BAföG-Reform in Deutschland steht vor dem Aus: Forschungsministerin Bär signalisiert, dass die Koalition die Unterstützung für die Studentenförderungsreform entzogen hat
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär rechnet mit dem Scheitern der geplanten BAföG-Reform und verweist auf fehlende Unterstützung in den Regierungsfraktionen sowie auf die Notwendigkeit fiskalischer Zurückhaltung angesichts von Kürzungen an anderer Stelle.
Reform in Gefahr
Die lang geplante Überarbeitung des deutschen Studentenförderungssystems BAföG steht kurz vor dem Scheitern. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass ihr Ministerium zwar alle Vorarbeiten abgeschlossen habe und im Zeitplan liege, sie aber erfahren habe, dass die Reform in den Regierungsfraktionen keine Mehrheit mehr habe.
Mein Haus hat alle Weichen gestellt für die Bafög-Reform und wir sind auch im Zeitplan. Ich habe aber auch gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird.
Die Reform sollte zum Beginn des Wintersemesters 2026/27 in Kraft treten. Ein Streit über ihre Finanzierung schien Ende April beigelegt, als die schwarz-rote Koalition sich Berichten zufolge bei den Haushaltsberatungen einigte und signalisierte, dass das Gesetzgebungsverfahren normal fortgesetzt werde.
Was die Reform versprach
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD hatte eine große BAföG-Modernisierung versprochen. Der erste Schritt, der für das kommende Wintersemester vorgesehen war, hätte den Wohnzuschlag für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, von 380 auf 440 Euro pro Monat erhöht. Anschließend sollte der Grundbedarfssatz – derzeit 475 Euro pro Monat – in zwei Stufen bis zum Wintersemester 2027/28 und ein Jahr später an das Niveau der Grundsicherung angeglichen werden.
- Koalitionsvertrag verspricht große BAföG-Modernisierung
- Finanzierungsstreit scheint beigelegt; Gesetzgebungsverfahren soll fortgesetzt werden
- Ministerin Bär sagt, Reform werde von Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt
- Geplanter Starttermin für ersten Reformschritt (Wintersemester 2026/27)
Finanzielle Abwägungen
Bär zeigte Verständnis für die politische Logik, die Reform auf Eis zu legen. Sie verwies auf gleichzeitige Sparforderungen in anderen Bereichen, darunter Kürzungen beim Elterngeld und Einsparungen bei Pflegebedürftigen, und argumentierte, es sei widersprüchlich, an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen zu versprechen.
Wenn Pflegebedürftige sparen sollen und beim Elterngeld Kürzungen vorgenommen werden, dann ist nachvollziehbar, dass man nicht gleichzeitig an anderer Stelle große zusätzliche Leistungen verspricht.
Sie stellte die Entscheidung als Frage der Prioritätensetzung und der Zusammenstellung tragfähiger Gesamtpakete dar und merkte an, dass es sinnlos sei, Vorschläge ins Parlament einzubringen, von denen man wisse, dass sie keine Mehrheit hätten.
Ministerin zur Lebenssituation von Studierenden
Bär bezeichnete die Situation der Studierenden in Deutschland als hochprivilegiert und hob die Abwesenheit von Studiengebühren sowie die Rolle des Staates bei der Ermöglichung eines Hochschulstudiums hervor. Sie wies Bedenken zurück, dass Studierende neben dem Studium arbeiten müssten, und deutete an, dass Teilzeitjobs – insbesondere in der vorlesungsfreien Zeit – wertvolle Lebens- und Berufserfahrung böten. „Es wird keinen Rundum-sorglos-Abschluss geben; jeder muss seinen Teil beitragen“, sagte sie.
Weitere Gesetzesvorhaben
Während die BAföG-Reform ins Stocken gerät, bekannte sich Bär zu einer zügigen Reform des Wissenschaftszeitvertrag-Gesetzes. Dieses separate Gesetzesprojekt scheint weiterhin politische Unterstützung zu genießen, selbst wenn das Studentenförderungspaket ins Wanken gerät.


