
Berater der Solidarność und Senatsmarschallstellvertreter Andrzej Wielowieyski im Alter von 98 Jahren gestorben
Der ehemalige Senatsmarschallstellvertreter Andrzej Wielowieyski, der Solidarność während der Werftstreiks von 1980 und den Gesprächen am Runden Tisch beriet, starb am 29. August in seinem Haus in Falenica.
Kriegsuntergrund und frühe Karriere
Andrzej Wielowieyski starb am Abend des 29. August 2026 im Alter von 98 Jahren in seinem Familienhaus im Warschauer Stadtteil Falenica. Geboren am 16. Dezember 1927 in Warschau als Sohn eines polnischen Kavallerieoffiziers, besuchte er während der deutschen Besatzung geheime Oberschulklassen. 1943, im Alter von 16 Jahren, bestand er seine Untergrundprüfungen und schloss sich der Heimatarmee unter dem Decknamen „Wir“ an, wo er in einer Partisaneneinheit kämpfte. Nach Kriegsende trat er dem Landjugendverband „Wici“ bei und schloss 1947 im Alter von 20 Jahren ein Jurastudium an der Jagiellonen-Universität ab. Anschließend ging er in die öffentliche Verwaltung und arbeitete im Ministerium für Finanzen, im Finanzministerium, zwischen 1952 und 1955 in der Direktion für den Bau von Arbeitersiedlungen und später bis 1961 in der Warschauer Kommunalen Wirtschaftsplanungskommission.
Katholische Intelligenz und demokratische Opposition
Ab 1955 nahm Wielowieyski an Treffen im Klub des Krummen Kreises teil, einem unabhängigen Debattenzirkel, dessen Mitglieder später zur Gründung des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter beitrugen. Er war Mitgründer des Warschauer Klubs katholischer Intellektueller, dessen Vizepräsident er von 1965 bis 1972 war und später in zwei getrennten Amtszeiten (1972–1981 und 1984–1989) als Sekretär fungierte. Zwischen 1961 und 1978 arbeitete er in der Redaktion der Monatszeitschrift „Więź“, wo er bis 1980 die sozialpolitische Abteilung leitete. Zudem gehörte er der Führung der internationalen katholischen Intellektuellenbewegung Pax Romana an und war von 1981 bis 1985 Mitglied des Sozialrates des Primas. 1976 unterzeichnete er eine Petition an den Staatsratsvorsitzenden Henryk Jabłoński zur Verteidigung von Arbeitern, die nach Protesten in Radom und Ursus Repressionen durch die Regierung ausgesetzt waren.
Solidarność-Experte und der Runde Tisch
Im August 1980 schloss sich Wielowieyski der Expertenkommission zur Beratung des überbetrieblichen Streikkomitees auf der Danziger Werft an, die die Verhandlungen führte, die zur Unterzeichnung des Danziger Abkommens führten. 1981 ernannte ihn die Landeskoordinierungskommission zum Leiter des Beraterteams der Gewerkschaft im Zentrum für sozial-berufliche Arbeit. Er wurde 1983 Berater von Lech Wałęsa und beriet später die Landesexekutivkommission der Solidarność, während er zum Zentrum für bürgerliche Gesetzesinitiativen beitrug. 1989 war er Mitorganisator des Bürgerkomitees Solidarność und leitete während der Gespräche am Runden Tisch die Arbeitsgruppe zu Indexierung und Sozialpolitik. Seine Tochter, die Journalistin Dominika Wielowieyska, bestätigte seinen Tod öffentlich in den sozialen Medien.
Er ist am Samstagabend, dem 29. August, im Kreise seiner Familie verstorben.
Parlamentarische Karriere und staatliche Ehrungen
Nach den Wahlen vom 4. Juni 1989 zog Wielowieyski für das Bürgerkomitee Solidarność in den neu wiederhergestellten Senat ein, wo er stellvertretender Marschall der ersten Senatsperiode und stellvertretender Vorsitzender des Bürgerparlamentsklubs wurde. In den Jahren 1991, 1993 und 1997 wurde er für drei aufeinanderfolgende Legislaturperioden in den Sejm gewählt, bevor er von 2001 bis 2005 für eine vierjährige Amtszeit in den Senat zurückkehrte. Politisch schloss er sich der Bürgerbewegung für Demokratisches Handeln, der Demokratischen Union, der Freiheitsunion, der Demokratischen Partei und später 2016 der Union der Europäischen Demokraten an. 2008 übernahm er nach dem Tod von Bronisław Geremek einen Sitz im Europäischen Parlament, den er bis 2009 innehatte. Präsident Bronisław Komorowski verlieh ihm 2011 Polens höchste Auszeichnung, den Orden des Weißen Adlers. Der frühere Kanzleichef des Präsidenten, Jacek Michałowski, veröffentlichte nach der Bekanntgabe einen Nachruf.
Andrzej Wielowieyski ist gestorben. Sehr traurig. Der letzte der großen Väter unserer Demokratie.
- Einsatz in der Heimatarmee unter dem Decknamen „Wir“
- Abschluss des Jurastudiums an der Jagiellonen-Universität
- Wahl zum Vizepräsidenten des Warschauer Klubs katholischer Intellektueller
- Beratung des überbetrieblichen Streikkomitees auf der Danziger Werft
- Teilnahme an den Gesprächen am Runden Tisch und Wahl zum Senatsmarschallstellvertreter
- Einzug ins Europäische Parlament
- Verleihung des Ordens des Weißen Adlers durch Bronisław Komorowski


