
AfD wählt Weidel und Chrupalla als Co-Vorsitzende wieder, Chrupallas Zustimmung bricht ein
Alice Weidel und Tino Chrupalla wurden auf dem Bundesparteitag der rechtspopulistischen AfD in Erfurt für weitere zwei Jahre als Co-Vorsitzende bestätigt, wobei Chrupallas Stimmenanteil von knapp 83 Prozent im Jahr 2024 auf 70 Prozent fiel.
Abstimmungsergebnisse
Die Delegierten des AfD-Bundesparteitags in Erfurt wählten am 4. Juli 2026 die Doppelspitze aus Alice Weidel und Tino Chrupalla wieder. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Stimmen bei der geheimen Wahl, eine leichte Verbesserung gegenüber den 79,8 Prozent, die sie beim Essener Parteitag 2024 erzielt hatte. Chrupalla hingegen verlor an Unterstützung und kam auf 70 Prozent (laut einer Zählung 70,05 Prozent), nach 82,7 Prozent zwei Jahre zuvor. Für keinen der beiden Posten gab es Gegenkandidaten; die beiden Amtsinhaber schlugen sich gegenseitig vor. Vor der Abstimmung hatten die Delegierten mit großer Mehrheit für die Beibehaltung des Doppelspitzenmodells gestimmt, obwohl die Parteisatzung auch einen Einzelvorsitz zulässt.
- Weidel 2024
- 79.8 %
- Weidel 2026
- 81.3 %
- Chrupalla 2024
- 82.7 %
- Chrupalla 2026
- 70 %
Weidels Rede: Angriffe auf Merz und Migration
In ihrer Nominierungsrede griff Weidel Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU scharf an und nannte ihn „den Vivaldi unter den Regierungschefs – eine Reformankündigung für alle vier Jahreszeiten.“ Sie fügte hinzu: „Jedes Mal, wenn er laut auf die Pauke haut, folgt ein Streichkonzert“ – eine Anspielung darauf, dass Versprechen später zurückgenommen werden. Der Saal tobte vor Begeisterung, als sie erklärte: „Wir werden rigoros abschieben!“ Weidel konzentrierte sich auch auf die Wirtschaftspolitik, forderte „endlich wieder eine freie Marktwirtschaft“ und versprach: „Wir werden die richtigen Reformprogramme auf den Weg bringen.“ Ihre Rede erhielt anhaltenden Applaus und stehende Ovationen vieler Delegierter.
Wir werden rigoros abschieben!
Chrupallas Rede: Ein Anspruch auf Regierungsverantwortung
Chrupalla nutzte seine Nominierungsrede, um Machtansprüche zu formulieren. „Wir wollen regieren“, sagte er und beschrieb die AfD als zur Volkspartei herangewachsen. „Wir haben bewiesen, dass wir Oppositionsarbeit leisten können. Und wir werden regieren – zuerst in einem Land, dann auf Bundesebene.“ Er appellierte auch an die Einheit und erklärte: „Wir stehen für Zusammenhalt, nicht für Spaltung.“ Der Applaus nach seiner Rede war auffallend kurz und dauerte nur wenige Sekunden; die Reaktion auf seine Wiederwahl wurde als verhalten beschrieben.
Wir wollen regieren – zuerst in einem Land, dann auf Bundesebene.
Führungsgeschichte
Chrupalla, ein 51-jähriger Malermeister aus Sachsen, führt die AfD seit November 2019, zunächst gemeinsam mit Jörg Meuthen, der die Partei später verließ, weil sie ihm zu radikal geworden war. Weidel, eine 47-jährige Volkswirtin, stieß im Sommer 2022 als Co-Vorsitzende dazu. Chrupalla ist nun der am längsten amtierende Vorsitzende in der Parteigeschichte seit ihrer Gründung 2013. Der Erfurter Parteitag sah auch Stefan Möller, einen engen Verbündeten des Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke, in den Führungskreis einziehen. Sowohl Möller als auch Höcke werden vom Thüringer Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.
- Tino Chrupalla wird neben Jörg Meuthen Co-Vorsitzender der AfD.
- Alice Weidel ersetzt Meuthen als Co-Vorsitzende.
- Essener Parteitag: Chrupalla 82,7 %, Weidel 79,8 %.
- Erfurter Parteitag: Chrupalla 70 %, Weidel 81,3 % wiedergewählt.
Proteste und Einstufung als extremistisch
Der Parteitag wurde von weitgehend friedlichen Protesten begleitet. Die AfD selbst wird vom Verfassungsschutz in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Der Parteitag dauert bis zum 5. Juli an; es stehen Abstimmungen über zwölf weitere Vorstandsposten an, darunter umstrittene stellvertretende Posten.


