
AfD gewinnt bis zu 45% bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, CDU fällt auf 18%
Hochrechnungen prognostizieren der Alternative für Deutschland bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag zwischen 44% und 45% der Stimmen, während die regierende CDU mit 18% auf dem zweiten Platz liegt.
Hochrechnungsergebnisse in Sachsen-Anhalt
Hochrechnungen im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt sehen die Alternative für Deutschland (AfD) mit zwischen 44% und 45% der Stimmen am Sonntag auf dem ersten Platz. Dies ist der höchste Stimmenanteil, den eine einzelne Partei bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt jemals erreicht hat. Die regierende Christlich Demokratische Union (CDU) fiel auf etwa 18% zurück, etwa die Hälfte ihres vorherigen Wahlergebnisses im Land. Auch die Regierungskoalitionspartner verzeichneten niedrige Zustimmung: die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) erreichte rund 8%, die Freie Demokratische Partei (FDP) fiel auf etwa 2%. Die Wahlbeteiligung war landesweit hoch, nachdem die Wahllokale um 18:00 Uhr Ortszeit geschlossen hatten.
- Pressezentrum auf der Magdeburger Messe bleibt vor den Prognosen ruhig
- AfD-Kandidat Ulrich Siegmund trifft in den Sendestudios im Pressezentrum ein
- Erste Hochrechnungen prognostizieren der AfD einen Stimmenanteil von über 40 Prozent
Reaktionen aus der Parteiführung
Die AfD-Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla schlossen sich dem regionalen Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund im Landespressezentrum in Magdeburg an, nachdem die ersten Prognosen veröffentlicht worden waren. Der 35-jährige Siegmund wandte sich an den öffentlich-rechtlichen Sender ARD und forderte eine sofortige politische Neuausrichtung.
Wir brauchen einen grundlegenden politischen Wandel in diesem Land, damit diese Politik endlich wieder unseren eigenen Interessen, unserem eigenen Land dient.
Die Co-Vorsitzende Alice Weidel bezeichnete die Prognose als klaren Regierungsauftrag für die Region. Sie behauptete zudem, dass das Ergebnis noch vor Weihnachten zur Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz führen werde. Tino Chrupalla nannte das Ergebnis eine direkte Abrechnung mit Merz, kritisierte die Bundespolitik gegenüber Russland und stellte fest, dass das Ausmaß des Sieges seine eigenen Erwartungen übertroffen habe. Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU deutete nach der Wahl an, dass er zurücktreten könnte, und erklärte gegenüber Anhängern, die Wähler hätten eine klare Botschaft gesendet. Bundesvizekanzler Lars Klingbeil von der SPD äußerte sich am Abend zu dem Ergebnis.
Im Moment gibt es eine unglaublich große Zahl von Menschen in Sachsen-Anhalt, aber ich denke auch in ganz Deutschland, die Angst und Sorge haben aufgrund dieses Wahlergebnisses der AfD.
Szenarien für die Regierungsbildung
Trotz der AfD-Mehrheit bleibt die Regierungsbildung in Magdeburg ungewiss. Die etablierten Parteien halten an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber einer formellen Zusammenarbeit mit der AfD fest. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass der Partei noch etwa drei Sitze für eine absolute Mehrheit im Landtag fehlen. Die Sitzverteilung hängt davon ab, ob kleinere Parteien wie das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW), die Grünen und Die Linke die Fünfprozenthürde überschreiten. Sollten BSW und andere kleinere Parteien nicht in den Landtag einziehen, könnte die AfD ohne Koalitionsbildung eine absolute Mehrheit der Sitze erlangen. Sollte das BSW hingegen Sitze gewinnen, könnte es der AfD-geführten Regierung unter Siegmund parlamentarische Unterstützung bieten. Sollte die AfD keine Mehrheit erreichen, könnten CDU, SPD und Grüne versuchen, eine Regierungsmehrheit auszuhandeln.
Verfassungsschutz und politischer Hintergrund
Das Wahlergebnis folgt auf anhaltende rechtliche und sicherheitsbehördliche Überwachung der AfD. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Partei als rechtsextremistischen Verdachtsfall ein, was den Behörden rechtliche Befugnisse zur Überwachung interner Kommunikation und zum Einsatz von V-Leuten gibt. Der Landesverfassungsschutz stuft den Landesverband in Sachsen-Anhalt als rechtsextremistisch ein. Die Partei hatte mit Versprechen zur Abschiebung von Einwanderern, zur Einschränkung des Einflusses der etablierten Parteien und zur Wiederherstellung des Wirtschaftswachstums geworben. Die AfD-Führung hat die Extremismusvorwürfe stets zurückgewiesen und die offiziellen Einstufungen und Überwachungsmaßnahmen als politisch motiviert bezeichnet.


