
Oppositionsabgeordnete wirft Eier auf geschäftsführenden Premierminister Kurti im Parlament – politische Krise im Kosovo
Das kosovarische Parlament hat seine Sitzung am 8. August ausgesetzt, nachdem die Oppositionsabgeordnete Time Kadrijaj Eier auf den geschäftsführenden Premierminister Albin Kurti warf, der um mehr Zeit für Koalitionsverhandlungen nach den vorgezogenen Neuwahlen im Juni bat.
Eierwurf legt Kosovo-Parlament lahm
Das kosovarische Parlament hat seine Sitzung am Samstag, den 8. August, ausgesetzt, nachdem die Oppositionsabgeordnete Time Kadrijaj Eier auf den geschäftsführenden Premierminister Albin Kurti warf, während er in der ersten Reihe des Parlaments saß. Kadrijaj, Mitglied der Allianz für die Zukunft des Kosovo (Aleanca), holte die Eier aus ihrer Tasche und schleuderte sie auf Kurti, wobei sie „Schande über dich“ rief. Die Geschosse waren mit Eigelb gefüllt. Die Parlamentspräsidentin ordnete die Unterbrechung der Live-Übertragung an, und Sicherheitskräfte eilten herbei, um den Premierminister zu schützen. Der Vorfall ereignete sich, als Kurti versuchte, eine entscheidende Abstimmung zu verzögern, und dem Parlament mitteilte, er brauche mehr Zeit für Gespräche mit den Oppositionsparteien, bevor er einen Kandidaten für das Amt des Parlamentspräsidenten vorschlagen könne, nach den vorgezogenen Neuwahlen im Juni. Kurti hatte die Oppositionsmitglieder eingeladen, Gespräche über die Bildung einer Mehrheit und einer Regierung nach den jüngsten Wahlen zu beginnen.
Kurti, 51, blieb gelassen. Im Plenum erklärte er, wenn der Preis für den Dialog darin bestehe, mit Eiern beworfen zu werden, zahle er diesen gerne. In einem anschließenden Gespräch mit Journalisten führte er diesen Gedanken weiter aus.
Wenn das Werfen von Eiern der Preis ist, um an den Verhandlungstisch zu gelangen, bin ich dafür, diesen Preis zu zahlen. Die Eier stören mich nicht. Was mich enttäuscht, ist, dass sie die Sitzung nicht abhalten wollen.
Die Sitzung wurde dennoch ausgesetzt.
Politische Blockade
Der Kosovo, die jüngste Demokratie Europas, hat in weniger als zwei Jahren drei Wahlen abgehalten, wobei aufeinanderfolgende Parlamente unter tiefen politischen Spaltungen zusammenbrachen. Das Land steckt seit fast zwei Jahren in einer politischen Sackgasse. Kurtis Bewegung Vetëvendosje (VV) gewann bei den Parlamentswahlen vom 7. Juni die meisten Sitze. Die Zentrale Wahlkommission schloss die Auszählung Mitte Juni ab, wobei VV laut Tgcom24 53 von 120 Sitzen gewann, während lastampa.it von 58 von 120 Sitzen berichtet. Die Partei hat genügend Sitze, um zu regieren, verfehlt jedoch die für die Wahl eines neuen Präsidenten erforderliche Zweidrittelmehrheit, was Kurti zwingt, mit den Oppositionsparteien zu verhandeln. Diese Verhandlungen haben bisher zu keiner Einigung geführt.
Die verfassungsrechtliche Frist für die Bildung des Parlaments lief am Freitag, den 7. August, ab, was die politische Lage im Kosovo wieder in die Unsicherheit stürzte. Kurti hatte mehrere Tage lang Verhandlungen mit den Oppositionsparteien über die Nominierung eines neuen Präsidenten geführt, beantragte jedoch zusätzliche Zeit, um die Gespräche fortzusetzen. Mehrere Abgeordnete drohten als Reaktion auf diesen Antrag mit rechtlichen Schritten. Kurti bat um mehr Zeit, um eine Einigung über die Parlamentspräsidentschaft zu erzielen und eine Neuwahl zu vermeiden.
Ein Muster parlamentarischer Störungen
Dies ist nicht das erste Mal, dass das kosovarische Parlament außergewöhnliche Störungen erlebt hat. Mitglieder von Kurtis eigener Partei Vetëvendosje warfen zuvor Tränengaskanister in den Plenarsaal, um gegen Abstimmungen zu protestieren, als sie in der Opposition waren. Der 51-Jährige wurde seit März 2021 dreimal zum Premierminister gewählt. Die jüngste Politik des Kosovo ist von einem Kreislauf aus Regierungsbildung und -zusammenbruch geprägt. Die aktuelle Krise riskiert eine weitere vorgezogene Neuwahl, die die vierte in weniger als zwei Jahren wäre, sollte das Parlament erneut keine stabile Regierung hervorbringen.
- Parlamentswahlen im Kosovo abgehalten
- Zentrale Wahlkommission schließt Auszählung ab; Vetëvendosje gewinnt die meisten Sitze
- Verfassungsrechtliche Frist für die Bildung des Parlaments läuft ab
- Oppositionsabgeordnete Time Kadrijaj wirft Eier auf Premierminister Kurti; Sitzung ausgesetzt


