
Owen Ansah lehnt vierjährige Dopingsperre ab und beantragt Sport-Schiedsverfahren
Der deutsche Europameister im Sprint, Owen Ansah, hat eine von der NADA vorgeschlagene vierjährige Sperre wegen eines angeblichen verpassten Tests am 9. Juli abgelehnt und den Fall an das Deutsche Sportschiedsgericht verwiesen, nachdem er seine Saison verletzungsbedingt beendet hatte.
Ablehnung der vierjährigen Sperre
Der deutsche 100-Meter-Rekordhalter Owen Ansah hat eine vorgeschlagene vierjährige Dopingsperre abgelehnt und ein Disziplinar-Schiedsverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht beantragt. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) warf dem 25-jährigen Athleten vor, sich im Juli einem Dopingkontrolltest verweigert zu haben. Ansah hatte eine 20-tägige Frist, die am 7. August begann, um die Sanktion entweder zu akzeptieren oder vor dem Sportschiedsgericht anzufechten. Nach den Anti-Doping-Bestimmungen hätte die Annahme der von der NADA vorgeschlagenen Sanktion die Sperre automatisch auf drei Jahre verkürzt, doch Ansah entschied sich, die Vorwürfe vollständig anzufechten. Ansahs Anwalt Rainer Cherkeh deutete an, dass während des laufenden Verfahrens keine weiteren öffentlichen Stellungnahmen abgegeben würden. Die Agentur bestätigte, dass das formelle Streitverfahren vertraulich nach den Regeln des Deutschen Instituts für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) fortgeführt wird.
NADA kann keine Auskunft über weitere Verfahrensdetails, insbesondere über den Zeitplan, geben. Die Durchführung des Verfahrens obliegt dem Schiedsgericht. Der NADA ist jedoch wichtig, dass das Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht zügig und effektiv durchgeführt wird.
Umstände des Teststreits im Juli
Der Streit geht auf eine Begegnung am 9. Juli zurück, als ein Dopingkontrolleur versuchte, eine Probe gemäß Artikel 2.3 des Nationalen Anti-Doping-Codes zu entnehmen. Ansah erklärte, dass der Kontrolleur außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters erschien, und zwar genau in dem Moment, als der Sprinter sich auf die Abreise zu einem Diamond-League-Meeting in Monaco vorbereitete. Der Athlet des Hamburger SV erläuterte, dass er kurz vor dem Eintreffen des Testers die Toilette aufgesucht hatte und aufgrund des Zeitdrucks durch die Reisevorbereitungen nicht in der Lage war, kurzfristig eine Urinprobe abzugeben. Ansah und sein Rechtsbeistand haben betont, dass er sich während der Begegnung nie geweigert habe, eine Probe abzugeben. Die NADA erhob dennoch Anklage wegen angeblicher Verweigerung oder Nichtabgabe einer Probe, was den üblichen Vorschlag einer vierjährigen Sperre auslöste.
- Dopingkontrolleur versucht, Ansah vor dem Diamond-League-Meeting in Monaco zu testen
- NADA leitet eine 20-tägige Frist ein und schlägt eine vierjährige Sperre vor
- Ansah gibt sofortiges Saisonende aufgrund einer Trainingsverletzung bekannt
- NADA bestätigt, dass Ansah die Sanktion abgelehnt und ein Schiedsverfahren beantragt hat
Meisterschaftstitel und Berufungsverfahren
Ansah nahm an den Europameisterschaften in Birmingham teil, während die Disziplinaruntersuchung noch lief. Der Sprinter sicherte sich eine Bronzemedaille über 100 Meter, bevor er drei Tage später die Goldmedaille über 200 Meter gewann. Das bevorstehende Schiedsurteil wird entscheiden, ob Ansah diese Meisterschaftsmedaillen behält oder mit einer nachträglichen Disqualifikation rechnen muss. Falls eine der Parteien das nationale Schiedsurteil anficht, kann der Fall vor eine internationale Berufungsinstanz gehen. Sowohl Ansah und die NADA als auch World Athletics und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) haben das Recht, die Entscheidung des Schiedsgerichts vor dem Internationalen Sportschiedsgericht (CAS) in Lausanne anzufechten.
Verletzung erzwingt vorzeitiges Saisonende
Obwohl Ansah während des Schiedsverfahrens nicht gesperrt ist und startberechtigt bleibt, endete seine Wettkampfsaison 2026 vorzeitig aufgrund einer Verletzung. Am 27. August, Stunden vor Ablauf der Mitternachtsfrist der NADA, gab Ansah auf Instagram bekannt, dass ihn eine Trainingsverletzung an der Teilnahme hindere. Eine anschließende Magnetresonanztomographie-Untersuchung und Beratungen mit seinem medizinischen Team führten zu der Entscheidung, den Wettkampfbetrieb einzustellen. Der Rückschlag verhinderte seinen geplanten Auftritt beim ISTAF-Leichtathletik-Meeting in Berlin am Sonntag.
Ich habe mich sehr auf den Wettkampf gefreut, aber mein Körper zeigt mir gerade, dass es Zeit ist, ihm die nötige Ruhe zu gönnen.

