Überlebende erleben das Utøya-Massaker 15 Jahre später wieder – Lehrer nutzt seine Geschichte, um vor Rechtsextremismus zu warnen
Die Erinnerungen an den Tag, an dem Anders Behring Breivik in Norwegen 77 Menschen ermordete, verfolgen Überlebende und trauernde Familien am Vorabend des 15. Jahrestages.
Was geschah am 22. Juli 2011
An diesem Tag detonierte eine Autobombe in Oslo, tötete acht Menschen und verletzte viele. Während die Rettungskräfte sich auf die Hauptstadt konzentrierten, fuhr der Angreifer bereits zur Insel Utøya.
Auf Utøya fand ein Sommercamp der Jugendorganisation der Arbeiterpartei statt. Erste Anrufe von Teilnehmern versicherten den Eltern, dass sie in Sicherheit seien. Dann zerschmetterte Schüsse diese Illusion, und Breivik verbrachte mehr als eine Stunde damit, ungehindert über die Insel zu schießen.
Eine Tochter, die nie an Land kam
Merete Stamneshagen sprach kurz vor Beginn der Schießerei mit ihrer Tochter Silje. Es war das letzte Mal, dass sie ihre Stimme hörte.
Sie ging nicht ran.
Stamneshagen und ihr Mann fuhren sieben Stunden zur Insel, wo ein provisorisches Aufnahmezentrum die Namen derer aushängte, die es an Land geschafft hatten. Siljes Name stand nicht auf der Liste. Eine ganze Woche verging, bevor sie die Bestätigung erhielten: Sie war dreimal in den Kopf geschossen worden und auf dem „Liebesweg“ gefunden worden, einem schmalen Pfad entlang des steilen Ufers, der heute als Gedenkstätte dient.
Der Rhythmus der Erinnerung eines Überlebenden
Magnus Håkonsen war 18, als er auf Utøya um sein Leben rannte. Heute ist er Sozialkundelehrer und begeht jeden 22. Juli mit seinen Schülern. Das Näherrücken des Jahrestages ruft eine vertraute Unruhe hervor.
Man wird dünnhäutiger, reizbarer, trauriger schneller, reagiert empfindlicher.
Sobald die Gedenkfeier vorbei ist, sagt er, falle eine große Last ab: ein weiteres Jahr überstanden.
Vom Überlebenden zum Lehrer
Håkonsen nutzt seine Geschichte nun, wenn der Lehrplan auf Rechtsextremismus zu sprechen kommt.
Es ist eine Gelegenheit, über rechtsextreme Kräfte zu sprechen und darüber, wie sie versuchen, Gruppen gegeneinander aufzuhetzen.
Er glaubt, dass das Sprechen über seine eigene Erfahrung seinen Warnungen im Klassenzimmer eine Kraft verleiht, die ein Lehrbuch nicht bieten kann. Der Täter verbüßt eine lebenslange Haftstrafe und wird voraussichtlich den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.


