
Deutschlands Owen Ansah gewinnt 200-m-Gold bei der Leichtathletik-EM trotz laufendem Dopingverfahren
Der deutsche Sprinter Owen Ansah hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham in 19,95 Sekunden Gold über 200 m gewonnen, der erste deutsche Titel über diese Distanz seit 44 Jahren, während ihm von der NADA eine vierjährige Sperre wegen eines angeblichen Dopingtest-Verweigerung am 9. Juli droht.
200-m-Finale
Owen Ansah gewann am Freitag das 200-m-Rennen bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham in 19,95 Sekunden und wurde damit der erste deutsche Europameister über diese Distanz seit 44 Jahren. Der letzte deutsche Sieger war Olaf Prenzler, der 1982 in Athen für die DDR Gold holte. Ansah, 25, startet für den Hamburger SV und lag auf der Hälfte der Strecke (10,40 s) noch auf Platz drei, zog aber auf den Schlussmetern an allen vorbei und gewann mit mehr als zwei Zehntelsekunden Vorsprung.
Silber ging an den Briten Zharnel Hughes in 20,16 s. Bronze wurde zwischen dem Italiener Eseosa Fostine Desalu und dem Schweizer Timothé Mumenthaler geteilt, die beide in 20,26 s, auf die Tausendstelsekunde gleich, die Ziellinie überquerten. Mumenthaler, der Titelverteidiger von den Europameisterschaften 2024 in Rom, wo er in 20,28 s gewonnen hatte, war im Halbfinale eine persönliche Bestzeit von 20,09 s gelaufen. Der zweite Schweizer Finalist, William Reais, wurde Achter.
- Owen Ansah (GER)
- 19.95 s
- Zharnel Hughes (GBR)
- 20.16 s
- Eseosa Fostine Desalu (ITA)
- 20.26 s
- Timothé Mumenthaler (SUI)
- 20.26 s
Der Rückenwind überschritt die erlaubte Grenze, wobei die Quellen unterschiedliche Angaben machen: Der Spiegel und die FAZ berichteten von 2,5 m/s, während die New York Times von +3,5 m/s sprach. Ansahs Zeit unterbot dennoch den deutschen Rekord von 20,02 s, den Joshua Hartmann 2023 aufgestellt hatte.
Dopingermittlungen
Ansahs Gold steht im Schatten eines laufenden Anti-Doping-Verfahrens. Die NADA, die nationale Anti-Doping-Agentur Deutschlands, gab am Freitag, den 7. August, bekannt, dass sie Ansah ein „Anschuldigungsschreiben“ zugestellt habe, das einen Verstoß gegen Regel 2.3 ihres nationalen Codes – „Weigerung oder Versäumnis, eine Probe abzugeben“ – bei einem außerwettkampflichen Test am 9. Juli, dem Tag vor seinem 100-m-Lauf beim Diamond-League-Meeting in Monaco, vorwerfe. Die NADA fordert eine vierjährige Sperre.
Das Verfahren beinhaltete keine zwingende vorläufige Sperre, sodass Ansah in Birmingham starten konnte. Er hatte bereits am Dienstag Bronze über 100 m gewonnen, in 10,19 s hinter den Briten Romell Glave (10,09 s, Gold) und Jeremiah Azu (10,16 s, Silber).
- Angeblicher Anti-Doping-Verstoß: Ansah kann bei außerwettkampflicher Kontrolle keine Probe abgeben
- NADA kündigt Anschuldigungsschreiben mit Forderung nach vierjähriger Sperre an
- Ansah gewinnt 100-m-Bronze in 10,19 s hinter Glave und Azu
- Ansah gewinnt 200-m-Gold in 19,95 s, erster deutscher Titel über diese Distanz seit 44 Jahren
Ansah sagte gegenüber der deutschen Website sport1, dass ein Dopingkontrolleur bei ihm zu Hause erschienen sei, als er gerade zum Flughafen aufbrechen wollte, um nach Monaco zu reisen. Er habe nicht sofort eine Urinprobe abgeben können, da er kurz zuvor die Toilette benutzt hatte, und sei nicht über die Konsequenzen einer Nichtabgabe informiert worden. Sein Anwalt Dr. Rainer Tarek Cherkeh erklärte gegenüber The Athletic, Ansah werde die vorgeschlagene Sanktion „nicht akzeptieren“.
Unser Mandant hat zu keinem Zeitpunkt einen Dopingtest verweigert. Er hat zu keinem Zeitpunkt die Abgabe einer Probe verweigert. Und er hat zu keinem Zeitpunkt gesagt oder den Eindruck erweckt, dass er keinen Dopingtest wünscht.
Ob Ansah seine Medaillen behalten darf, falls er gesperrt wird, ist ungewiss.
Weitere deutsche Medaillen
Emil Agyekum holte Silber über 400 m Hürden in 47,87 s, die erste deutsche Medaille in dieser Disziplin seit fast 40 Jahren, seit Harald Schmids letztem von drei Europameistertiteln. Er belegte den zweiten Platz hinter dem Norweger Karsten Warholm, der in 46,63 s gewann.
Ich bin sehr glücklich, das ist etwas Besonderes. Das ist die Belohnung für harte Arbeit. Und es ist erst der Anfang.
Owe Fischer-Breiholz wurde Fünfter über 400 m Hürden in 48,56 s, zwei Zehntel hinter Bronze. Im Diskuswurf der Frauen gewann Shanice Craft Silber mit 65,72 m, hinter der Niederländerin Jorinde van Klinken (67,67 m). Kristin Pudenz wurde Fünfte mit 63,27 m.


