
Deutsche Straßenstudie zeigt zunehmende Aggression und weit verbreitete Smartphone-Ablenkung
Eine Langzeitstudie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) mit 2.004 Verkehrsteilnehmern zeigt zunehmende Aggression, häufige Handynutzung und breite Unterstützung für strengere Verkehrsregeln.
Langfristiger Anstieg aggressiven Fahrverhaltens
Eine repräsentative Langzeitbefragung der Unfallforschung der Versicherer (UDV), die am Montag in Berlin vorgestellt wurde, zeigt einen breiten Anstieg aggressiven Verhaltens auf deutschen Straßen. Die Studie befragte zwischen März und April 2026 2.004 Personen ab 18 Jahren. Die Forscher berichteten, dass sich fast alle 23 untersuchten Indikatoren für Verkehrsaggression im Vergleich zur vorherigen Erhebung im Jahr 2023 verschlechtert haben, womit sich ein zehnjähriger Aufwärtstrend fortsetzt. 55 % der Autofahrer gaben an, dass sie das Bedürfnis haben, sich sofort Luft zu machen, wenn sie sich über andere Verkehrsteilnehmer ärgern – gegenüber 50 % im Jahr 2023 und 29 % im Jahr 2016. Zudem gaben 47 % zu, auf Fahrzeuge aufzufahren, die ihnen zu langsam erscheinen, während 32 % einräumten, nach dem Überholen so dicht einzuscheren, dass das überholte Fahrzeug bremsen muss.
Die Leiterin der UDV, Kirstin Zeidler, führte das sich verschlechternde Verkehrsklima auf den zunehmenden Alltagsdruck zurück.
Das Leben wird immer hektischer, wir sind praktisch ständig erreichbar, und der Druck steigt. Der Verkehr bleibt davon nicht verschont, und die Zündschnüre werden kürzer.
Verhalten von Radfahrern und die Wahrnehmungslücke
Der Trend zu konfrontativem Verhalten erstreckt sich auch auf Radfahrer. Den Ergebnissen zufolge gaben 43 % der Radfahrer zu, zumindest gelegentlich ihr Vorfahrtsrecht zu erzwingen – ein Anstieg von 28 % im Jahr 2023. Zudem gaben 48 % an, Autos links zu überholen oder sich durch den Verkehr zu schlängeln, was einem Anstieg um 14 Prozentpunkte gegenüber 2023 entspricht. Die Studie identifizierte eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und Fremdbeobachtung bei den Verkehrsteilnehmern. Während 92 % der befragten Autofahrer angaben, Fahrräder mit besonderer Vorsicht zu überholen, berichteten 86 %, dass sie regelmäßig beobachten, wie andere Autofahrer Radfahrer zu eng überholen. Gleichzeitig gaben 8 % der Autofahrer zu, beim Überholen wenig Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen – doppelt so viele wie drei Jahre zuvor.
Zunehmende Ablenkung durch Mobilgeräte
Die Nutzung von Smartphones während der Fahrt hat in mehreren Bereichen zugenommen. Jeder vierte Autofahrer gab an, zumindest gelegentlich Textnachrichten zu schreiben, und 25 % räumten ein, während der Fahrt im Internet zu surfen. Die Nutzung sozialer Medien am Steuer stieg auf 20 %, gegenüber etwas mehr als 10 % im Jahr 2023. Die Nutzung mobiler Geräte konzentriert sich auf jüngere Altersgruppen: 63 % der Autofahrer im Alter von 18 bis 35 Jahren nutzen ihr Telefon während der Fahrt, verglichen mit 42 % der 36- bis 55-Jährigen und 22 % der 56- bis 69-Jährigen. Gleichzeitig hat das Risikobewusstsein nachgelassen: 74 % stuften das Schreiben von Nachrichten am Steuer als sehr riskant ein, gegenüber 84 % im Jahr 2023.
- 18 bis 35 Jahre
- 63 %
- 36 bis 55 Jahre
- 42 %
- 56 bis 69 Jahre
- 22 %
Zeidler kommentierte den Zusammenhang zwischen Alltagstechnologie und Verkehrssicherheit.
Der Zeitgeist läuft der Sicherheit zuwider.
Öffentliche Unterstützung für strengere Vorschriften
Trotz der Verhaltensänderungen fühlten sich 58 % der Befragten auf deutschen Straßen sicher oder sehr sicher (2023: 56 %), während 14 % angaben, sich unsicher zu fühlen. Die Umfrage verzeichnete Rekordwerte bei der Unterstützung für verschiedene nationale Geschwindigkeitsbegrenzungen und Alkoholbeschränkungen. Insgesamt 60 % der Befragten befürworteten ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen – der höchste Wert seit Beginn der Studienreihe im Jahr 2010. Die Zustimmung erreichte 53 % für ein Limit von 80 km/h auf Landstraßen, 43 % für ein Tempolimit von 30 km/h in Innenstädten und 74 % für eine Null-Promille-Grenze für Autofahrer. Als Reaktion auf die Erkenntnis, dass Befragte selten Polizeikontrollen erleben und Strafen als milde empfinden, forderte die UDV mehr Verkehrskontrollen und härtere Strafen.
- Null-Promille-Alkoholgrenze für Autofahrer
- 74 %
- 1,1-Promille-Alkoholgrenze für Radfahrer
- 72 %
- 130 km/h Autobahn-Tempolimit
- 60 %
- 80 km/h Landstraßen-Tempolimit
- 53 %
- 30 km/h innerörtliches Tempolimit
- 43 %


