
AfD-EU-Abgeordneter Arno Bausemer soll zwei 14-Jährige wegen beschädigten Wahlplakats in Stendal mit Baseballschläger angegriffen haben
Ein AfD-EU-Abgeordneter, Arno Bausemer, soll am Donnerstagabend zwei 14-jährige Jungen mit einem Baseballschläger angegriffen haben, nachdem diese ein AfD-Wahlplakat in Stendal (Sachsen-Anhalt) beschädigt hatten. Das LKA hat die Ermittlungen übernommen.
Der Vorfall in Stendal
Am Donnerstagabend, dem 13. August, wurden zwei 14-jährige Jungen dabei beobachtet, wie sie ein AfD-Wahlplakat in Stendal, einer Kreisstadt in Sachsen-Anhalt, beschädigten, so das Landeskriminalamt (LKA). Das LKA bestätigte, dass es die Ermittlungen von der Polizeiinspektion Stendal übernommen hatte. Laut LKA kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen den beiden Jugendlichen und "einer von der Immunität geschützten Person", bei der ein "mutmaßliches Schlagwerkzeug" eingesetzt wurde. Einer der Jungen wurde leicht verletzt und ärztlich versorgt.
Recherchen des MDR identifizierten die Person als AfD-EU-Abgeordneten Arno Bausemer, 43. Einer der beiden Jungen sagte dem MDR, dass Bausemer mit einem Baseballschläger seinen Freund von einem Roller gestoßen habe. Der verletzte Junge wurde laut MDR wegen einer leichten Gehirnerschütterung, mehrerer Prellungen sowie Verletzungen an Lippe und Zahnfleisch behandelt. Das LKA lehnte unter Berufung auf Persönlichkeitsrechte, Immunitätsschutz und laufende Ermittlungen weitere Angaben zu den beteiligten Personen ab.
Bausemers Facebook-Konto
Bausemer selbst äußerte sich zu dem Vorfall auf Facebook und postete ein Foto, auf dem er einen der Jugendlichen festhielt. Er beklagte, dass die Plakate seiner Partei zum dritten Mal zerschnitten worden seien, und schrieb, dass er und ein Parteikollege die Jugendlichen auf frischer Tat ertappt hätten.
Gefasst, festgenommen und der Polizei übergeben!
Er schrieb, dass er einen der Täter "nach kurzer Verfolgung und Gegenwehr" gestellt habe, und warnte Anhänger davor, Mitleid mit den Jugendlichen zu haben. Einen Baseballschläger erwähnte er in seinem Beitrag nicht. Der örtliche Altmark-Kreisverband der Grünen antwortete auf seinen Beitrag und erklärte, dass nach ihren Informationen Bausemer von der Polizei in Handschellen abgeführt worden sei, nicht die Jugendlichen. Bausemer bestritt diese Darstellung.
Politischer Kontext und frühere Kontroversen
Der Vorfall ereignet sich Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September, bei der die AfD in Umfragen führt und hofft, Ulrich Siegmund zum ersten Ministerpräsidenten der Partei zu machen. Bausemer ist Landesschatzmeister der AfD in Sachsen-Anhalt und wurde im Juli 2026 in dieses Amt wiedergewählt. Er ist zudem Vize des Kreisverbands Stendal neben Spitzenkandidat Siegmund und sitzt sowohl im Kreistag als auch im Stadtrat von Stendal.
Bausemer war bereits zuvor wegen angeblich falscher Angaben in seinem Lebenslauf in die Kritik geraten. Damals verlor er seine Parteiämter als Landesschatzmeister und Kreisvorstandsmitglied, erhielt aber kein Amtsverbot, so der MDR, und wurde dennoch ins Europaparlament gewählt. Focus berichtete, dass Bausemer Tage vor dem Vorfall in Stendal auf Facebook Vandalismus an einem FDP-Wahlplakat gefeiert hatte, mit den Worten: "Gesichtet in der Altmark, definitiv ein echter Hingucker!" und fragte Anhänger: "Kunst oder Vandalismus. Was sagt ihr?" Bausemer war selbst FDP-Mitglied, bis er um den Jahreswechsel 2015/16 vor einem möglichen Parteiausschluss austrat und kurz darauf der AfD beitrat.
Rechtliche und politische Folgen
Da Bausemer im Europaparlament sitzt, genießt er parlamentarische Immunität, die ihn vor Strafverfolgung schützt, es sei denn, das Parlament stimmt für deren Aufhebung. Das LKA erklärte, dass "nach Genehmigung der Aufhebung der Immunität Strafverfahren gegen die beteiligte Person, die derzeit Immunität besitzt, eingeleitet werden könnten". Die Grünen in Sachsen-Anhalt forderten personelle Konsequenzen; ihre Spitzenkandidatin erklärte, dass die AfD und Bausemer bei Bestätigung der Berichte die Verantwortung für "eine neue Eskalation" trügen. Bausemer selbst hatte sich nach neuesten Berichten nicht auf Medienanfragen zu den Ereignissen in Stendal gemeldet.
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