Russland hat den Filmemacher Pavel Talankin, der mit der Oscar-prämierten Dokumentation „Mr. Nobody Against Putin“ bekannt wurde, am 27. März 2026 als „ausländischen Agenten“ eingestuft. Einen Tag zuvor hatte ein russisches Gericht den Film von Streamingplattformen verbannt. Talankins Name erschien online auf der offiziellen Liste des Justizministeriums.

Einstufung durch das Justizministerium

Pavel Talankin wurde am 27. März 2026 als ausländischer Agent auf die offizielle Liste gesetzt.

Verbot des Films in Tscheljabinsk

Ein Gericht ordnete am 26. März 2026 die Entfernung von „Mr. Nobody Against Putin“ von drei Plattformen an.

Aufnahmen aus dem Schulalltag

Talankin filmte zwei Jahre lang heimlich an einer Schule in Karabasch, bevor er mit dem Material Russland verließ.

Oscar und politische Reaktion

Der Film gewann am 15. März 2026 den Oscar, löste in Russland aber Vorwürfe und Kritik aus.

Russland hat den 35-jährigen Filmemacher Pavel Talankin, der hinter der Oscar-prämierten Dokumentation „Mr. Nobody Against Putin“ steht, am Freitag, dem 27. März 2026, als ausländischen Agenten eingestuft. Einen Tag zuvor hatte ein russisches Gericht den Film von Streamingplattformen verbannt. Talankins Name erschien auf der online veröffentlichten offiziellen Liste des russischen Justizministeriums. Das Ministerium warf Talankin, ohne den Film namentlich zu nennen, vor, er verbreite „ungenaue Informationen“ über die russische Führung und äußere sich „gegen die spezielle Militäroperation in der Ukraine“, so bezeichnet Moskau den Krieg offiziell. Die Dokumentation hatte bei der 98. Verleihung der Academy Awards am 15. März 2026 im Dolby Theatre in Hollywood den Oscar als bester Dokumentarfilm gewonnen. Regie führte gemeinsam mit Talankin der US-amerikanische Filmemacher David Borenstein; zudem entstand der Film in Zusammenarbeit mit BBC Storyville.

Gericht untersagt den Film schon am Vortag auf Streamingdiensten Ein Gericht in der Region Tscheljabinsk verbot „Mr. Nobody Against Putin“ am Donnerstag, dem 26. März 2026, auf drei Video-Plattformen und ordnete die Entfernung auch von VK Video an, einer in Russland weit verbreiteten Plattform. Richterin Ksenia Bukharinova gab einem Antrag des Staatsanwalts Evguéni Toumchine statt und befand, der Film enthalte „Anzeichen von Propaganda, die eine negative Haltung gegenüber der russischen Regierung“ und Präsident Wladimir Putin vermittelten, wie aus einer Tonaufnahme des Urteils hervorgeht, die das unabhängige Medium SotaVision veröffentlicht hat. Russische Staatsanwälte warfen der Dokumentation vor, „Propaganda für Extremismus und Terrorismus“ zu sein und eine „negative Haltung gegenüber der russischen Militäroperation in der Ukraine und der derzeitigen Regierung“ auszudrücken. Die Behörden kritisierten den Film außerdem dafür, Bilder von Minderjährigen ohne Zustimmung der Eltern zu zeigen. Dieser Vorwurf war kurz nach dem Oscar-Gewinn erstmals von einem dem russischen Präsidenten nahestehenden Menschenrechtskomitee erhoben worden. Das Gericht verwies zudem darauf, dass Talankin vor einer weiß-blau-weißen Flagge zu sehen sei, dem Symbol der Legion Freiheit Russlands, die von Moskau als terroristische Organisation eingestuft wird. Kremlsprecher Dmitri Peskow lehnte nach den Oscars eine Stellungnahme zu dem Film ab und sagte, er habe ihn nicht gesehen. Die staatliche Agentur RIA Novosti nahm den Film in ihre Liste der Oscar-Gewinner nicht auf.

