
Italien gedenkt zehn Jahre nach Erdbeben von Amatrice – Anwohner protestieren gegen Wiederaufbauverzögerungen
Zehn Jahre nach dem Erdbeben in Mittelitalien 2016 mit 299 Toten besuchten italienische Spitzenpolitiker Amatrice, während Anwohner in einer Container-Kapelle einen Alternativgottesdienst abhielten, um gegen die schleppenden Wiederaufbauarbeiten zu protestieren.
Gedenkfeiern und Staatsbesuche
Italien gedachte des zehnten Jahrestags des Erdbebens in Mittelitalien vom 24. August 2016, bei dem 299 Menschen ums Leben kamen, 365 verletzt und über 40.000 Bewohner in der Apennin-Region obdachlos wurden. Staatspräsident Sergio Mattarella richtete eine Botschaft, in der er die Behörden aufforderte, so schnell wie möglich wieder normale Lebensbedingungen herzustellen, und betonte die Notwendigkeit, Präventions- und Interventionsmechanismen kontinuierlich zu stärken. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reiste am Nachmittag mit dem Hubschrauber nach Amatrice, überflog die Rote Zone und landete am Parco Don Minozzi. Meloni legte einen Lorbeerkranz am Denkmal für die Opfer nieder und traf sich mit trauernden Familien in einer örtlichen Turnhalle. Sie erklärte, der Wiederaufbau habe nach anfänglichen Verzögerungen nun an Fahrt gewonnen.
Die Erschütterung war groß, aber das Engagement ist größer, denn vor allem wollen wir weiterhin Antworten geben.
Protest der Anwohner und Container-Messe
Die Gedenkfeierlichkeiten begannen in der Nacht um 03:36 Uhr mit einem Fackelzug und 239 Glockenschlägen für die Opfer in Amatrice. Die Spannungen aufgrund des schleppenden Wiederaufbaus entluden sich am Morgen, als zahlreiche Anwohner und der ehemalige Bürgermeister Sergio Pirozzi die offiziellen Zeremonien boykottierten. Pfarrer Don Jhon Larry Flores Panaifo feierte um 11:00 Uhr einen Alternativgottesdienst in einem provisorischen Container, der weiterhin als Kirche der Pfarrei Sant'Agostino dient. Die protestierenden Anwohner verbreiteten eine Erklärung, in der sie sich gegen die Änderungen des traditionellen morgendlichen Liturgieplans wandten und argumentierten, dass die offiziellen Veranstaltungen eher politischen Agenden als den Bedürfnissen der Gemeinschaft dienten. Kardinal Matteo Zuppi leitete den offiziellen Gottesdienst auf dem Sportplatz Tilesi und sprach die anhaltenden Frustrationen in der Region an.
Kontroversen interessieren uns jetzt nicht, sondern das Engagement aller, angefangen beim Staat und seinen Institutionen, der Kirche sowie der Leidenschaft und Kreativität jedes Einzelnen.
- Fackelzug mit 239 Glockenschlägen für die Opfer von Amatrice
- Don Jhon Larry Flores Panaifo leitet Gegenmesse in der Container-Kapelle
- Ministerpräsidentin Giorgia Meloni trifft per Hubschrauber am Parco Don Minozzi ein
Wiederaufbauverzögerungen und regionale Appelle
Regionale Spitzenpolitiker versammelten sich in Amatrice, um die anhaltenden Herausforderungen des Wiederaufbaus in Mittelitalien zu thematisieren. Der Präsident der Region Latium, Francesco Rocca, der während des Notstands 2016 das Italienische Rote Kreuz leitete, erklärte, dass die öffentliche Hand eine fortwährende Verantwortung für den Abschluss der Wiederaufbauarbeiten trage. Rocca betonte, dass der Wiederaufbau neben den physischen Strukturen auch das soziale Leben und die Gemeinschaftsbeziehungen wiederherstellen müsse. Auch der Präsident der Region Abruzzen, Marco Marsilio, und der Bürgermeister von L'Aquila, Pierluigi Biondi, nahmen teil und verwiesen auf die administrativen Fortschritte unter Sonderkommissar Guido Castelli. Biondi zog Parallelen zur Erholung nach dem Erdbeben von 2009 in L'Aquila und äußerte die Hoffnung, dass die betroffenen Gemeinden wieder Stabilität erlangen könnten.
Nach zehn Jahren haben diejenigen, die gewartet haben, lange genug gewartet.
Wissenschaftliche Überwachung und freiwillige Hilfe
Wissenschaftliche Einrichtungen und Hilfsdienste veröffentlichten Rückblicke auf das Jahrzehnt nach der Erdbebenserie. Das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie berichtete, dass seine Sensoren in den letzten zehn Jahren mehr als 150.000 Erdbeben im zentralen Apennin registriert haben. INGV-Präsident Fabio Florindo und der Leiter der Erdbebenabteilung, Salvatore Stramondo, stellten öffentliche Ressourcen zur Verfügung, darunter eine interaktive Story-Map und das Archiv der Hüter der Erinnerung, um die Berichte der Überlebenden zu bewahren und die Forschung zu widerstandsfähigem Bauen zu unterstützen. Vertreter des Nationalparks Monti Sibillini betonten, dass Naturschutz und sozioökonomische Wiederbelebung in den betroffenen Gebieten der Marken und Umbriens Hand in Hand gehen müssten. Darüber hinaus gaben die Nationale Feuerwehr und der Freiwilligenverband Unitalsi Erklärungen ab, in denen sie an ihre langjährigen Rettungs- und Zivilschutzeinsätze in den betroffenen Gemeinden erinnerten.


