
AfD wählt Weidel und Chrupalla als Co-Vorsitzende wieder; Chrupallas Stimmenanteil sinkt stark auf Erfurter Parteitag
Alice Weidel erhielt 81,3 % der Delegiertenstimmen, ein Anstieg gegenüber 79,8 % vor zwei Jahren, während Co-Vorsitzender Tino Chrupalla auf 70,05 % fiel, nach 82,7 %. Der Parteitag in Erfurt legte zudem einen umstrittenen Antrag von Björn Höcke auf Eis und hob einen Mitgliederzuwachs vor zwei ostdeutschen Landtagswahlen hervor.
Abstimmung über die Führung
Die Delegierten des AfD-Bundesparteitags in Erfurt wählten am Samstag beide Co-Vorsitzenden wieder. Alice Weidel erhielt 81,3 % der gültigen Stimmen, eine Verbesserung gegenüber den 79,8 %, die sie 2024 erzielte. Tino Chrupalla, der die Partei seit November 2019 führt, wurde mit 70,05 % bestätigt, ein Rückgang um mehr als zwölf Prozentpunkte gegenüber seinen vorherigen 82,7 %. Beide traten ohne Gegenkandidaten an und schlugen sich gegenseitig vor. Es wurden nur Ja- und Nein-Stimmen gezählt; Enthaltungen wurden aus der Prozentberechnung ausgeschlossen.
- Weidel 2024
- 79.8 %
- Weidel 2026
- 81.3 %
- Chrupalla 2024
- 82.7 %
- Chrupalla 2026
- 70.05 %
Chrupallas Rückschlag
Chrupallas schwächeres Ergebnis folgt auf interne Spannungen wegen seiner Haltung zu Russland und Kritik an US-Präsident Donald Trump sowie eine kürzliche Angelegenheit mit Verwandten. In seiner Rede setzte er sich gegen Thüringens Landeschef Björn Höcke zur Wehr, der Westdeutsche als „deutschsprachige Amerikaner“ bezeichnet hatte. Chrupalla entgegnete, „der Westdeutsche ist genauso Deutscher wie der Ostdeutsche“ und betonte, die AfD stehe für eine gesamtdeutsche Politik. Der Applaus für ihn war verhalten, während Weidels Rede von vielen Delegierten mit stehenden Ovationen bedacht wurde, wenn auch die Begeisterung gedämpft schien.
Wir wollen regieren. Wir sind zu einer Volkspartei geworden. Wir werden regieren, zuerst in einem Land, dann auf Bundesebene.
Höckes Antrag zurückgezogen
Ein potenziell spaltender Antrag von Höcke zur Lockerung der Unvereinbarkeitsliste der Partei wurde am Samstagmorgen von der Tagesordnung genommen. Die Liste untersagt die Mitgliedschaft in bestimmten extremistischen Organisationen. Höcke wollte die AfD für Personen aus Gruppen wie der Identitären Bewegung öffnen und argumentierte, dass nur Organisationen ausgeschlossen werden sollten, die die parlamentarische Demokratie gewaltsam ersetzen wollen. Unter Druck der Parteiführung zog eine Gruppe von Delegierten um Höcke den Antrag zurück. Weidel versprach, dass der neu gewählte Bundesvorstand die Liste innerhalb eines Jahres mit einem klaren Kriterienkatalog überarbeiten werde.
Wir sind auf dem siegreichen Pfad der Geschichte.
Mitgliederzuwachs und Wahlambitionen
Weidel sagte den Delegierten, die Partei habe nun 75.000 Mitglieder, gegenüber rund 50.000 Ende 2024, und sagte voraus, dass sie bald 100.000 erreichen werde. Sie nannte die AfD „die neue Volkspartei in Deutschland“ und griff Bundeskanzler Friedrich Merz als „Vivaldi“ der Regierungschefs an, der „vier Jahreszeiten von Reformankündigungen“ verspreche, gefolgt von gebrochenen Versprechen. Der Parteitag blickte voraus auf Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September. Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt in Umfragen über 40 %, was die Aussicht auf eine absolute Mehrheit eröffnet. Die Partei wird vom Verfassungsschutz in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als rechtsextremistisch eingestuft.
Wir werden rigoros abschieben!
Proteste und Sicherheit
Zehntausende Demonstranten versammelten sich in Erfurt, und Zufahrtsstraßen wurden blockiert. Die meisten der rund 600 Delegierten trafen jedoch in den frühen Morgenstunden ein und wurden unter Polizeieskorte zum Kongresszentrum gebracht. Bis 5 Uhr morgens waren bereits 540 Delegierte vor Ort. Chrupalla eröffnete die Versammlung pünktlich und bemerkte, dass „der frühe Vogel den Wurm fängt“ und dass „die Antifa-Randalierer ihre eigene Störung verschlafen haben“. Die Polizei gab regelmäßige Sicherheitsupdates und hielt Demonstranten und Delegierte mit Schutzzonen und Straßensperren getrennt.
- Über 540 Delegierte treffen vor 5 Uhr morgens ein und umgehen Protestblockaden.
- Tino Chrupalla eröffnet den Parteitag pünktlich und verspottet Demonstranten.
- Weidel und Chrupalla halten Reden und erheben Anspruch auf die Regierung.
- Weidel mit 81,3 % wiedergewählt, Chrupalla mit 70,05 %.
- Vorschlag zur Lockerung der Unvereinbarkeitsliste nach Druck der Führung zurückgezogen.


