AfD legt Bedingungen für Unterstützung einer möglichen CDU/CSU-Minderheitsregierung in Deutschland fest
Ein internes Strategiepapier des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Sebastian Münzenmaier legt Bedingungen für die Unterstützung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung fest und fordert Ausschussvorsitze, die Wiederbelebung der Kernenergie und Sozialkürzungen.
Führungsdiskussionen in Berlin
Die Führung der AfD-Bundestagsfraktion hat Bedingungen für eine mögliche Unterstützung einer von CDU/CSU geführten Minderheitsregierung formuliert. Das Szenario befasst sich mit dem möglichen Scheitern der amtierenden Bundeskoalition aus Union und SPD. Bernd Baumann, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, bestätigte am Dienstag gegenüber Journalisten in Berlin, dass der Fraktionsvorstand die Eventualität in seiner Sitzung am Montag erörtert habe. Baumann erklärte, die Vorbereitung auf verschiedene politische Szenarien sei Routine, und merkte an, dass der Vorstand während der Sitzung keine formellen Beschlüsse gefasst habe.
- Sebastian Münzenmaier verfasst internes AfD-Strategiepapier zu Optionen einer Minderheitsregierung
- AfD-Fraktionsführung diskutiert Szenarien einer Minderheitsregierung in Berlin
- Details des internen Strategiepapiers und der Führungsdiskussionen werden öffentlich bekannt
Drei strategische Wege
Im Mittelpunkt der Diskussionen steht ein Debattenpapier vom 15. September 2026, verfasst vom stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Sebastian Münzenmaier, der auch Landesvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz ist. Das Papier stellt drei Optionen vor, wie die AfD ein CDU/CSU-Minderheitskabinett behandeln könnte. Die erste Option sieht die vollständige Verweigerung jeglicher Zusammenarbeit und die Forderung nach sofortigen Neuwahlen vor, wobei das Papier anmerkt, dass dies der Partei den Vorwurf einbringen könnte, sich der legislativen Verantwortung zu entziehen. Der zweite Weg schlägt eine selektive, fallweise Zusammenarbeit ausschließlich bei Gesetzesvorlagen vor, die mit dem AfD-Programm übereinstimmen, während weiterhin auf Neuwahlen gedrängt wird. Die dritte Option skizziert eine positionsabhängige Zusammenarbeit, begleitet von einer Gesetzesoffensive in Politikbereichen mit erheblicher gemeinsamer Schnittmenge, was laut dem Dokument eine formelle schriftliche Duldungsvereinbarung erfordern würde.
Die Unterstützung der AfD-Fraktion für eine Minderheitsregierung gibt es nicht umsonst, wir sind kein bloßer Steigbügelhalter. Zusammenarbeit erfordert Gleichbehandlung.
Institutionelle Forderungen und politische Bedingungen
Um seine Unterstützung in einem kooperativen Szenario zu sichern, stellt das AfD-Papier mehrere spezifische institutionelle und politische Anforderungen. Verwaltungstechnisch fordert die Partei die Wahl eines AfD-Abgeordneten zum Vizepräsidenten des Bundestages, die Zuweisung von Ausschussvorsitzen und die Übergabe des derzeit von der SPD-Fraktion genutzten parlamentarischen Sitzungssaals. Das Dokument fordert zudem eine stärkere Einbindung der AfD in die parlamentarischen Beratungen, um die von ihr als ungleich bezeichnete Behandlung zu beenden. Auf gesetzgeberischer Ebene identifiziert das Papier gemeinsame politische Prioritäten, bei denen die AfD gemeinsame Initiativen mit der Union anstrebt. Dazu gehören die Verschärfung der deutschen Staatsbürgerschaftsregelungen, die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft, die Wiederaufnahme der Nutzung der Kernenergie und die Streichung des Bürgergeldes für in Deutschland lebende ukrainische Flüchtlinge.
Reaktionen der Union und parlamentarische Dynamik
Die Aussicht auf eine Minderheitsregierung hat auf deutlichen Widerstand von führenden Persönlichkeiten der CDU und CSU gestoßen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte eine Woche vor Bekanntwerden des AfD-Papiers, er sehe wenig Sinn darin, über das Regieren ohne formelle Koalitionsmehrheit zu spekulieren. Thorsten Frei, der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, lehnte das Konzept in einem Interview mit dem Spiegel direkt ab.
Eine Minderheitsregierung wäre der Wahnsinn. Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten unsere Mehrheit mal links, mal rechts suchen.
Trotz der öffentlichen Haltung der Union betonte Baumann, dass kurzfristige legislative Manöver für die AfD ein gangbarer Weg bleiben, solange die derzeitige parlamentarische Arithmetik die Opposition daran hindert, sofortige Neuwahlen zu erzwingen.


