
Bad Bunny lockt 78.000 nach Mailand: Mischung aus puertoricanischem Stolz und Frust über Sicht und VIP-Zugang
Der puertoricanische Superstar trat fast drei Stunden lang ausschließlich auf Spanisch im Ippodromo La Maura auf, doch einige Fans beklagten, sie hätten nur Bildschirme sehen können, während der pinkfarbene VIP-Bereich 'Casita' erneut Kritik auf sich zog.
Ein rein spanischsprachiges Spektakel
Bad Bunny eröffnete am Freitagabend das erste von zwei Mailand-Konzerten im Ippodromo Snai La Maura vor rund 78.000 Menschen. Er trat fast zweieinhalb Stunden lang auf, ohne ein einziges Wort Englisch, und präsentierte eine Setlist, die Stücke seines Grammy-prämierten Albums DeBÍ TiRAR MáS FOToS mit älteren Hits wie 'Monaco' mischte. Eine Live-Band mit Trompeten, Schlagzeug und Klavier begleitete ihn, und an einer Stelle spielte ein Gitarrist die Melodie von Domenico Modugnos 'Nel blu dipinto di blu', was zu einem gemeinsamen Mitsingen führte.
Ich bin mir sicher, dass ich noch nie so viele Menschen bei einem meiner Konzerte gesehen habe.
Der puertoricanische Star, bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio, sprach das Publikum nur auf Spanisch an und forderte es wiederholt auf, den Moment zu genießen. Der Voract Chuwi, ebenfalls aus Puerto Rico, hatte die Menge ab 19:00 Uhr aufgeheizt, obwohl viele Fans Schatten suchten, da die Temperaturen um die 30–33 °C lagen.
Die Casita: Symbol und Kontroverse
Ein zentrales visuelles Element der Tour ist die 'Casita', eine pinkfarbene Nachbildung eines traditionellen puertoricanischen Hauses, die mitten in der Menge platziert ist. Bad Bunny begab sich nach etwa einer Stunde dorthin, wechselte von einem cremefarbenen Anzug zu übergroßer Streetwear, während ein DJ die Band ablöste und die Musik zu Latin Trap und Reggaeton überging. Die Struktur soll eine Hommage an seine Wurzeln sein, wurde aber dafür kritisiert, als exklusiver VIP-Bereich zu fungieren. Bei früheren Stationen wurden Prominente hineingebeten; in Mailand waren keine bekannten Gesichter in der Casita zu sehen, möglicherweise eine Reaktion auf die Elitismus-Vorwürfe.
Danke, dass ihr mich mit meiner Kultur, meiner Flagge und meiner Musik hierher zurückgebracht habt. Heute Nacht sind wir alle Puertoricaner.
Der Zugang zur Casita wird nicht als Premium-Ticket verkauft. Ein Mitarbeiter namens Jeremy, erkennbar an seinen lockigen Haaren, einer Mütze und einer dunkel gerahmten Brille, sucht vor und während der Show Personen aus der Menge aus. Der Auswahlprozess selbst ist unter Fans zu einem Gesprächsthema geworden.
Frust in der Menge
Nicht alle gingen zufrieden nach Hause. In sozialen Medien kursierten Videos von Zuschauern, die die Aufführung nur auf Bildschirmen verfolgen konnten, weil sie zu weit von der Bühne entfernt standen. Eine virale Beschwerde lautete: 'Man konnte nur den Bildschirm sehen. Er war hinter diesem schwarzen Schuppen.' Die Kritik erstreckte sich auch auf die grundlegende Logistik: Das Sicherheitspersonal konfiszierte an den Eingängen Flaschenverschlüsse, eine Standardmaßnahme, aber lange Schlangen an den Wasserstellen in der Sonne führten dazu, dass einige Besucher sich unwohl fühlten. 'Meine Freunde dachten, ich wäre ohnmächtig geworden', schrieb ein Konzertbesucher.
Zur Spannung trug auch der Bereich 'Los Vecinos' bei, ein Sitzplatzbereich hinter der Hauptbühne. Zum Preis von 234,15 € zuzüglich Gebühren war er schnell ausverkauft und bot eine nahe, erhöhte Sicht, allerdings von hinten auf den Künstler und die Band. Der Kontrast zwischen denen, die über 230 € für eine Perspektive hinter der Bühne zahlten, und denen, die auf der Wiese Schwierigkeiten hatten, die Bühne überhaupt zu sehen, befeuerte die Debatte über die Kompromisse bei Megakonzerten.
Zweite Nacht und Tourkontext
Eine zweite Show ist für Samstag, den 18. Juli, geplant, mit einer ähnlichen Besucherzahl. Zusammen machen die beiden Mailand-Termine 157.000 Tickets aus, die alle in weniger als vier Stunden verkauft wurden. Die Tour unterstützt DeBÍ TiRAR MáS FOToS, das erste rein spanischsprachige Album, das den Grammy für das Album des Jahres gewann. Bad Bunny trat zuletzt 2019 beim Milano Latin Festival in Italien auf.
Ich fühle eine besondere Verbindung zu den europäischen Fans, die es schaffen, meine Musik zu ihrer eigenen zu machen, weit über Sprachbarrieren hinweg.
- Die puertoricanische Band Chuwi eröffnet die Show
- Bad Bunny betritt die Bühne in einem cremefarbenen Anzug und eröffnet mit 'LA MuDANZA'
- Wechsel zur pinkfarbenen 'Casita' in der Menge; DJ-Set beginnt, Outfitwechsel zu Streetwear
- Show endet nach fast 2,5 Stunden


