
Grünen-Chef Banaszak wirbt auf Campingplätzen um Ostwähler – Partei droht Ausscheiden aus Landtagen
Angesichts von 4 Prozent in Sachsen-Anhalt und der Gefahr, bei zwei Landtagswahlen im September an der Fünfprozenthürde zu scheitern, fährt Grünen-Co-Chef Felix Banaszak einen alten Campingbus durch die Region, grillt Bratwürste und lädt Einheimische zu „Bier mit Banaszak und Suse“ ein.
Wohnmobil-Tour durch Sachsen-Anhalt
Grünen-Co-Chef Felix Banaszak startete in Berlin mit einem Wohnmobil und steuerte Campingplätze in Sachsen-Anhalt an, anstatt auf Parteiämter zu setzen. Auf dem Platz „Wa-Ca-WI“ bei Wischer grillte er und bat Urlauber ins Gespräch – im Wissen, dass die Grünen im Land nur bei 4 Prozent liegen und weithin als Partei wohlhabender Öko-Enthusiasten aus Großstädten gelten. Banaszak sagte der Deutschen Welle, Ziel sei es, die Menschen dort zu treffen, wo sie sind, statt darauf zu warten, dass sie in eine Geschäftsstelle kommen und sich Expertenvorträge anhören. Auf den Plätzen fuhr er auch einen knallgrünen „Schwalbe“-Roller, um Aufmerksamkeit zu erregen, und in Stralsund schloss sich ihm Claudia Müller an, die Grünen-Spitzenkandidatin für Mecklenburg-Vorpommern.
Wir wollen zeigen: Wir gehen dahin, wo die Leute sind, und warten nicht, dass sie zu uns ins Büro kommen, um Fachvorträge zu hören.
Ostkongress auf Rügen: Strategie und Workshops
Nach der Tour fuhr Banaszak das Wohnmobil zum Hafen von Sassnitz auf der Insel Rügen zum zweiten „Ostkongress“ der Partei innerhalb eines Jahres. Unter dem Motto „Nah an den Leuten. Stark im Wandel“ sollte das Treffen die Moral stärken und Ideen für die beiden schwierigen Wahlkämpfe bündeln. Workshops deckten alles ab, von der Haustür-Werbung bis zu einer Sitzung mit dem Titel „Den Osten mit Taylor Swift gewinnen. Warum wir mehr Creator-Vibes statt politischer Blabla brauchen.“ Sachsen-Anhalts Grünen-Chef Martin Helbig, der eine der Schulungen leitete, sagte, die Partei treffe nicht mehr auf die erbitterte Feindseligkeit, die sie während der bundesweiten „Ampel“-Koalition erlebt habe.
Das ist kein Untergangsgefühl. Ich spüre einen positiven Trotz.
- Banaszak beginnt eine zweitägige Wohnmobil-Tour durch Sachsen-Anhalt, hält an Campingplätzen und lädt Urlauber zu informellen Gesprächen ein.
- Banaszak trifft am Sassnitzer Hafen auf der Insel Rügen zur Strategiekonferenz 'Ostkongress' der Partei ein.
Wahlarithmetik und Imageproblem
Die Herausforderung der Grünen ist klar. 2024 wurden sie aus den Landtagen von Brandenburg und Thüringen geworfen, und die jüngsten Umfragen sehen sie in Sachsen-Anhalt bei 4 Prozent, unter der Fünfprozenthürde. In ganz Ostdeutschland hat die Partei weniger als 15.000 Mitglieder von rund 183.000 bundesweit; weniger als 8 Prozent der Mitglieder leben in den relativ dünn besiedelten ostdeutschen Ländern. Das Image der Partei als städtisch-akademisches Milieu sei ein Handicap, so Analysten.
Die Grünen haben sich im Osten immer schwergetan. Dort sind sie – mehr als im Westen – weniger auf ihr etabliertes, eher akademisches Milieu in den Städten angewiesen.
„Wahlkampfurlaub“ und Forderung nach dauerhafter Präsenz
Um die dünne Organisationsbasis auszugleichen, startet die Partei das Programm „Wahlkampfurlaub“: Freiwillige aus westlichen Bundesländern reisen in den Osten, bleiben vor Ort und helfen bei der Tür-zu-Tür-Arbeit. Rund 500 Anmeldungen sind bereits eingegangen, etwa gleichmäßig auf die beiden Länder verteilt. Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne, der die Initiative lobte, warnte davor, dass der größte Fehler jeder demokratischen Partei wäre, dem Osten den Rücken zu kehren. Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt an die Macht kommen, so warnte er, hätte dies weitreichende Folgen für das gesamte Bundesgefüge – vom Informationsaustausch zwischen Innenbehörden bis hin zu gemeinsamen Entscheidungen in der Bildungspolitik.

