
Erdbeben in Kolumbien: Mindestens 132 Tote, Rettungskräfte durchsuchen Trümmer in Chocó
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat am Montagmorgen Westkolumbien erschüttert, mindestens 132 Menschen getötet und 570 verletzt. Die Zahl der Opfer wird voraussichtlich noch steigen, während Rettungskräfte in Chocó, einer der ärmsten Regionen des Landes, in den Trümmern suchen.
Erdbeben erschüttert Westkolumbien
Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat Westkolumbien am Montag um 07:34 Uhr Ortszeit erschüttert. Das Epizentrum lag etwa fünf Kilometer vom Dorf San José del Palmar im Departement Chocó entfernt, rund 400 Kilometer von Bogotá. Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von etwa 100 Kilometern und war bis nach Ecuador und Panama zu spüren. Der kolumbianische geologische Dienst bezeichnete es als das stärkste Erdbeben des Landes in diesem Jahrhundert und die höchste Magnitude der letzten zehn Jahre. Es folgten 33 Nachbeben, darunter eines der Stärke 4,8 auf der Richterskala, das gegen 08:00 Uhr Ortszeit auftrat.
- Erdbeben der Stärke 7,4 ereignet sich nahe San José del Palmar, Chocó, in 100 km Tiefe
- Nachbeben der Stärke 4,8 auf der Richterskala
- Präsident De la Espriella gibt 111 Tote, 87 Verletzte bekannt, nationaler Notstand ausgerufen
- Die Zahl der Toten steigt auf mindestens 132, die der Verletzten auf mindestens 570
Steigende Opferzahlen und Schäden
Bis zum frühen Dienstag war die Zahl der Toten nach neuesten Angaben auf mindestens 132 gestiegen, mindestens 570 Menschen wurden verletzt. Am Montagabend hatte Präsident Abelardo de la Espriella noch 111 Tote und 87 Verletzte gemeldet. Die Behörden rechnen mit einem weiteren Anstieg, während Rettungskräfte, Angehörige und Freiwillige die Nacht über in den Trümmern suchen. Mehr als 1.500 Häuser und Gebäude wurden beschädigt, mindestens 61 sind völlig eingestürzt. Mehr als 20 Gemeinden sind betroffen.
Die Stadt Pereira verzeichnet die meisten Todesopfer: Nach der aktuellen Zählung kamen dort mindestens 60 Menschen ums Leben. Gouverneur Juan Diego Patino von Risaralda hatte zuvor mindestens 40 Tote in Pereira gemeldet. In Cali berichtete Bürgermeister Alejandro Eder von mindestens 20 eingestürzten Gebäuden, unter deren Trümmern Menschen eingeschlossen sind. Auch ein Krankenhaus in Cali stürzte ein und schloss mehrere Patienten ein, von denen bis auf einen alle evakuiert werden konnten. Gouverneurin Dilian Francisca Toro von Valle del Cauca meldete 27 Todesfälle in ihrem Departement, darunter drei Kinder. In Buenaventura meldete Bürgermeisterin Ligia del Carmen Córdoba einen Todesfall durch einen Gebäudeeinsturz. In Manizales verschob sich ein Kirchturm, und der Bürgermeister meldete zwei Todesfälle.
Notstand ausgerufen
Präsident De la Espriella, der kürzlich sein Amt angetreten hat, rief den nationalen Notstand aus und kündigte an, die Rettungs- und Hilfsmaßnahmen persönlich zu leiten. In San José del Palmar wurde ein Notfallzentrum eingerichtet. Nach Angaben des Nachrichtensenders Blu Radio wurden weitere Minister in die betroffenen Gebiete des Landes entsandt.
Wir werden niemanden im Stich lassen. Sie sind in unseren Herzen, und wir werden uns mit ganzer Entschlossenheit um sie kümmern.
Chocó, wo das Epizentrum lag, ist eines der ärmsten Departements Kolumbiens. Große Teile der Region sind nur mit dem Boot oder dem Flugzeug erreichbar, und in einigen Gebieten sind die Telefonverbindungen ausgefallen, was die Einschätzung des vollen Schadensausmaßes erschwert.
Sechs Flughäfen in Westkolumbien stellten wegen struktureller Schäden den Betrieb ein: Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura. Die kolumbianische Luftfahrtbehörde erklärte, die Flüge blieben gestrichen, bis die strukturellen Schäden an der Infrastruktur begutachtet seien.
- Tote
- 132
- Verletzte
- 570
- Eingestürzte Gebäude
- 61
- Beschädigte Gebäude
- 1500
Internationale Reaktionen
Die US-Regierung hat 15,5 Millionen Dollar für Notunterkünfte und Lebensmittel bereitgestellt. Die Europäische Union hat Hilfe angeboten, unter anderem die Aktivierung des Copernicus-Satellitendienstes. Belgien teilte mit, sein Krisenzentrum in Brüssel verfolge die Entwicklungen, und seine Botschaft in Bogotá stehe bereit, um belgischen Staatsangehörigen zu helfen. Das niederländische Außenministerium erklärte, es prüfe, ob sich niederländische Staatsbürger unter den Opfern befinden.
Regionaler Kontext
Kolumbiens Nachbar Venezuela wurde Ende Juni von zwei Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern erschüttert. Die Zahl der Todesopfer in Venezuela ist inzwischen auf 6.301 gestiegen, etwa 1.400 Menschen werden noch vermisst.


