
Neu gewählte AfD-Abgeordnete in Sachsen-Anhalt geraten wegen Stasi- und Extremismusverbindungen unter Beschuss
Die Alternative für Deutschland stellte ihre 39 neu gewählten Landtagsabgeordneten in Magdeburg vor, während Hintergrundchecks frühere strafrechtliche Verurteilungen, Stasi-Nachrichtendiensttätigkeit und laufende Ermittlungen zu Verbindungen zu Neonazi-Gruppen offenbarten.
Parlamentsvorstellung in Magdeburg
Die Alternative für Deutschland (AfD) stellte ihre 39 neu gewählten Mitglieder des Landtags von Sachsen-Anhalt am Donnerstag bei einem Fototermin in der Landeshauptstadt Magdeburg vor. Der Spitzenkandidat der Partei im Land, Ulrich Siegmund, organisierte den öffentlichen Auftritt, während die Partei nach den Landtagswahlen versuchte, eine Regierung zu bilden. Siegmund erklärte, sein Ziel sei es, unabhängig von der konkreten Personalauswahl für die Fraktion eine stabile Regierung zu bilden. Öffentliche Aufzeichnungen und investigative Berichte, die kurz nach der Veranstaltung veröffentlicht wurden, zeigten, dass mehrere der neu gewählten Abgeordneten Vorstrafen, frühere Geheimdienstverbindungen oder laufende Strafverfahren wegen rechtsextremer Organisationen haben.
Geheimdienstvergangenheit und Kritik von Opferverbänden
Zu den neu gewählten Parlamentariern gehört Frank-Ronald Bischoff, ein 78-jähriger Kandidat, der in seinem Wahlkreis ein Direktmandat errang. Bischoff diente zwölf Jahre lang als Offizier im besonderen Einsatz für das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) in der kommunistischen Deutschen Demokratischen Republik, wobei sein operativer Schwerpunkt auf ostdeutschen Bürgern lag, die versuchten, dauerhaft auszuwandern. Die Stasi fungierte zwischen 1949 und 1990, um die Macht der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands zu schützen und politischen Dissens zu unterdrücken. Vor der Wahl forderte die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, Bischoff auf, seine Kandidatur zurückzuziehen. Bischoff verteidigte seine Geheimdienstkarriere und erklärte, er habe sich an Recht und Ordnung gehalten und seine Pflichten gewissenhaft erfüllt. Offizielle Parteidokumente verschwiegen seine Geheimdienstvergangenheit und beschrieben ihn stattdessen als Elektriker, Elektronikingenieur, Jurastudent, Unternehmensberater und Geschäftsführer.
Strafrechtliche Verurteilungen und gefälschte Zeugnisse
Ein weiterer neu gewählter Abgeordneter, der 43-jährige Phillipp-Anders Rau, trat mit einem politischen Programm an, das Sicherheit und Ordnung betonte, trotz persönlicher strafrechtlicher Verurteilungen. Rau wurde zuvor wegen Diebstahls verurteilt, bei dem er Hotelbettwäsche in großen Mengen entwendete, sowie wegen Urkundenfälschung. Ein Landgericht bestätigte, dass Rau als Schauspieler in pornografischen Filmen gearbeitet hatte, nachdem er Behauptungen einer Lokalzeitung angefochten hatte. Rau wurde zudem von einer Universität verwiesen, nachdem die Behörden entdeckt hatten, dass er sein Abiturzeugnis gefälscht hatte, um zugelassen zu werden, obwohl er angab, nach einem Rechtsstreit wieder aufgenommen worden zu sein.
- Polizei durchsucht Grundstück im Zusammenhang mit AfD-Kreisvorsitzendem Sebastian Koch wegen der verbotenen Gruppe Artgemeinschaft.
- AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund stellt 39 neu gewählte Landtagsabgeordnete bei einem Fototermin in Magdeburg vor.
- Deutsche Medien berichten über frühere Stasi-Dienste, Strafregister und Waffenermittlungen unter den gewählten Abgeordneten.
Ermittlungen zu extremistischen Netzwerken
Staatsanwaltschaften und Sicherheitsbehörden führen strafrechtliche Ermittlungen gegen mehrere neu gewählte AfD-Abgeordnete wegen angeblicher Verbindungen zu verbotenen Organisationen. Sebastian Koch, der AfD-Kreisvorsitzende im Altmarkkreis Salzwedel, wird vom Landesamt für Verfassungsschutz wegen seiner Beteiligung an rechtsextremen Veranstaltungen überwacht, darunter Neonazi-Konzerte und Kranzniederlegungen. Ende August durchsuchten Einsatzkräfte Grundstücke im Zusammenhang mit Koch wegen des Verdachts, die Aktivitäten der Artgemeinschaft, einer verbotenen nationalistischen und antisemitischen neuheidnischen Gruppe, aufrechterhalten zu haben. Ein weiterer neu gewählter Abgeordneter wird wegen Verbindungen zur Artgemeinschaft sowie wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt; beide Personen weisen die Vorwürfe zurück. Recherchen des öffentlich-rechtlichen Senders ZDF identifizierten zudem frühere Mitgliedschaften unter den neu gewählten Abgeordneten in der verbotenen Gruppe Heimattreue Deutsche Jugend, darunter einen ehemaligen Führer der Organisation.

