Fünf Jahre nach der Flut im Ahrtal: Neuer rheinland-pfälzischer Regierungschef bereitet Entschuldigung vor, die seine SPD-Vorgänger verweigerten
Fünf Jahre nach der tödlichen Flut im Ahrtal wird der erste CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder, voraussichtlich ein Wahlversprechen einhalten und sich um den Jahrestag am 14. Juli herum formell entschuldigen – ein Schritt, den seine SPD-Vorgänger Malu Dreyer und Alexander Schweitzer nie unternahmen.
Das Versprechen
Gordon Schnieder, der nach dem Sturz der SPD-geführten Regierung Ministerpräsident wurde, machte die Entschuldigung für das, was er Staatsversagen nennt, zum Wahlkampfthema. Im Mai 2025, noch als Oppositionsführer, sagte er, eine formelle Entschuldigung sei dringend nötig für das „Staatsversagen vor, während und nach der Flut“. Jetzt im Amt wird er voraussichtlich um den fünften Jahrestag am 14. Juli 2026 handeln.
Eine Entschuldigung wäre auch dringend nötig gewesen für das, was wir als Staatsversagen vor, während und nach der Flut erlebt haben.
Was seine Vorgänger sagten
Malu Dreyer, zum Zeitpunkt der Katastrophe im Juli 2021 Ministerpräsidentin, drückte wiederholt ihr Bedauern aus, weigerte sich jedoch, sich für eine Naturkatastrophe dieses Ausmaßes zu entschuldigen, und wies darauf hin, dass der Katastrophenschutz lokal organisiert sei. Ihr Nachfolger Alexander Schweitzer, 2021 Arbeitsminister, räumte Fehler auf allen Ebenen ein, einschließlich des Landes, blieb aber eine formelle Entschuldigung schuldig. Er sagte, er habe die Frage intensiv mit den Betroffenen erörtert, bevor er sich dagegen entschied.
Ich kann mich nicht für eine Naturkatastrophe dieses Ausmaßes entschuldigen.
Ich habe mich mit dieser Frage sehr intensiv auseinandergesetzt und sie mir nach vielen Gesprächen mit Betroffenen und Akteuren aus dem Ahrtal so beantwortet.
Stimmung vor Ort
Die Ahr-Kreistagsabgeordnete Cornelia Weigand sagte im September 2024 vor Abgeordneten, eine Entschuldigung sei den Menschen sehr wichtig. Aber fünf Jahre später haben viele im Tal das Gefühl, der Moment sei vorbei, zumal keiner der damals politisch Verantwortlichen noch im Amt sei.
Eine Entschuldigung ist, glaube ich, den Menschen sehr wichtig.
Ein historischer Vergleich
Die verspätete Reue erinnert an die Flugtagkatastrophe von Ramstein 1988, wo es 30 Jahre dauerte, bis sich der damalige Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) formell für den politischen Umgang mit der Verantwortung entschuldigte. Bei dem Unglück starben 70 Menschen, etwa 350 wurden schwer verletzt.
- Sturzflut tötet Dutzende im Ahrtal.
- Landtagsausschuss veröffentlicht Abschlussbericht; Kreistagsabgeordnete hält Entschuldigung für wichtig.
- CDU-Politiker Schnieder verspricht Entschuldigung, falls er Landtagswahl gewinnt.
- Fünfter Jahrestag; Entschuldigung von Ministerpräsident Schnieder erwartet.
Schnieders Entschuldigung würde mit einer landespolitischen Tradition der Zurückhaltung brechen und einen Schlussstrich unter eine Katastrophe ziehen, die Dutzende Menschenleben forderte und die Katastrophenschutzpolitik in Rheinland-Pfalz neu formte.


