KI-generiert·Mehr erfahren
© Blick.ch
Regierung·vor 2 Std.

Schweizer Nationalrat weist Vorlage zu Atomkraftwerken an Regierung zurück und fordert Finanzierungsklarheit

Der Schweizer Nationalrat stimmte am Montag mit 100 zu 97 Stimmen bei zwei Enthaltungen dafür, den Vorschlag der Regierung zur Aufhebung des Verbots neuer Atomkraftwerke zurückzuweisen. Die Abgeordneten forderten mehr Informationen darüber, wie künftige Reaktoren finanziert werden sollen.

Eine unerwartete Rücksendung

In einer knappen Abstimmung am Montag entschied sich das Schweizer Parlament, nicht über die Zukunft der Atomenergie zu entscheiden, sondern den Gegenvorschlag des Bundesrates zur Überarbeitung zurückzuweisen. Der Vorstoß, eingebracht von der Mitte-Nationalrätin Priska Wismer, verlangt von der Regierung, zunächst ein klareres Bild davon zu präsentieren, wie neue Atomkraftwerke finanziert werden könnten. Die Abstimmung beendete eine marathonartige Debatte, die sich über mehrere Tage erstreckte und an der über 90 Redner beteiligt waren.

Was zur Debatte stand

Seit 2017 ist der Bau neuer Atomkraftwerke in der Schweiz nach einer Volksabstimmung infolge der Katastrophe von Fukushima verboten. Bestehende Reaktoren dürfen weiter betrieben werden, solange sie sicher sind. Die Volksinitiative „Jederzeit Strom“ (Stop Blackout), lanciert von der Schweizerischen Volkspartei (SVP), will dies ändern, indem sie alle klimafreundlichen Formen der Stromerzeugung, einschließlich der Atomkraft, für zulässig erklärt. Der Bundesrat lehnte die Initiative zwar formell ab, erarbeitete jedoch einen indirekten Gegenvorschlag, der das gesetzliche Verbot für Rahmenbewilligungen für neue Atomkraftwerke aufheben würde. Die kleine Kammer, der Ständerat, hatte diesen Gegenvorschlag bereits in der Frühjahrssession unterstützt.

Die politischen Bruchlinien

Der Rückweisungsantrag des Nationalrates wurde von Sozialdemokraten, Grünen, Grünliberalen und einer Mehrheit der Mitte-Fraktion unterstützt. Die SVP und die FDP lehnten die Rückweisung ab. Während der Debatte argumentierte Energieminister Albert Rösti, dass 30 Prozent des Schweizer Strommixes derzeit aus Atomkraft stammten, und fügte hinzu: „Ich wüsste nicht, woher wir ihn sonst nehmen sollten.“ Er warf den Gegnern vor, die zentrale Rolle der Atomenergie im täglichen Leben und in der Wirtschaft zu ignorieren.

Ohne neue Atomkraftwerke können Sie das Netto-Null-Ziel heute beerdigen.

SVP-Nationalrat Christian Imark warnte, dass die Blockade der Atomkraft aus ideologischen Gründen „durchaus gefährlich“ für das Land sei. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen forderte Investitionen sowohl in Atomkraft als auch in erneuerbare Energien und betonte, es sei keine Frage von „entweder/oder“, sondern von „sowohl/als auch“. FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher verteidigte ebenfalls die Technologieoffenheit und Versorgungssicherheit. Gegner verwiesen auf ungeklärte Fragen zur Finanzierung und zur Endlagerung radioaktiver Abfälle. Die grüne Nationalrätin Marionna Schlatter kritisierte scharf die jahrzehntelange Suche nach einem Endlager und hob den geplanten Standort Nördlich Lägern hervor.

Zeitstrahl der Schweizer Atompolitik
  1. Die Schweizer Stimmberechtigten nehmen das Verbot für den Bau neuer Atomkraftwerke an.
  2. Der Ständerat billigt den Gegenvorschlag des Bundesrates zur Aufhebung des Verbots.
  3. Der Nationalrat stimmt für die Rückweisung des Gegenvorschlags an den Bundesrat und fordert Klarheit bei der Finanzierung.
  4. Der Ständerat entscheidet, ob er dem Rückweisungsantrag zustimmt.

Wie es weitergeht

Der Ständerat muss nun am Dienstag entscheiden, ob er die Rückweisung akzeptiert. Sollte er zustimmen, muss Energieminister Rösti den Vorschlag überarbeiten. Wäre die kleine Kammer gar nicht erst in die Debatte eingetreten, wäre der Gegenvorschlag direkt gescheitert; ein Nichteintretensantrag wurde mit 111 zu 88 Stimmen abgelehnt. Die Entscheidung des Nationalrates bewahrt die Möglichkeit einer zukünftigen Abstimmung über neue Reaktoren, macht jedoch jeden Fortschritt von einem klareren finanziellen Rahmen abhängig.

Bern

4 Quellen

Pollar Weekly abonnieren

Die Woche in Nachrichten, jeden Freitag. Kostenlos.

Kostenlos. Kein Tracking, keine Werbung. Jederzeit abbestellbar.

Mehr aus Politik & Wirtschaft