
Oberster Gerichtshof Großbritanniens spricht Mercedes, Renault und Ford in Diesel-Emissions-Sammelklage von 1,6 Millionen Fahrern weitgehend frei
In einem 369-seitigen Urteil von Richterin Lady Justice Cockerill wurde festgestellt, dass die meisten Abgassteuerungsstrategien in 20 Musterfahrzeugen keine verbotenen Abschalteinrichtungen darstellten, wobei jedoch eine Mercedes-Strategie und einige Peugeot-Citroën-Einheiten beanstandet wurden.
Umfang der Klage
Rund 1,6 Millionen Autofahrer in England und Wales verklagten mehr als ein Dutzend Hersteller mit der Behauptung, dass ab 2009 gebaute Dieselfahrzeuge verbotene Abschalteinrichtungen (prohibited defeat devices, PDDs) enthielten, die Käufer über die tatsächlichen Emissionen getäuscht hätten. Der zehnwöchige Prozess, der im März 2026 endete, untersuchte 20 Musterfahrzeuge von fünf Herstellern: Mercedes-Benz, Renault, Nissan, Ford und Peugeot-Citroën. Die Kläger argumentierten, die Autos hätten Testbedingungen erkannt und die Schadstoffemissionen (insbesondere Stickoxide) verändert, um innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte zu bleiben.
Was das Gericht entschied
In einem am 10. Juli 2026 verkündeten 369-seitigen Urteil wies Lady Justice Cockerill die meisten Hauptvorwürfe zurück. Das Urteil stellte klar, dass nicht jede Kalibrierung oder Abgassteuerungsstrategie als Abschalteinrichtung zu werten sei.
Damit eine Abschalteinrichtung vorliegt, muss die Absicht bestehen, die Abgasreinigung anders zu steuern, wenn das Fahrzeug erkennt, dass es getestet wird.
Das Gericht befand, dass allein der Nachweis einer verringerten Wirksamkeit der Abgasreinigung außerhalb von Testbedingungen nicht ausreiche. Das Urteil betraf Mercedes-Benz, Renault, Peugeot-Citroën, Nissan und Ford, die alle die Vorwürfe bestritten hatten.
Die zwei Ausnahmen
Das Urteil hob zwei Strategien besonders hervor. Eine davon war eine in Mercedes-Fahrzeugen verbaute Vorrichtung, die der Hersteller 2015 per Software-Update entfernte; das Gericht stufte sie vor diesem Update als nicht konform ein. Eine weitere Ausnahme betraf Abgassteuerungsstrategien in einigen Peugeot-Citroën-Fahrzeugen. Abgesehen von diesen Feststellungen wurde der Großteil der Klagen abgewiesen.
- Volkswagen räumt ein, 11 Millionen Motoren mit Abgasmanipulationssoftware ausgestattet zu haben, was den globalen Dieselgate-Skandal auslöst.
- Weltweit werden zahlreiche Zivil- und Strafverfahren gegen mehrere Autohersteller eingeleitet, darunter auch die britische Sammelklage.
- Der zehnwöchige Prozess vor dem High Court in London endet; es werden 20 Musterfahrzeuge von fünf Herstellern untersucht.
- Lady Justice Cockerill verkündet ein 369-seitiges Urteil, das die meisten Vorwürfe abweist; Mercedes- und Peugeot-Citroën-Strategien werden teilweise beanstandet.
- Mercedes-Benz erklärt, aktiv eine Berufung gegen die Feststellung zu seiner Vorrichtung von vor 2015 zu prüfen.
Reaktionen der Hersteller
Mercedes-Benz begrüßte das Gesamtergebnis, wehrte sich jedoch gegen die Feststellung bezüglich seiner Vorrichtung von vor 2015. In einer Erklärung erklärte der deutsche Autobauer, er sei mit der Einschätzung des Gerichts nicht einverstanden und prüfe alle Optionen.
Unserer Ansicht nach sind die Abgassteuerungs-Softwarefunktionen sowohl technisch als auch rechtlich vertretbar. Wir prüfen aktiv alle uns zur Verfügung stehenden Optionen, einschließlich eines möglichen Rechtsmittels.
Peugeot-Citroën hatte sich zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung noch nicht geäußert. Renault, Nissan und Ford gaben zunächst keine öffentlichen Stellungnahmen ab.
Ein Fragment des größeren Dieselgate-Erbes
Der britische Fall ist eines von vielen zivil- und strafrechtlichen Verfahren, die aus dem globalen Skandal hervorgingen, der im September 2015 ausbrach, als Volkswagen einräumte, weltweit bis zu 11 Millionen Motoren mit Software zur Manipulation von Abgaswerten ausgestattet zu haben. Das heutige Urteil betrifft nur die fünf Hersteller, deren Musterfahrzeuge im Prozess untersucht wurden, obwohl die umfassendere Klage mehr als ein Dutzend Autofirmen umfasst. Die Anwälte der Kläger merkten an, dass die Formulierung von Lady Justice Cockerill Raum für weitere Argumente lasse, die Zusammenfassung der Entscheidung machte jedoch deutlich, dass das Gericht die meisten der gegen die Hersteller vorgebrachten endgültigen Vorwürfe zurückwies.


