Russland beschuldigt Ukraine, Chefingenieur des Atomkraftwerks Saporischschja bei Drohnenangriff getötet zu haben
Rosatom teilt mit, Alexander Jakowlew und sein Fahrer seien gestorben, als eine Drohne ihr Dienstfahrzeug nahe dem besetzten AKW Saporischschja traf. Die IAEO nannte den Angriff inakzeptabel und warnte, er gefährde die nukleare Sicherheit.
Der gemeldete Angriff
Der russische Staatskonzern Rosatom teilte am 15. Juli 2026 mit, dass der Chefingenieur des besetzten Kernkraftwerks Saporischschja, Alexander Jakowlew, bei einem von ihm als gezielten ukrainischen Drohnenangriff bezeichneten Vorfall getötet wurde. Nach Angaben von Rosatom-Chef Alexei Lichatschow traf eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte ein Dienstfahrzeug des Werks an der Grenze zwischen dem Werksgelände und der Stadt Enerhodar. Jakowlews Fahrer starb ebenfalls bei dem Vorfall. Lichatschow sagte, Jakowlew habe „sein ganzes Leben der Kernenergie gewidmet und sei gewissermaßen an seinem Kampfposten gestorben.“
Eine Drohne der ukrainischen Streitkräfte griff ein Dienstfahrzeug des Kernkraftwerks an der Grenze zwischen dem Werksgelände und der Stadt Enerhodar an.
Weder die Telegram-Kanäle des Werks noch die von Rosatom hatten zuvor über Jakowlew berichtet, wie mehrere deutsche Medien anmerkten. Die Behauptung wurde nicht unabhängig überprüft.
Reaktion der Ukraine
Die Ukraine bestreitet, Angriffe auf das Werk oder dessen Personal durchzuführen. Das ukrainische Militär erklärte, seine Streitkräfte hielten sich strikt an das humanitäre Völkerrecht und seien sich der katastrophalen Folgen von Angriffen auf Atomanlagen voll bewusst. Eine weitere offizielle Stellungnahme aus Kiew lag zunächst nicht vor.
Verurteilung durch die IAEO
Das russische Außenministerium forderte umgehend eine klare Reaktion der Internationalen Atomenergie-Organisation. Sprecherin Maria Sacharowa rief die IAEO und ihren Generaldirektor Rafael Grossi namentlich auf, „eine klare und eindeutige Erklärung abzugeben, die diesen Mord verurteilt.“
Wir fordern von den zuständigen internationalen Gremien, allen voran der IAEO, eine klare und eindeutige Erklärung, die diesen Mord verurteilt.
Grossi gab später eine schriftliche Erklärung ab, in der er den Angriff als „inakzeptabel“ bezeichnete und warnte, er gefährde die nukleare Sicherheit. Die IAEO rief dazu auf, alle Angriffe auf oder in der Nähe von Atomanlagen und deren Personal einzustellen.
Weitere Angriffe in der Region
Die gemeldete Tötung erfolgte im Zuge einer Gewaltwelle in der Region Saporischschja. Der Regionalgouverneur Iwan Fedorow erklärte, am 15. Juli seien mindestens fünf Zivilisten durch russische Angriffe getötet worden. In der Regionalhauptstadt Saporischschja, die nur gut 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt liegt, starben drei Menschen und 15 wurden verletzt. Zwei Männer wurden zuvor durch ferngesteuerte Drohnenangriffe in der Frontstadt Orichiw getötet. Ständige russische Drohnen-, Bomben- und Raketenangriffe halten die Industriestadt unter fast rund um die Uhr geltenden Luftalarmen.
Jewgeni Balizki, der Chef der russischen Besatzungsbehörden für die Region Saporischschja, meldete ukrainische Drohnenangriffe auf Enerhodar, die Stadt, in der sich das Kraftwerk befindet. Er sagte, die Angriffe hätten einen vollständigen Stromausfall verursacht, sodass soziale Einrichtungen mit Dieselgeneratoren betrieben werden müssten. Auch diese Behauptungen bleiben unbestätigt.
Status des Kraftwerks
Das Kraftwerk Saporischschja ist das größte Kernkraftwerk Europas mit sechs Reaktoren und einer Nennleistung von 6.000 Megawatt. Russische Streitkräfte nahmen es im März 2022 ein, und es ist seitdem unter ihrer Kontrolle. Alle sechs Reaktoren wurden aus Sicherheitsgründen abgeschaltet, obwohl das Kraftwerk weiterhin Strom für seine Kühl- und Sicherheitssysteme benötigt. Beide Seiten haben sich seit Beginn der russischen Großoffensive im Februar 2022 wiederholt vorgeworfen, durch Angriffe auf die Anlage eine nukleare Katastrophe zu riskieren.

