Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt: AfD-Regierung würde Fachkräfte in Sachsen-Anhalt abschrecken
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, und Reint Gropp, Präsident des Halleschen Instituts für Wirtschaftsforschung, warnten, dass ein AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt die Arbeitskräftedefizite bei steigenden Renteneintritten verschärfen würde.
Wirtschaftswissenschaftliche Warnungen vor Fachkräftemangel
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, warnte, dass eine Regierung der Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen-Anhalt Fachkräfte abschrecken und der Landwirtschaft schweren Schaden zufügen würde. Die Münchner Wirtschaftsprofessorin sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, dass das Parteiprogramm ein direktes Risiko für die Fähigkeit der Region darstelle, Personal und Unternehmensinvestitionen anzuziehen. Ein großer Teil der derzeitigen Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt werde in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, was eine demografische Ersatzlücke schaffe. Schnitzer betonte, dass die lokalen Arbeitskräftereserven diese Rentner ohne stetige Zuwanderung nicht ersetzen könnten. Ohne ausreichend qualifizierte Fachkräfte, die in den regionalen Arbeitsmarkt eintreten, würden Unternehmen notwendige Investitionen im Land vermeiden.
Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass das Land bei einer Regierungsübernahme durch die AfD als Standort für Fachkräfte und Unternehmen erheblich an Attraktivität verlieren würde.
Forschung zu ausländischen Arbeitskräften und demografischem Risiko
Schnitzers Warnung deckt sich mit den Erkenntnissen von Reint Gropp, Präsident des Halleschen Instituts für Wirtschaftsforschung (IWH). Gropp stellte fest, dass Tausende zusätzlicher Stellen im Land unbesetzt blieben, wenn die AfD die Landtagswahl gewinne und gegen Einwanderer kämpfe. Eine vom IWH veröffentlichte Studie ergab, dass die Ankunft ausländischer Arbeitskräfte in den letzten Jahren der wichtigste stabilisierende Faktor für den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt war. Gropp erklärte, dass die Abkehr von ausländischen Talenten zu einem spürbaren Rückgang des regionalen Wohlstands führen würde. Ähnliche Bedenken wurden vor drei Jahren von der Wirtschaftswissenschaftlerin Ulrike Malmendier geäußert, die bis Februar 2026 im Sachverständigenrat tätig war. Malmendier warnte, dass die Rekrutierung internationaler Arbeitskräfte nicht im erforderlichen Umfang gelingen könne, wenn eine protektionistische Partei wachsende Unterstützung erhalte.
Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.
Umfragen vor der Landtagswahl
Diese Warnungen gingen der Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt voraus, bei der die Wähler die Abgeordneten für den Landtag in Magdeburg wählten. Eine am Donnerstagabend veröffentlichte ZDF-Umfrage sah die AfD mit 41 % der Wählerstimmen vorn, mit einem Vorsprung von 18 Prozentpunkten vor der Christlich Demokratischen Union (CDU) mit 23 %. Die Linke erreichte in der Umfrage 11,5 %, gefolgt von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) mit 8,5 % und den Grünen mit 6 %. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die Freie Demokratische Partei (FDP) lagen beide unter der 5-Prozent-Hürde. Vor der Wahl wurde Sachsen-Anhalt von einer Dreierkoalition aus CDU, SPD und FDP regiert.
- AfD
- 41 %
- CDU
- 23 %
- Die Linke
- 11.5 %
- SPD
- 8.5 %
- Grüne
- 6 %
Wähleranliegen und Aussagen der Parteiführung
Die Stimmung der Wähler in Sachsen-Anhalt spiegelt eine breitere Besorgnis über die wirtschaftliche Stabilität vor Ort wider. In der aktuellen ZDF-Politbarometer-Umfrage nannten 22 % der Befragten die allgemeine wirtschaftliche Lage als wichtigstes Thema im Land, gefolgt von der Arbeitslosigkeit mit 17 %. Das Bundesland ist überwiegend ländlich geprägt und beherbergt zahlreiche mittelständische Unternehmen statt großer Konzernzentralen. Zum Abschluss des Wahlkampfs bekräftigte die AfD ihr Ziel, die Landesverwaltung zu übernehmen. Der Bundesvorsitzende Tino Chrupalla wandte sich auf einer Wahlkampfkundgebung an Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und erklärte, die Arbeit als designierter Ministerpräsident beginne am Montag, und versprach volle Unterstützung der Partei. Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensvertreter wiesen zudem darauf hin, dass eine von der AfD geführte Landesregierung zu Spannungen mit der Europäischen Union führen könnte.
- Wirtschaftliche Lage
- 22 %
- Arbeitslosigkeit
- 17 %


