
Dutzende nach Sonnenfinsternis mit Augenbeschwerden in Kliniken in Deutschland und der Schweiz
Nach der partiellen Sonnenfinsternis am 12. August behandelten Kliniken in Deutschland und der Schweiz Dutzende Patienten mit Augenbeschwerden, bleibende Schäden wurden jedoch nicht bestätigt.
Sonnenfinsternis-Beobachter suchen Hilfe
Am Mittwoch, den 12. August 2026, war eine partielle Sonnenfinsternis über Deutschland und der Schweiz sichtbar, wobei Freiburg eine etwa 90-prozentige Sonnenbedeckung verzeichnete. Trotz vorheriger Warnungen der Gesundheitsbehörden, darunter das Bundesamt für Strahlenschutz in Deutschland und das Bundesamt für Gesundheit in der Schweiz, beobachteten viele ohne zertifizierte Schutzbrillen oder nahmen diese während des Ereignisses ab. Die Schweizer Gesundheitsbehörde hatte festgelegt, dass Brillen, die den Normen ISO 12312-2:2015 und CE entsprechen, erforderlich waren. Am darauffolgenden Tag hatten sich Dutzende Menschen in Augenkliniken in beiden Ländern gemeldet und über Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, brennende Augen, dunkle Flecken und verschwommenes Sehen berichtet.
- Partielle Sonnenfinsternis über Deutschland und der Schweiz sichtbar; Freiburg verzeichnet etwa 90% Sonnenbedeckung
- Acht Personen suchen Hilfe in der Freiburger Universitätsklinik; zehn werden im augenärztlichen Notdienst der Charité Berlin behandelt
- Etwa 20 Patienten im Klinikum Stuttgart und etwa 20 Anfragen in der Mannheimer Augenklinik
- Sechs in Erlangen untersucht; fünf oder sechs im Berner Augenzentrum; Anfragen in Praxen in St. Gallen und Zürich
In Berlin behandelte die Charité in ihrem augenärztlichen Notdienst in der Nacht vom 12. auf den 13. August zehn Personen. Die Klinik erklärte, die Notaufnahmen seien auf weitere Patienten in den kommenden Tagen vorbereitet, da Symptome zeitverzögert auftreten können. In Bayern untersuchte die Augenklinik des Universitätsklinikums Erlangen sechs Patienten mit typischen Beschwerden. Bettina Hohberger, Oberärztin und Augenärztin an der Erlanger Klinik, beschrieb den Diagnoseprozess: ein standardmäßiger Sehtest, gefolgt von einer Untersuchung auf Verbrennungen, wobei bildgebende Verfahren die Details der Verletzungsmuster zeigten. Fünf der sechs Patienten wurden entwarnt, es wurden keine bleibenden Schäden erwartet, der sechste blieb in Untersuchung. An der Augenklinik der LMU München berichtete der stellvertretende Leiter Benedikt Schworm von vier Fällen mit sichtbaren Befunden auf der Netzhaut mittels optischer Kohärenztomographie, obwohl er das gesamte Patientenaufkommen als geringer als erwartet beschrieb.
Kliniken im Südwesten
In Baden-Württemberg, wo die Sonnenfinsternis am deutlichsten zu sehen war, meldeten mehrere Kliniken einen stetigen Strom besorgter Patienten. Die Augenklinik des Universitätsklinikums Mannheim erhielt etwa 20 Anfragen, wobei die Patienten über Kopfschmerzen und Schwindel klagten, so der Klinikdirektor Robert Patrick Finger.
In all diesen Fällen gehen wir davon aus, dass es spurlos verschwindet.
Im Klinikum Stuttgart stellten sich bis zum Mittag des 13. August etwa 20 Patienten vor, keiner mit bestätigtem Schaden. In Freiburg suchten in der Nacht acht Personen Hilfe in der Universitätsklinik, am Folgetag kamen einige weitere mit Brennen, Kopfschmerzen oder Sehstörungen hinzu. Bei keinem Freiburger Patienten wurde eine objektive Verschlechterung des Sehvermögens festgestellt. Ein Kliniksprecher schätzte, dass ähnliche Vorstellungen in den kommenden Tagen fortgesetzt würden.
- Mannheim
- 20
- Stuttgart
- 20
- Charité Berlin
- 10
- Freiburg
- 8
- Erlangen
- 6
Schweizer Kliniken melden Anfragen
In der Schweiz meldeten auch Augenarztpraxen eine Welle von Anfragen. Eine Praxis in St. Gallen bestätigte "relativ viele" Anfragen, während ein Augenzentrum in Bern mitteilte, dass sich fünf oder sechs Personen gemeldet und zusätzliche Notfalltermine vereinbart hätten. Eine Zürcher Praxis bestätigte ebenfalls Kontakte, ohne genaue Zahlen zu nennen. Mehrere Praxen erwarteten weitere Patienten am Freitag und darüber hinaus, da einige Symptome Stunden oder Tage brauchen können, um aufzutreten.
Prof. Nicolas Feltgen, Chefarzt der Augenklinik Basel, erklärte, dass fokussiertes Sonnenlicht eine Schwellung der Netzhaut und der Photorezeptoren verursachen kann, was zu einem zentralen Schatten oder Fleck führt. Der Zustand, bekannt als Sonnenretinopathie, beinhaltet eine kleine Verbrennung der Zellen in der Makula, wobei die Fovea, der schärfste Punkt des Sehens, am stärksten gefährdet ist. Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, so dass eine Schädigung ohne sofortige Wahrnehmung auftreten kann. Feltgen merkte an, dass das dominante Auge am häufigsten betroffen ist und dass die Schwellung ein bis zwei Wochen dauern kann, um abzuklingen.
Nicht selten bleibt ein Restschaden zurück.
Risiko dauerhafter Schäden
Die Netzhaut ist Nervengewebe, das sich nicht regeneriert, sagte Christopher Wirbelauer, Ärztlicher Direktor der Augenklinik Berlin-Marzahn. Bei schweren Schäden, so sagte er, könnten "keine Tropfen, keine Medikamente, keine Operationen" helfen. Zur Untersuchung der Netzhaut muss die Pupille geweitet werden; Verbrennungen können als bräunliche bis schwarze Flecken erscheinen. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte gewarnt, dass es keine Warnsignale für Netzhautschäden gebe; wenn Sehprobleme bemerkt würden, sei der Schaden bereits eingetreten. Ein solcher Schaden wäre sofort bemerkbar, sagte Wirbelauer: Das Sehvermögen würde sich so stark verschlechtern, dass Betroffene keinen Text mehr lesen könnten. Eine 33-jährige Frau, die als Ada identifiziert wurde, sagte gegenüber 20 Minuten, sie habe nach einem kurzen Blick auf eine Sonnenfinsternis 2015 auf den Kanarischen Inseln ohne Schutz fast zwei bis drei Wochen lang fast vollständig das Sehvermögen verloren. Ihr Sehvermögen erholte sich schließlich, aber ihre Augen blieben sehr lichtempfindlich. TikTok-Nutzer posteten Videos, in denen sie weiße, gelbe, rote und orange Flecken sowie verschwommenes Sehen nach der Beobachtung des Ereignisses vom 12. August ohne Brille beschrieben.


