
AfD wählt Weidel und Chrupalla in Erfurt wieder, beansprucht Status der ‚neuen Volkspartei‘
Auf ihrem Bundesparteitag in Erfurt wählte die AfD die Co-Vorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla wieder, wobei Weidel rund 81 % und Chrupalla etwa 70 % der Stimmen erhielt. Weidel erklärte die Partei zur „neuen Volkspartei“ und kündigte eine umfassende Überarbeitung des Grundsatzprogramms an.
Führung und Programmüberarbeitung
Die AfD hat auf dem Erfurter Parteitag ihre Doppelspitze wiedergewählt. Alice Weidel erhielt rund 81 Prozent der Delegiertenstimmen, Co-Vorsitzender Tino Chrupalla etwa 70 Prozent. In ihrer Rede erklärte Weidel die Partei zur „neuen Volkspartei in Deutschland“ und sagte, die AfD sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. Sie kündigte eine vollständige Überarbeitung des Grundsatzprogramms der Partei an, die innerhalb eines Jahres verabschiedet werden soll, und begründete dies mit der Notwendigkeit, sich den rasanten Entwicklungen des letzten Jahrzehnts anzupassen.
Wir sind die neue Volkspartei in Deutschland. Die AfD ist bereit, Verantwortung zu übernehmen, denn wir, denn die Deutschen, denn Deutschland verdient es, gut regiert zu werden.
Weidel kritisierte die CDU scharf und warf ihr vor, Politik „gegen die Deutschen“ zu machen, und wies die SPD als einstige stolze Arbeiterpartei ab, die in der Geschichte verschwunden sei. Sie griff auch den Verfassungsschutz an und behauptete, er sei dazu benutzt worden, systematisch die Opposition zu bekämpfen.
- Delegierte sammeln sich an Treffpunkten außerhalb Erfurts und werden mit Bussen zum Veranstaltungsort gebracht, um Blockaden zu umgehen
- Parteitag beginnt pünktlich; Co-Vorsitzender Chrupalla eröffnet mit Spott über die Protestierenden
- Thüringer AfD-Chef Björn Höcke wendet sich mit radikaler Rede an die Delegierten
- Co-Vorsitzende Alice Weidel hält Grundsatzrede, erklärt AfD zur ‚neuen Volkspartei‘
- Ergebnisse der Führungswahl: Weidel 81 %, Chrupalla 70 %
Radikale Rhetorik und aufstrebende Stars
Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke eröffnete den Parteitag um 10:53 Uhr mit einer kämpferischen Rede, in der er drakonische Strafen für Pädophilie forderte und davor warnte, dass Deutsche nicht „zu einer Minderheit im eigenen Land“ werden dürften. Seine Äußerungen ernteten lauten Applaus von den Delegierten.
Pädophilie muss drakonisch bestraft werden. Wir dürfen nicht zu einer Minderheit im eigenen Land werden.
Während Höcke sprach, erregte eine weitere Figur Aufmerksamkeit: Ulrich Siegmund, der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt. Der 35-Jährige wurde wie ein Popstar gefeiert, posierte für Selfies und schüttelte Hände. Er strebt bei der Landtagswahl im September eine absolute Mehrheit an und will erster AfD-Ministerpräsident werden. Umfragen sehen die Partei in Sachsen-Anhalt bei etwa 40 Prozent, was für eine Alleinregierung reichen könnte.
Proteste und Sicherheitsmaßnahmen
Der Parteitag wurde von massiven Protesten begleitet. Die Polizei schätzte, dass rund 31.000 Demonstranten auf die Straße gingen, einige blockierten Zufahrtsstraßen zum Erfurter Messegelände. Das Bündnis „Widersetzen“ hatte angekündigt, den Parteitag zu verhindern, doch die AfD umging die Blockaden, indem sie Hunderte von Delegierten in den frühen Morgenstunden mit Bussen zum Veranstaltungsort brachte – einige versammelten sich bereits vor 4:00 Uhr morgens. Der Parteitag begann pünktlich um 10:00 Uhr, ein Kontrast zum Vorjahr, als der Start in Riesa verzögert wurde.
Der frühe Vogel fängt den Wurm.
Im Saal war die Stimmung ausgelassen. Delegierte schwenkten Deutschlandfahnen und jubelten, als Weidel gelobte: „Ihr kriegt uns nicht klein, ganz im Gegenteil. Wir werden immer stärker und größer werden.“
Wahlaussichten
Die AfD ist derzeit bundesweit die stärkste Partei in Umfragen und liegt vor den Septemberwahlen in mehreren ostdeutschen Bundesländern vorn. In Sachsen-Anhalt steht die Partei bei etwa 40 Prozent, was möglicherweise für eine absolute Mehrheit reicht. In Mecklenburg-Vorpommern zeigen Umfragen rund 35 Prozent. Chrupalla sagte zu den Delegierten: „Wir werden gewinnen. Vielleicht können wir bald allein regieren.“
- Sachsen-Anhalt
- 40 %
- Mecklenburg-Vorpommern
- 35 %
Der Finanzbericht der Partei wies Vermögenswerte von 45 Millionen Euro aus, darunter neu bewertete Edelmetalle. Der Parteitag löste auch einen potenziellen internen Konflikt frühzeitig, als Weidel Höcke dazu bewegte, einen Antrag zur Überarbeitung der Unvereinbarkeitsliste zurückzuziehen, und eine Überprüfung innerhalb eines Jahres zusagte.


