzögert, und zwei Flüge mit Ziel Zaventem wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet. DHL-Aviation-Sprecher Lorenzo Van de Pol sagte, dass mindestens zwölf der Unternehmensflüge nicht pünktlich starten konnten, was zu einer „erheblichen Beeinträchtigung“ der Lieferpläne führe.
Der digitale Tower in Namur
Im Zentrum des Konflikts steht der geplante digitale Kontrollturm in Namur, der ab 2027 die Betriebsabläufe der Türme in Lüttich und Charleroi zentralisieren soll. Das Projekt wird letztlich die Anzahl der benötigten Fluglotsen reduzieren. Gewerkschaften und Management hatten über Übergangsmaßnahmen, Arbeitsbedingungen und Unterstützungsregelungen verhandelt. Eine vorläufige Einigung wurde von der größten Gewerkschaft, die eine Mehrheit der Lotsen vertritt, angenommen und an den gemeinsamen Ausschuss weitergeleitet.
Skeyes nahm den Digital-Tower-Punkt von der Tagesordnung der für den 12. Juni anberaumten Sitzung des gemeinsamen Ausschusses, um die Spannungen abzubauen und die Gespräche über Begleitmaßnahmen wieder aufzunehmen. Dennoch führten die Lotsen den Ausstand durch. Der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Verhandlungen bleibt unklar.
Politische Reaktion
Die wallonische Flughafenministerin Cécile Neven nannte den Streik „einfach inakzeptabel“ und stellte fest, dass tausende Passagiere in Charleroi und an anderen belgischen Flughäfen ohne jede Vorankündigung „als Geiseln genommen“ worden seien. Sie warnte davor, dass die wirtschaftlichen Folgen bewertet werden müssten und die Zuverlässigkeit der Flughafeninfrastruktur des Landes erneut Schaden genommen habe.
Ohne Vorankündigung wurden Tausende von Passagieren in Charleroi und anderen Flughäfen des Landes als Geiseln genommen. Auch Unternehmen, die täglich auf unsere Flughäfen angewiesen sind, wurden bestraft.
Neven fügte hinzu, dass die Situation angesichts eines internationalen Kontexts, der bereits durch starke geopolitische Spannungen gekennzeichnet sei, die Luft- und Logistikoperationen erschwerten, besonders schwerwiegend sei. Sie bereitet ein Schreiben an den föderalen Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke vor, in dem die konkreten Folgen für die wallonischen Flughäfen dargelegt werden, und forderte eine rasche Reflexion über Mechanismen zur Gewährleistung der Dienstleistungskontinuität.
Was Passagiere wissen sollten
Der Flughafen Brüssel riet betroffenen Reisenden, auf Kontaktaufnahme durch ihre Fluggesellschaft zu warten und nicht zum Flughafen zu reisen. Flüge, die nach 21:00 Uhr geplant waren, sollten normal durchgeführt werden. Die nächtliche Aktion hatte bereits zu Verzögerungen von ein bis zwei Stunden bei rund 25 Flügen in Brüssel sowie zu zwei Umleitungen zu Ausweichflughäfen geführt. Der Betrieb in Charleroi, Lüttich und Ostende wurde am Dienstagmorgen um 9:30 Uhr wieder aufgenommen, bevor die Nachmittagsschließung begann.
- Wildcat-Streik in der Nacht beginnt; Flugverkehr an belgischen Flughäfen eingestellt
- Flugbetrieb am Flughafen Brüssel wieder aufgenommen; Verzögerungen von 1–2 Stunden für ~25 nächtliche Abflüge
- Betrieb an den Flughäfen Lüttich, Charleroi und Ostende wieder aufgenommen
- Zweiter Wildcat-Streik beginnt; gesamter ziviler Flugverkehr nach/von Belgien eingestellt
- Erwartetes Ende des Streiks; Flüge sollen wieder planmäßig durchgeführt werden