Zwei Jahre heimlich gedrehte Aufnahmen aus Russland herausgeschmuggelt Talankin arbeitete als Videograf und Veranstaltungskoordinator an einer Schule in Karabasch, einer kleinen Stadt in der Region Tscheljabinsk im Ural, rund 1.400 Kilometer östlich von Moskau. Über zwei Jahre filmte er heimlich Schulversammlungen, Treffen, Festabende und „patriotische“ Unterrichtsstunden, in denen der Krieg in der Ukraine propagiert wurde. So dokumentierte er, wie russische Behörden Schüler nach der großangelegten Invasion vom 24. Februar 2022 indoktrinierten. Auf Anweisung von Präsident Wladimir Putin führten Schulen in ganz Russland einen neuen „patriotischen“ Lehrplan ein. Darin, so berichtete RFI, wurde Kindern beigebracht, die Ukraine sei voller „Neonazis“, und die westlichen Sanktionen hätten die Volkswirtschaften des Westens in die Knie gezwungen. Talankin floh im Sommer 2024 aus Russland und nahm das Material mit. Die Aufnahmen wurden unter der gemeinsamen Regie von David Borenstein zu einer 90-minütigen Dokumentation montiert. Der Film lief am 25. Januar 2025 beim Sundance Film Festival erstmals und erhielt dort einen Spezialpreis der Jury, bevor er später den Oscar gewann. Talankin verteidigte das Projekt als Dokument für die Nachwelt und sagte, es halte fest, wie „eine ganze Generation wütend und aggressiv geworden ist“. Der Film stieß allerdings auch bei Russen auf Kritik, die Putin ablehnen, weil darin Kollegen und Kinder ohne deren Einwilligung gefilmt worden seien.Russlands Gesetz über „ausländische Agenten“ wird seit 2012 in großem Umfang eingesetzt, um zivilgesellschaftliche Organisationen, unabhängige Journalisten und Regierungskritiker zu unterdrücken. Das Gesetz war ursprünglich an ein US-amerikanisches Regelwerk aus den 1930er-Jahren angelehnt, wurde von der russischen Regierung aber im Lauf der Jahre erheblich ausgeweitet. Die Einstufung kann inzwischen für Einzelpersonen ebenso wie für Organisationen gelten. Seit Russland am 24. Februar 2022 seine großangelegte militärische Invasion der Ukraine begonnen hat, haben die russischen Behörden ihre Bemühungen verschärft, Kritik am Krieg zu unterdrücken und die innenpolitische Unterstützung für den Militäreinsatz zu mobilisieren. Die im Dokumentarfilm gezeigte weiß-blau-weiße Flagge wird von russischen Oppositionsgruppen und der Legion Freiheit Russlands verwendet, einer paramilitärischen Einheit russischer Staatsbürger, die an der Seite ukrainischer Kräfte kämpft und von Moskau als terroristische Organisation eingestuft wird.

Talankin rief in Oscar-Rede zum Ende der Kriege auf Bei der Oscar-Zeremonie am 15. März 2026 wandte sich Talankin in seiner Dankesrede direkt an das Publikum. „Vier Jahre lang schauen wir zum Himmel, um Sternschnuppen zu sehen und uns etwas sehr Wichtiges zu wünschen. Aber es gibt Länder, in denen es statt Sternschnuppen Bomben und Drohnen regnet” — Pavel Talankin via Al Jazeera Online „Im Namen unserer Zukunft, im Namen aller unserer Kinder: Beendet all diese Kriege jetzt” — Pavel Talankin via Al Jazeera Online Der Sieg der Dokumentation wurde in der Berichterstattung von RIA Novosti über die Oscar-Verleihung nicht erwähnt. Mehrere russische Medien und patriotische Blogs warfen Talankin nach der internationalen Anerkennung des Films Verrat vor. In Russland als ausländische Agenten eingestufte Personen müssen auf allen Beiträgen in sozialen Medien und auf allen anderen von ihnen veröffentlichten Inhalten den Hinweis auf den ausländischen Agenten anbringen. Außerdem unterliegen sie Einkommensbeschränkungen und erheblichen bürokratischen Auflagen. Die Einstufung markiert eine weitere Eskalation der Reaktion russischer Behörden auf einen Film, der international Aufmerksamkeit auf den staatlichen Umgang mit der öffentlichen Meinung im Krieg im eigenen Land gelenkt hat.Mr. Nobody Against Putin — wichtige Stationen: — ; — ; — ; —

Mentioned People

  • Pavel Talankin — Rosyjski filmowiec i reżyser oscarowego dokumentu „Mr. Nobody Against Putin”
  • David Borenstein — Amerykański filmowiec i współreżyser „Mr. Nobody Against Putin”
  • Vladimir Putin — Prezydent Rosji
  • Dmitry Peskov — Rzecznik Kremla

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