
Bayreuther Festspiele: Katharina Wagner entschuldigt sich bei Michel Friedman und setzt abgesagtes Gedenkkonzert wieder an
Nach tagelanger heftiger Kritik hat sich die Bayreuther Festspielleiterin Katharina Wagner bei dem Publizisten Michel Friedman entschuldigt und ihn eingeladen, wie ursprünglich geplant beim Gedenkkonzert zum 150-jährigen Jubiläum zu sprechen.
Das geplante Gedenkkonzert
Ein Gedenkkonzert mit dem Titel „Verstummte Stimmen“ war für den 26. Juli, einen Tag nach der Eröffnung des 150-jährigen Jubiläums der Bayreuther Festspiele, angesetzt. Die Veranstaltung sollte an jüdische Musiker erinnern, die während des NS-Regimes verfolgt wurden. Der Publizist und Rechtsanwalt Michel Friedman war eingeladen, eine Rede zu Richard Wagners Antisemitismus, der Verstrickung seiner Nachkommen mit dem NS-Staat und dem Versagen der Festspiele bei der Aufarbeitung dieser Vergangenheit zu halten.
Absage und heftige Kritik
Kurz vor den Festspielen wurde die Veranstaltung abgesagt; die Festspielleitung begründete dies mit Sicherheitsbedenken. Später stellte sich heraus, dass intern spätestens Mitte März klar war, dass das Konzert nicht stattfinden würde. Dem Friedrichsforum der Stadt, in dem es stattfinden sollte, wurde am 16. März per E-Mail mitgeteilt, dass die Reservierung aufgehoben werden könne. Karten waren nie in den Verkauf gegangen.
In einer Demokratie ist das der Freitod. Die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit dem Antisemiten Wagner wird durch diese Absage ad absurdum geführt.
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, bezeichnete den Schritt als Bankrotterklärung auf allen Ebenen und warf den Festspielen vor, Friedman faktisch ausgeladen und dann mit der Sicherheitsausrede die Schuld auf ihn geschoben zu haben. Der bayerische Kunstminister Markus Blume (CSU) zeigte sich von dieser Begründung nicht überzeugt und forderte die Festspiele auf, eine Lösung zu finden.
Diese Absage ist eine Bankrotterklärung auf allen Ebenen. Ihm an diesem hochsymbolischen Ort eine Plattform zu bieten und sie dann unter einem fadenscheinigen Vorwand wieder zu entziehen, ist unprofessionell und unwürdig.
Wagners Entschuldigung und Kehrtwende
Am Donnerstag, dem 18. Juni, rief Katharina Wagner, die Festspielleiterin und Urenkelin des Komponisten, Friedman an und schickte ihm einen Brief, in dem sie um Vergebung für die Fehleinschätzungen und die verhängnisvollen Nachrichten der Festspiele bat. Sie versicherte ihm, dass die Veranstaltung wie ursprünglich geplant stattfinden werde.
Eine reine Feier wäre für mich unerträglich. Es tut mir wirklich sehr leid.
Friedman nahm ihre Entschuldigung an und erklärte sich bereit, im Juli zum ursprünglichen Termin nach Bayreuth zu reisen. Die Festspiele beabsichtigen nun, das Gedenkkonzert mit seiner Rede wie geplant durchzuführen.
Von der Entscheidung zur Kehrtwende
- Veranstaltungsort Friedrichsforum wird informiert, dass die Reservierung aufgehoben werden kann; interne Entscheidung gegen das Konzert war Mitte März klar.
- Katharina Wagner entschuldigt sich bei Michel Friedman; Friedman nimmt an und erklärt sich bereit, am 26. Juli zu sprechen.
- Geplanter Termin für das Gedenkkonzert „Verstummte Stimmen“ mit Friedmans Rede, einen Tag nach der Festspieleröffnung.
Blume begrüßte den Schritt und betonte erneut, dass der Kampf gegen Antisemitismus einen geeinten Front erfordere. Die Episode zieht einen Schlussstrich unter eine Woche heftiger Kritik, die die Jubiläumssaison eines der renommiertesten deutschen Kulturevents zu überschatten drohte.


