
NATO-Verbündete sagen 140 Milliarden Euro Militärhilfe für die Ukraine zu – Deutschland trägt den größten Anteil
Die 32 NATO-Mitgliedstaaten haben sich auf einen Absichtserklärung geeinigt, der Ukraine in den Jahren 2026–2027 militärische Hilfe in Höhe von 140 Milliarden Euro zu gewähren. Damit wird der US-Finanzierungsbeitrag ersetzt, und die Alliierten verpflichten sich zu mindestens 70 Milliarden Euro jährlich, wobei Deutschland den größten nationalen Anteil übernehmen wird.
Das Bündnis wird die Zusage auf einem Gipfeltreffen in Ankara am Dienstag formalisieren. Europäische Verbündete und Kanada springen ein, um die Lücke zu füllen, die die Vereinigten Staaten hinterlassen haben, die unter Präsident Donald Trump die Ukraine-Hilfe stoppten.
Der Weg nach Ankara
Der Text wurde nach monatelangen Verhandlungen in Brüssel finalisiert. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hatte das mehrjährige Konzept erstmals auf einem NATO-Außenministertreffen im Mai in Schweden vorangetrieben. Die Initiative gewann an Fahrt, als Bundeskanzler Friedrich Merz sie letzte Woche auf dem E-5-Gipfel in Berlin direkt mit der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni besprach. Italien war der letzte Widerstand, der sich einer verbindlichen Zusage für 2027 widersetzte, legte seine Einwände aber am Dienstag im Nordatlantikrat nieder.
- Der deutsche Außenminister Johann Wadephul schlägt beim NATO-Außenministertreffen in Schweden eine mehrjährige Hilfszusage vor.
- Bundeskanzler Merz erörtert die Initiative mit der italienischen Ministerpräsidentin Meloni auf dem E-5-Gipfel in Berlin.
- Italien gibt seine Einwände auf; die 32 Verbündeten finalisieren den Absichtserklärung-Entwurf mit der 140-Milliarden-Euro-Zusage.
- NATO-Gipfel in Ankara beginnt; Präsident Selenskyj wird erwartet.
- Die endgültige Gipfelerklärung einschließlich des Hilfspakets soll veröffentlicht werden.
Was das Paket beinhaltet
Die Gesamtsumme von 140 Milliarden Euro setzt sich zusammen aus 60 Milliarden Euro an EU-Darlehen, die bereits für Verteidigungsausgaben 2026–2027 vorgesehen sind, und 80 Milliarden Euro an neuen bilateralen Zusagen europäischer NATO-Mitglieder und Kanadas. Der bilaterale Anteil beläuft sich auf rund 40 Milliarden Euro pro Jahr und entspricht damit einer NATO-Zusage aus dem Jahr 2024, die einst die Vereinigten Staaten einschloss.
Für 2026 verpflichten sich die NATO-Verbündeten, 70 Milliarden Euro für militärische Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung für die Ukraine bereitzustellen, und bekräftigen ihre souveränen Verpflichtungen, mindestens ein vergleichbares Niveau im Jahr 2027 aufrechtzuerhalten.
- EU-Darlehen
- 60 Mrd. €
- Bilaterale Zusagen
- 80 Mrd. €
Deutschland erhöht sein Engagement
Da die USA weitgehend aussteigen, wird Deutschland voraussichtlich die größte nationale Last tragen. Berlin hat in diesem Jahr bereits 11,5 Milliarden Euro für Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge und andere Ausrüstung eingeplant – die höchste Summe seit der russischen Invasion. Merz, der am Mittwoch in Berlin neben NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach, sagte, er hoffe, dass Moskau aus dem Signal „die richtigen Schlüsse ziehen“ werde.
Überwindung des italienischen Widerstands
Italien hatte Einwände gegen die mehrjährige Formulierung und die konkrete Nennung von 2027 erhoben, doch Meloni lenkte nach Merz‘ persönlicher Intervention ein. Der endgültige Text stützt sich auf freiwillige nationale Zusagen statt auf eine BIP-basierte Formel – ein Kompromiss, der auch Frankreich zufriedenstellte, das sich dagegen ausgesprochen hatte, einen festen Anteil an der Wirtschaftsleistung festzulegen. Diplomaten merkten an, dass Frankreich eine Verknüpfung der Hilfe mit der US-geführten „Purl“-Initiative scheute, bei der Verbündete US-Waffen für die Ukraine kaufen – ein Mechanismus, den Washington als Kostenteilungsinstrument vorantreibt.
Weitere Gipfelthemen
Das Kommuniqué von Ankara wird auch betonen, dass die europäischen Verbündeten mehr Verantwortung für die Verteidigung des Kontinents übernehmen müssen. „Ein stärkeres Europa in einer stärkeren NATO“ lautet das Gipfelmotto. Die Staats- und Regierungschefs planen, über den Ausbau der verteidigungsindustriellen Kapazitäten zu sprechen und werden bekräftigen, dass Russland eine dauerhafte Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit darstellt. Der Iran-Konflikt und die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus werden voraussichtlich nur kurz erwähnt, trotz wiederholter US-Frustration, dass die Verbündeten nicht mehr zu dieser Kampagne beitragen.


