
Auftragnehmer beginnen mit 2.500 Entlassungen im Ex-Ilva-Stahlwerk vor gerichtlich angeordneter Stilllegung
Der Auftragnehmerverband Aigi hat am 4. September 2026 28 Massenentlassungsschreiben verschickt, die über 2.500 Arbeiter im Stahlwerk Taranto betreffen. Dies folgt auf eine gerichtliche Anordnung, die Hochöfen des Werks bis Ende Oktober stillzulegen.
Kündigungswelle bei Auftragnehmerfirmen
Am 4. September 2026 übergab der Auftragnehmerverband Aigi den Gewerkschaften und Behörden 28 Massenentlassungsschreiben und leitete damit das Kündigungsverfahren für über 2.500 Auftragnehmer im ehemaligen Ilva-Stahlwerk in Taranto ein. Der Verband vertritt Beschaffungs- und Dienstleistungsfirmen, die auf dem Industriegelände tätig sind und von denen viele auf Ein-Kunden-Verträge mit dem Werk angewiesen sind. Aigi-Präsident Nicola Convertino bezeichnete die Entlassungen als unvermeidbare Folge der angeordneten Stilllegung des heißen Produktionsbereichs im Oktober. Er betonte, dass die Belegschaft Humankapital darstelle, das durch jahrelange Ausbildungsinvestitionen aufgebaut wurde, und viele Mitarbeiter jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit vorweisen könnten. Aigi erklärte, dass das Fehlen einer strategischen Planung und der gescheiterte Bau neuer Dekarbonisierungsanlagen es den Firmen unmöglich gemacht hätten, eine dauerhafte Beschäftigung zu garantieren.
Dies ist ein extremer und schmerzhafter Akt, zu dem wir nie hätten greifen wollen. Leider ist diese Maßnahme notwendig und unvermeidbar, die direkte Folge der plötzlichen Frist für die Schließung des heißen Bereichs bereits im Oktober, für die es keine Möglichkeit eines Neustarts gibt.
Gerichtliche Anordnungen und Stilllegungsfahrplan
Das Kündigungsverfahren folgt auf ein Urteil des Mailänder Berufungsgerichts vom 27. Juli, das die Stilllegung der Hochöfen innerhalb von 90 Tagen aufgrund von Asbestbelastung und Umweltverstößen anordnete. Das Gericht setzte die endgültige Betriebsfrist auf den 27. Oktober fest. Die Werksbetreiber Ilva und Acciaierie d'Italia, beide unter Sonderverwaltung, legten beim Kassationsgerichtshof Revision ein und beantragten eine einstweilige Aussetzung beim Mailänder Berufungsgericht. Die Werkskommissare erklärten, dass technische Hürden und prohibitive Kosten einen Neustart der Hochöfen nach dem Abschalten unmöglich machten. Die Stilllegungsverfahren müssen physisch bis zum 16. September beginnen, falls keine gerichtliche Aussetzung gewährt wird, vor einer Anhörung vor dem Berufungsgericht am 9. September.
- Mailänder Berufungsgericht ordnet Schließung des heißen Bereichs innerhalb von 90 Tagen wegen Asbestverstößen an
- Mittelmeerspiele enden in Taranto
- Aigi übermittelt Massenentlassungsschreiben für über 2.500 Auftragnehmer
- Mailänder Berufungsgericht verhandelt Aussetzungsantrag; Regierung beruft Gespräche im Palazzo Chigi ein
- Kommissare setzen endgültige Frist für Stilllegungspause vor Beginn der technischen Abschaltung
- Gerichtliche Frist für endgültige Stilllegung der Hochöfen von Taranto
Gewerkschaftswarnungen und Regierungsverhandlungen
Die Ankündigung der Entlassungen erfolgte nach dem Ende der Mittelmeerspiele in Taranto am 3. September. Der Zeitpunkt fiel mit Veranstaltungen in Bari zusammen, etwa 100 Kilometer entfernt, wo Ministerpräsidentin Giorgia Meloni den Jahrestag ihrer Amtszeit als längste in der italienischen republikanischen Geschichte feierte. Die Metallarbeitergewerkschaft Fiom CGIL sandte einen offenen Brief an Meloni, in dem sie warnte, dass die Schließung des Werks ohne industrielle oder beschäftigungspolitische Alternativen schwerwiegende soziale und ökologische Folgen in der Region riskiere. Die Gewerkschaft forderte die Regierung auf, die unkontrollierte Auflösung des Industriestandorts Taranto zu verhindern. Als Reaktion darauf setzte die Exekutive für den 9. September Gespräche im Palazzo Chigi mit Gewerkschaften, Confindustria-Führungskräften und Arbeitgeberverbänden an.
Wirtschaftliche Schäden und konkurrierende Übernahmeangebote
Die außerordentlichen Kommissare schätzten, dass die Stilllegung des heißen Bereichs Schäden in Höhe von mindestens 2 Milliarden Euro durch Produktionsausfälle und entgangene Einnahmen verursachen würde. Insgesamt sind rund 15.000 Arbeitsplätze bei direkten Mitarbeitern und Auftragnehmern von der Schließung bedroht, falls der Betrieb eingestellt wird. Industrielle Optionen werden noch geprüft, während internationale und inländische Bieter das Vermögen bewerten. Jindal Steel International hat der Regierung ein verbindliches Kaufangebot vorgelegt, um das Werk zu erwerben und den heißen Bereich innerhalb der gerichtlichen Auflagen weiterzubetreiben. Parallel dazu plant ein italienisches Konsortium unter Führung von Federacciai, nach den Gesprächen in Rom ein formelles Angebot für den Kaltbereich abzugeben.
- Kündigungen von Auftragnehmern
- 2500 Arbeitskräfte
- Gefährdete direkte und Auftragnehmer-Arbeitsplätze insgesamt
- 15000 Arbeitskräfte


