
Trump und EU-Spitzen reisen zum NATO-Gipfel nach Ankara – Türkei drängt auf F-35-Triebwerke und Verteidigungsrolle
Der 36. NATO-Gipfel beginnt am 7. und 8. Juli in Ankara. Donald Trump stattet damit als erster US-Präsident seit 17 Jahren der Türkei einen Besuch ab. Die EU-Spitzen Ursula von der Leyen und Antonio Costa führen getrennte Gespräche mit Recep Tayyip Erdoğan.
Ein Gipfel im Zeichen von Verteidigung und Diplomatie
Die türkische Hauptstadt ist Gastgeber des 36. NATO-Gipfels – erst das zweite Mal, dass das Bündnis in der Türkei zusammenkommt, nach dem Treffen 2004 in Istanbul. Erwartet werden 32 Staats- und Regierungschefs, 100 Minister und Diplomaten sowie Vertreter internationaler Organisationen im Präsidentenkomplex Beştepe. Ankara hat für das Ereignis zwischen 50.000 und 56.000 Polizisten eingesetzt und einen Sonderflughafen für die Air Force One vorbereitet.
- Air Force One landet auf einem speziell vorbereiteten Flughafen; die offizielle Begrüßungszeremonie beginnt.
- Trump trifft im Präsidentenpalast für eine zweite Staatszeremonie ein.
- Das Vier-Augen-Gespräch mit Erdoğan beginnt, das bis 17:00 Uhr dauern soll.
- Offizielles Abendessen, das Erdoğan für die NATO-Staats- und Regierungschefs im Präsidentenpalast gibt.
- Bilaterale Treffen mit dem syrischen Präsidenten al-Sharaa, dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj und NATO-Chef Rutte.
- Trump reist aus der Türkei ab.
Trumps 36-stündiger Besuch und das Treffen mit Erdoğan
Donald Trump trifft am 7. Juli um 14:10 Uhr Ortszeit ein. Nach einer Kranzniederlegung am Anıtkabir, dem Mausoleum von Mustafa Kemal Atatürk, begibt er sich zum Präsidentenpalast für einen offiziellen Empfang. Das Vier-Augen-Gespräch mit Erdoğan ist von 15:15 bis 17:00 Uhr angesetzt, gefolgt von erweiterten Delegationsgesprächen und einer möglichen gemeinsamen Pressekonferenz. Am zweiten Tag wird Trump bilaterale Treffen mit dem syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa, dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und NATO-Generalsekretär Mark Rutte abhalten, bevor er um 17:00 Uhr abreist.
Der Verteidigungswunschzettel: F-35, CAATSA und KAAN-Triebwerke
Ganz oben auf der türkischen Agenda stehen Fragen der Verteidigungsindustrie. Ankara strebt die US-Zustimmung für eine Charge von rund 40 General-Electric-F110-Triebwerken an, die für seinen Tarnkappenjäger der fünften Generation, KAAN, benötigt werden. Türkische Beamte räumen ein, dass sich das heimische Triebwerksprogramm noch in einer frühen Phase befinde, was die US-Lieferung entscheidend mache. Auch das F-35-Programm und die CAATSA-Sanktionen stehen auf dem Tisch, obwohl von AFP zitierte Analysten meinen, der Besuch werde den F-35-Streit wohl nicht lösen. Vergangenen Monat versprach Trump, Erdoğan „sehr glücklich“ zu machen – eine Bemerkung, die weithin als Signal für das Triebwerksgeschäft gewertet wurde.
EU will Beziehungen zur Türkei wiederbeleben
Am Rande des Gipfels werden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa ein Arbeitsgespräch mit Erdoğan führen. Die EU-Seite erklärt, das aktuelle geopolitische Umfeld erfordere einen stärkeren Dialog und eine engere Zusammenarbeit auf der Grundlage der gemeinsamen Erklärung vom November 2023 zu den politischen, wirtschaftlichen und Handelsbeziehungen. Regionale Entwicklungen, darunter die Bemühungen des UN-Generalsekretärs um Zypern, werden ebenfalls erörtert. Kommissionssprecher Olof Gill bezeichnete die Türkei als „wichtigen Partner“, als er nach von der Leyens früheren Äußerungen gefragt wurde, die die Türkei zusammen mit Russland und China als regionales Risiko für den Westbalkan eingestuft hatten.
Regionale Brennpunkte und die Rolle der Türkei
Die Tagesordnung des Gipfels umfasst auch den Russland-Ukraine-Krieg, die Gaza-Waffenruhe, die Spannungen zwischen Israel und Iran sowie die Sicherheit in Syrien. Der türkische Außenminister Hakan Fidan schlug gegenüber Israel einen trotzigen Ton an.
Solange Israel oder ein anderer Akteur mit unseren nationalen und regionalen Interessen in Konflikt gerät, haben wir keinen Grund, uns zu fürchten, zu zögern oder zurückzuweichen. Wir haben kein Problem. Der Kampf macht uns keine Angst, er ist unser Job.
Die Türkei positioniert sich als unverzichtbarer Akteur der europäischen Sicherheit und plant, die Verteidigungsausgaben von 2 % auf 3,5 % des BIP zu erhöhen. Erstmals wird das NATO-Verteidigungsindustrieforum offizieller Bestandteil des Gipfelprogramms sein, und ein Außenministertreffen der Istanbuler Kooperationsinitiative wird Katar, Bahrain, Kuwait und die VAE umfassen.


