Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat die SPD zu einer gemeinsamen Anstrengung aufgerufen, um die Partei nach mehreren Wahlniederlagen neu auszurichten. Im Deutschlandfunk verwies er am 27. März 2026 auf die Notwendigkeit von wirtschaftlichem Wachstum und einer fairen Verteilung seiner Erträge. Die Parteiführung kam an diesem Tag in Berlin zu einer Sondersitzung zusammen.

Bovenschulte fordert gemeinsame Kraftanstrengung

Der Bremer Bürgermeister sagt, niemand könne die SPD allein retten. Er sieht die Partei vor einer gemeinsamen Aufgabe.

Wachstum und Verteilung als Kernfragen

Bovenschulte verbindet die wirtschaftliche Erneuerung der SPD mit der Forderung nach einer fairen Verteilung der Erträge.

Klingbeil setzt auf Reformen

Vor dem Spitzentreffen hatte Lars Klingbeil eine unbequeme Reformagenda skizziert, die mehr Arbeit und strukturelle Veränderungen umfasst.

Keine Gegenfinanzierung über die Mehrwertsteuer

Bovenschulte lehnt eine Finanzierung der Steuerreform über höhere Mehrwertsteuer ab und verweist auf hohe Einkommen und Vermögen.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hat die SPD zu einer gemeinsamen Anstrengung aufgerufen, um die Lage der Partei zu verbessern. Im Deutschlandfunk sprach er am 27. März 2026, während sich die Parteiführung in Berlin zu einer Sondersitzung versammelte. „Persönlich und allein kann niemand die SPD retten; das ist eine gemeinsame Aufgabe.” — Andreas Bovenschulte via Deutschlandfunk Bovenschulte, der seit 2019 Bürgermeister von Bremen und Präsident des Bremer Senats ist, beschrieb die Aufgabe der Partei mit Blick auf zwei Kernfragen: auf Dauer wirtschaftliches Wachstum zu organisieren und zugleich sicherzustellen, dass die Erträge dieses Wachstums gerecht verteilt werden. Nur die SPD könne diese beiden Ziele glaubwürdig zusammenbringen, sagte er. „Wir müssen uns in der Mitte der Gesellschaft verankern.” — Andreas Bovenschulte via Deutschlandfunk Die Äußerungen fielen, als die SPD-Führung um die Co-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas mit Spitzenvertretern aus Landesregierungen, Bundesministerien und Kommunen über den weiteren Kurs nach einer Reihe klarer Wahlniederlagen beraten wollte.

Klingbeils „unbequeme“ Reformagenda setzt den Ton Finanzminister und SPD-Co-Vorsitzender Lars Klingbeil hatte die Tagesordnung vor dem Treffen mit der Forderung nach weitreichenden Reformen gesetzt, ausdrücklich auch mit Maßnahmen, die er als „unbequem“ bezeichnete. Dazu zählte für ihn, dass die Menschen in Deutschland insgesamt mehr arbeiten sollten. Bovenschulte stellte sich hinter diese Richtung und sagte, Anreize für mehr Arbeit seien notwendig und längst überfällig. Er verwies dabei besonders auf Empfängerinnen und Empfänger von Bürgergeld. Das derzeitige System bestrafe sie zu stark, wenn sie eine bezahlte Arbeit aufnehmen, weil ihre Einkünfte zu stark auf die Leistungen angerechnet würden, sagte er. Bovenschulte unterstützte auch Anreize, damit Menschen kurz vor dem Rentenalter länger im Beruf bleiben. Darüber hinaus sprach er sich für eine Umverteilung innerhalb des Rentensystems aus, die auf Akademiker ziele. Diese begännen in der Regel später zu arbeiten als andere und lebten im Schnitt länger. Diese Kombination rechtfertige aus seiner Sicht, ihre Rentenbeiträge oder Ansprüche anzupassen. Die Vorschläge stehen für den Versuch der SPD, ihr wirtschaftspolitisches Profil neu zu ordnen, nachdem die Partei das Kanzleramt an die von Friedrich Merz geführte CDU/CSU-geführte Koalition verloren hat, in der die SPD nun als Juniorpartnerin regiert.

Bovenschulte zieht bei der Mehrwertsteuer eine klare Grenze Bei der Frage, wie eine Reform der Einkommensteuer finanziert werden solle, zog Bovenschulte eine klare Grenze und schloss eine Gegenfinanzierung über eine höhere Mehrwertsteuer aus. Stattdessen sollten Menschen mit hohen Einkommen und beträchtlichem Vermögen einen größeren Teil der finanziellen Last tragen, sagte er. Damit bewegt er sich in einer erkennbaren, eher links der Mitte verorteten Tradition innerhalb der SPD und widerspricht Steuererhöhungen auf den Konsum, die Haushalte mit niedrigeren Einkommen stärker treffen. Bovenschulte räumte ein, dass die politische Lage der Partei schwierig sei, nannte aber keinen konkreten Zeitplan und kein programmatisches Konzept für einen Kurswechsel. Kein einzelner Akteur könne eine Wende allein herbeiführen, sagte er. „Es ist ohnehin nie möglich, es allen recht zu machen.” — Andreas Bovenschulte via Deutschlandfunk Dass das Treffen am 27. März zu formellen Beschlüssen führen würde, war nicht erwartet worden. Bovenschulte selbst signalisierte, es gehe eher um die Richtung als um konkrete Ergebnisse. Erschwert wird die Lage der SPD durch ihre doppelte Rolle: Sie regiert als Koalitionspartnerin unter Kanzler Merz und versucht zugleich, sich gegenüber der dominierenden konservativen Agenda ein eigenständiges politisches Profil zu erarbeiten.

Die SPD zählt zu den ältesten politischen Parteien Deutschlands. Ihre Wurzeln reichen zurück zum Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein, der 1863 gegründet wurde, und zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei von 1869, die sich 1875 mit anderen Kräften zusammenschloss. Die Partei regierte Deutschland 16 Jahre lang unter den Bundeskanzlern Gerhard Schröder und Olaf Scholz, bevor sie das Kanzleramt im Mai 2025 an die von Friedrich Merz geführte CDU/CSU-Koalition verlor. Klingbeil ist seit Dezember 2021 SPD-Co-Vorsitzender und übernahm im Mai 2025 zusätzlich das Amt des Vizekanzlers und des Bundesfinanzministers. Bärbel Bas wurde im Juni 2025 gemeinsam mit Klingbeil Co-Vorsitzende und ist zugleich Bundesministerin für Arbeit und Soziales im Kabinett Merz. Die Beteiligung der Partei an der Regierung als kleinerer Koalitionspartner bei gleichzeitiger innerer Identitätskrise ist ein wiederkehrendes Strukturproblem in der Geschichte der SPD.

Mentioned People

  • Andreas Bovenschulte — Premier Bremy i przewodniczący Senatu Bremy od 2019 roku
  • Lars Klingbeil — Wicekanclerz i federalny minister finansów od maja 2025 roku oraz współprzewodniczący SPD
  • Bärbel Bas — Federalna minister pracy i spraw społecznych od maja 2025 roku oraz współprzewodnicząca SPD
  • Friedrich Merz — Kanclerz Niemiec od maja 2025 roku

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