
Neue Schweizer Atomkraftwerke nur mit staatlichen Subventionen und deutlich geringeren Kosten rentabel, ETH-Studie
Eine Studie der ETH Zürich und des PSI zeigt, dass neue Atomkraftwerke in der Schweiz unter den derzeitigen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig wären, aber rentabel werden könnten, wenn der Staat Subventionen gewährt und die Baukosten deutlich sinken.
Die Studie auf einen Blick
Am Montag haben 19 Forschende der ETH Zürich und des Paul Scherrer Instituts (PSI) eine umfassende Analyse veröffentlicht, ob neue Atomkraftwerke in die zukünftige Energielandschaft der Schweiz passen könnten. Die Studie wendet vier verschiedene Energiesystemmodelle für das Jahr 2050 an und untersucht eine Reihe politischer und wirtschaftlicher Bedingungen. Die Autoren betonen, dass ihre Arbeit keine Empfehlung für oder gegen Kernenergie ist, sondern ein wissenschaftlicher Beitrag zur aktuellen politischen Debatte über die Aufhebung des landesweiten Verbots des Baus neuer Reaktoren.
Wir werden kein Plädoyer für oder gegen Kernenergie halten.
Wann sich Atomkraft lohnt – und wann nicht
Die Modelle zeigen insgesamt ein klares Fazit: Unter dem heutigen Markt- und Regulierungsrahmen können neue Atomkraftwerke nicht gegen Alternativen wie Solar-, Wasser- und Batteriespeicher konkurrieren. Das Bild ändert sich nur, wenn der Staat direkte Subventionen gewährt und einen Teil des Investitionsrisikos übernimmt, ähnlich den Fördermechanismen, die bereits für erneuerbare Energien bestehen.
Die Kosten spielen eine entscheidende Rolle. Die Studie verwendet einen Richtwert von 12.000 CHF pro Kilowatt, der die tatsächlichen Baukosten in jüngsten europäischen und US-amerikanischen Projekten widerspiegelt. Auf diesem Niveau zeigen selbst mit staatlicher Unterstützung drei der vier Modelle, dass neue Atomkraftinvestitionen keine Rentabilität erzielen. Eine deutliche Senkung der Baukosten wäre eine Voraussetzung für jedes Szenario, in dem Atomkraft finanziell tragfähig wird.
Eine Netto-Null-Schweiz ohne neue Reaktoren
Die Forschenden stellen fest, dass die Klimaneutralität bis 2050 keine neuen Atomkraftkapazitäten erfordert. Das derzeitige und geplante Portfolio der Schweiz aus Wasserkraft, Photovoltaik, anderen erneuerbaren Energien und Speichern reicht aus, um das Netto-Null-Ziel zu erreichen, sofern das Land einen effizienten Stromhandel mit seinen Nachbarländern aufrechterhält.
Es funktioniert auch ohne Atomkraft.
Der Haken ist der Winter. In den kalten Monaten, wenn die Solar- und Wasserkraftproduktion zurückgeht, müsste die Schweiz immer noch Strom importieren. Neue Atomkraftwerke könnten diese Importmengen verringern, würden das Land aber nicht vollständig autark in der Wintersaison machen. Aus technischer Sicht, so die Studie, könnten neue Reaktoren in ein Netto-Null-Stromsystem integriert werden; ob sie gebaut werden, hängt allein von wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen ab.
Eine polarisierte Debatte wartet auf Zahlen
Die Veröffentlichung erfolgt mitten in einer hitzigen parlamentarischen Debatte über die Aufhebung des seit 2017 geltenden Verbots des Baus neuer Atomkraftwerke. Die beiden Kernaussagen der Studie (keine Wettbewerbsfähigkeit heute, ja zu bedingter Rentabilität mit Subventionen) sorgen dafür, dass sowohl Befürworter als auch Gegner Argumente für ihre Positionen finden werden. Eine politische Auseinandersetzung über die Zahlen selbst ist in den kommenden Monaten so gut wie sicher.


