25.000 marschieren in Palma gegen Massentourismus – Wohnungskrise verschärft sich
Die Polizei schätzt, dass am 26. Juli 2026 in Palma de Mallorca 25.000 Menschen an der dritten jährlichen Protestaktion teilnahmen, die eine Obergrenze für Besucher fordern, während die Bewohner unter unerschwinglichen Mieten und Überfüllung leiden.
Protest im Herzen Palmas
Tausende Menschen gingen am Abend des 26. Juli 2026 in Palma de Mallorca auf die Straße, um gegen das Modell des Massentourismus auf der Insel zu protestieren. Die Demonstration begann mit einer Versammlung auf der Plaza de España, bevor sie durch die Innenstadt zur Kathedrale zog, wo später am Abend ein Manifest verlesen wurde. Die Initiative „Menys Turisme, Més Vida“ (Weniger Tourismus, mehr Leben) rief unter dem Motto „Mallorca am Limit“ zum Protest auf – dem dritten Jahr in Folge. Die Polizei bezifferte die Teilnehmerzahl auf 25.000, während die Organisatoren mit bis zu 40.000 Teilnehmern gerechnet hatten. Die deutsch-mallorquinische Sängerin Maria Hein sang bei der Abschlusskundgebung die mallorquinische Hymne „La Balanguera“.
- Demonstranten versammeln sich am Abend im Zentrum Palmas.
- Protestierende ziehen durch die Innenstadt zur Kathedrale.
- Ein Manifest wird verlesen und Maria Hein singt ‚La Balanguera‘.
Forderungen: Besucherbegrenzung, Entlastung der Wohnungsnot
Die zentrale Forderung der Demonstranten ist eine rechtlich verbindliche Obergrenze für die Besucherzahl. Die Bewohner machen den unaufhaltsamen Anstieg der Touristenankünfte und die Zunahme von Ferienwohnungen für eine Wohnungskrise verantwortlich, die es Menschen mit normalem Einkommen nahezu unmöglich gemacht hat, sich eine Wohnung zu leisten. Nachbarschaftsverbände, Umweltgruppen und andere Organisationen wiesen zudem auf Umweltverschmutzung, Verkehrsstaus, Lärm und die Zerstörung von Naturräumen als direkte Folgen des unkontrollierten Tourismus hin. Viele Demonstranten trugen selbstgemachte Plakate mit Slogans wie „Mallorca overbooked“ und „No more capacity“. Ein Sprecher der Organisatoren sagte Journalisten, der Zeitpunkt sei bewusst auf die Hauptreisezeit gelegt worden, wenn die Insel am vollsten ist.
- Erwartung der Organisatoren
- 40000 Personen
- Schätzung der Polizei
- 25000 Personen
Politischer Zeitpunkt und Tourismusboom
Der Protest findet ein Jahr vor den Regionalwahlen auf den Balearen statt, was den Forderungen politisches Gewicht verleiht. Seit dem Sommer 2025 hat die spanische Regierung in Madrid die Regulierung des Ferienwohnungsmarktes verschärft und geht gegen Zehntausende illegale Airbnb-ähnliche Anzeigen vor. Hintergrund ist eine Tourismusbranche, die sich kontinuierlich ausdehnt: Spanien empfing 2024 über 90 Millionen ausländische Besucher, davon rund 19 Millionen auf den Balearen. Die schiere Menge hat die Inseln zu einem Ganzjahresziel gemacht und verstärkt genau jene Belastungen, gegen die die Demonstranten nun vorgehen.
Ein friedlicher Marsch, anders als frühere Proteste
Anders als bei früheren Anti-Tourismus-Protesten in Barcelona oder Madrid, wo einige Aktivisten Wasserpistolen gegen Touristen einsetzten, wurden in Palma keine nennenswerten Zwischenfälle oder Angriffe gemeldet. Der Marsch blieb durchgehend geordnet, die Teilnehmer konzentrierten sich auf das Manifest und die symbolische Kraft einer Massenversammlung im Herzen der Hauptstadt. Die Organisatoren bezeichneten die Veranstaltung als Signal an die Politik, dass das derzeitige Tourismusmodell an seine Grenzen gestoßen sei und die Bewohner nicht länger bereit seien, die sozialen und ökologischen Kosten ohne eine sinnvolle Kursänderung zu tragen.
