Audi senkt Jahresprognose um 5 Milliarden Euro – China-Flaute und US-Zölle belasten, CFO fordert tiefere Einschnitte
Die Volkswagen-Tochter erwartet nun für 2026 einen Umsatz von 58 bis 63 Milliarden Euro, nachdem sie im April noch 63 bis 68 Milliarden Euro prognostiziert hatte. Die operative Marge im ersten Halbjahr sank auf 3,8 %.
Schwächeres erstes Halbjahr löst Prognosekürzung aus
Audi verzeichnete das schwächste erste Halbjahr seit 2021 mit einem Umsatz von 29,2 Milliarden Euro und einer operativen Marge von nur 3,8 %. Die Volkswagen-Tochter erwartet nun für das Gesamtjahr einen Umsatz zwischen 58 und 63 Milliarden Euro, eine Reduzierung um 5 Milliarden Euro gegenüber der April-Prognose von 63 bis 68 Milliarden Euro. Auch das operative Margenziel wurde um einen Prozentpunkt auf eine Spanne von 5 % bis 7 % gesenkt. Der Gewinn nach Steuern fiel auf 1,1 Milliarden Euro, ein Rückgang um 220 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Umsatz im ersten Halbjahr war so niedrig wie während der Corona-Krise im Jahr 2021.
China und US-Zölle belasten den Absatz
Der Einbruch wird durch einen starken Rückgang in China verursacht, wo Audis Joint Ventures im ersten Halbjahr nur 73 Millionen Euro beisteuerten, etwa ein Viertel des Vorjahreswertes. Intensiver Preiswettbewerb und sinkende Verkaufszahlen sowohl in China als auch in den USA haben den Druck verstärkt. Die unter Präsident Donald Trump verhängten US-Zölle haben die Rentabilität in einem wichtigen Exportmarkt weiter geschmälert.
Kostensenkungsdruck und Werksunsicherheit
Finanzvorstand Jürgen Rittersberger räumte ein, dass die bestehenden Sparmaßnahmen Wirkung zeigen, aber nicht ausreichen.
Wir müssen in diesem Umfeld wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungen beschleunigen.
Er betonte, dass es keine Rivalität zwischen den deutschen Werken in Neckarsulm und Ingolstadt geben werde. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“
VW-Konzernchef Oliver Blume hatte zuvor gesagt, dass die europäische Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen beseitigt werden müsse und dass für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm keine Werksauslastung in den 2030er Jahren bestätigt werden könne. Blume hat auch erklärt, dass er Werksschließungen vermeiden wolle. „Es gibt intelligentere Lösungen als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option“, sagte er. Audi baut bereits bis 2029 bis zu 7.500 Stellen unter einem im März 2025 angekündigten Programm ab, wobei betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausgeschlossen sind. Rittersberger sagte, der Stellenabbau komme gut voran.
Rettungsplan für Neckarsulm in Diskussion
Das Werk Neckarsulm, das nur Verbrennermodelle wie A5, A6, A7 und A8 baut, hat derzeit eine Jahreskapazität von 225.000 Einheiten, gegenüber rund 300.000 vor einigen Jahren. Brancheninsidern zufolge wird laut Handelsblatt eine weitere Reduzierung auf 150.000 Einheiten diskutiert, was einer Halbierung der Kapazität im Vergleich zu 2019 entsprechen würde. Im vergangenen Jahr produzierte das Werk etwa 180.000 Fahrzeuge. Rittersberger bestätigte, dass die Nachtschicht in Neckarsulm gestrichen wird.
Am 9. Juli legte Blume dem Aufsichtsrat einen konzernweiten Sparplan vor, der rechnerisch den Abbau von 55.000 bis 70.000 Stellen und die Schließung von vier Werken bedeuten könnte. Der Aufsichtsrat lehnte den Plan mit 7 zu 5 Stimmen ab. Die Sitzung des Audi-Aufsichtsrats zwei Tage zuvor verlief ruhiger, mit einem „gemeinsamen Verständnis“, dass die Schließung von Neckarsulm nicht die sinnvollste Lösung sei, obwohl keine formelle Zusage gegeben wurde.
Ausblick und nächste Schritte
Rittersberger äußerte Hoffnung auf ein stärkeres zweites Halbjahr, traditionell die bessere Periode für Audi, unterstützt durch neue Modellstarts und niedrigere Kosten. VW-Chef Blume will sein Sparpaket bis Jahresende abschließen, bis dahin sollen Audi-Mitarbeiter Klarheit über ihre Zukunft haben. Das Unternehmen passt die Kapazitäten weiterhin den Marktbedingungen an, wobei die Streichung der Nachtschicht in Neckarsulm bereits beschlossen ist.
- Audi kündigt bis zu 7.500 Stellenstreichungen bis 2029 an
- VW-Chef Blume legt Sparplan dem Aufsichtsrat vor
- Audi senkt Jahresumsatzprognose um 5 Milliarden Euro
- Blume will konzernweites Sparpaket abschließen


