Die polnische Umweltbehörde GIOŚ hat am 14. April 2026 die sofortige Schließung der Rennstrecke Tor Poznań bestätigt. Grund für die Entscheidung ist eine Überschreitung der Lärmschutzwerte in der Nachbargemeinde Przeźmierowo. Damit verliert Polen vorerst seine einzige international homologierte Motorsportanlage.
Sofortige Schließung
Die Umweltbehörde GIOŚ hat den Betrieb des Tor Poznań aufgrund von Lärmschutzverletzungen mit sofortiger Wirkung untersagt.
Lärmstreit als Ursache
Eine Überschreitung der Grenzwerte um 5 Dezibel in der Nachbargemeinde Przeźmierowo gab den Ausschlag für das Urteil.
Juristisches Nachspiel
Der Automobilklub Wielkopolski legt Kassationsbeschwerde ein und hofft auf eine schnelle Wiedereröffnung durch eine Aussetzungsanordnung.
Polens einzige international zertifizierte Motorsportanlage, der Tor Poznań, wurde am 14. April 2026 stillgelegt. Das Hauptinspektorat für Umweltschutz (GIOŚ) bestätigte damit ein Urteil des Woiwodschaftsinspektors aus dem Jahr 2023. Die Entscheidung, die von GIOŚ-Chefin Hanna Kończal bekräftigt wurde, resultiert aus Lärmmessungen in den Straßen Magazynowa und Krańcowa im benachbarten Przeźmierowo, wo die zulässigen Grenzwerte um fünf Dezibel überschritten wurden. Die Strecke verfügt über eine FIA-Grad-3-Homologation sowie eine FIM-Lizenz. Laut Bartosz Bieliński, Präsident des Automobilklubs Wielkopolski, sei Polen damit derzeit das einzige Land in Europa ohne eine zertifizierte Rennstrecke. Die Schließung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft und untersagt jegliche Wettbewerbe und Veranstaltungen vor Ort.
Der Tor Poznań wurde 1977 auf dem Gelände einer ungenutzten Start- und Landebahn des militärischen Teils des Flughafens Posen-Lenz (Poznań-Ławica) eingeweiht, der seit 1913 besteht. Fast fünf Jahrzehnte lang diente die Strecke als Zentrum des polnischen Motorsports, beherbergte internationale Wettbewerbe und diente als Trainingsgelände, unter anderem für die Motorradstaffeln der Polizei. Der Lärmstreit geht auf eine Entscheidung des Oberbürgermeisters von Posen aus dem Jahr 2005 zurück, die den zulässigen Lärmpegel für das Gebiet auf 50 Dezibel festlegte, während in anderen Straßen der Region ein Limit von 55 Dezibel gilt. In den Folgejahren genehmigten die lokalen Behörden den Bau neuer Wohnsiedlungen in unmittelbarer Nähe der Strecke, was die Grundlage für den aktuellen Konflikt zwischen Anwohnern und dem Betreiber schuf.
Automobilklub legt Berufung ein und hofft auf Rückkehr binnen Wochen Bartosz Bieliński kündigte an, dass der Automobilklub Wielkopolski am 15. April eine Kassationsbeschwerde beim Woiwodschaftsverwaltungsgericht in Warschau einreichen werde. Gleichzeitig soll beim GIOŚ ein Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung gestellt werden. Bieliński erklärte, dass der Betrieb bei einer Stundung der Entscheidung bereits in der Folgewoche vorübergehend wieder aufgenommen werden könnte. Der Betreiber hatte zuvor Lärmschutzwände errichtet und das Reglement angepasst, um Emissionen zu senken. Das GIOŚ hielt jedoch fest, dass eine „dauerhafte Einhaltung der zulässigen Lärmschutznormen nicht nachgewiesen“ worden sei. Ein erster Schließungsbefehl aus dem Oktober 2023 war durch einen vorherigen Einspruch zunächst aufgeschoben worden. Der Klub prüft nun auch Entschädigungsforderungen sowie die Finanzierung von Schallschutzmaßnahmen an betroffenen Wohnungen.
„Dies ist die einzige derartige Anlage in Polen, und im Moment sind wir das einzige Land in Europa, das über keine zertifizierte Rennstrecke verfügt.” — Bartosz Bieliński via WP SportoweFakty
Scharfe Reaktionen aus der Politik, Stadt weist Schuld von sich Robert Dowhan, Abgeordneter der Bürgerkoalition (KO), kritisierte die Entscheidung in sozialen Netzwerken als „Schock und Peinlichkeit“. Er verwies darauf, dass die Strecke Jahrzehnte vor der Wohnbebauung am Stadtrand neben einem Flughafen errichtet worden sei. Laut Dowhan hätten Anwohner Grundstücke gerade wegen der Nähe zur Rennstrecke günstig erworben und anschließend Beschwerden eingereicht. Jędrzej Solarski, stellvertretender Bürgermeister von Posen, zeigte sich enttäuscht, wies aber eine Mitverantwortung der Stadtverwaltung zurück. Die Lärmbeschwerden stammten aus Przeźmierowo, welches außerhalb der Stadtgrenzen von Posen liege.
„Man kann die Stadt Posen absolut nicht kritisieren. Die Lärmschutzstandards werden nicht vom Bürgermeister festgelegt. Auf unserem Posener Abschnitt ist alles in Ordnung. Die Proteste kamen aus Przeźmierowo. Wir sind von dieser Entscheidung sehr enttäuscht.” — Jędrzej Solarski via Onet.pl
Der Stadtrat Przemysław Plewiński beriet am 15. April mit Klimaministerin Paulina Hennig-Kloska und Bieliński über Lösungswege. Während Plewiński auf eine Klärung innerhalb weniger Wochen hofft, zog Dowhan eine politische Verbindung und merkte an, dass die Entscheidung zeitlich mit einem Misstrauensvotum gegen Hennig-Kloska im Sejm zusammenfalle.
„Einerseits drehen sie in meiner Regierung durch und übertreffen sich gegenseitig mit Bußgeldern und Einschränkungen für Autofahrer, und andererseits das...” — Robert Dowhan via WP SportoweFakty
GIOŚ: Gesetz ließ keinen Spielraum für andere Entscheidung Das GIOŚ verteidigte den Schritt als rechtlich zwingend. Nach dem polnischen Umweltschutzgesetz sei die Behörde verpflichtet, den Betrieb einzustellen, wenn Verstöße nicht fristgerecht behoben würden. Das Inspektorat betonte, man lege die Lärmstandards nicht selbst fest, sondern kontrolliere lediglich deren Einhaltung. Eine Wiederaufnahme des Betriebs sei möglich, sobald die Ursachen der Verstöße wirksam beseitigt und durch Messungen bestätigt würden. Analysten wie der Stadtplaner Dr. Łukasz Drozda sehen in forsal.pl die Ursache im „räumlichen Chaos“ der Stadtplanung, die eine unstrategische Ausbreitung der Siedlungen zugelassen habe. Die Schließung trifft neben dem Motorsport auch Freizeitsportler wie Inlineskater und Radfahrer sowie Trainingsprogramme der Polizei.
Schließung des Tor Poznań — Zeitstrahl: — ; — ; — ; — ; —
Mentioned People
- Hanna Kończal — Główny Inspektor Ochrony Środowiska
- Robert Dowhan — Poseł na Sejm X kadencji i były prezes klubu żużlowego Falubaz Zielona Góra
- Bartosz Bieliński — Prezes Automobilklubu Wielkopolskiego
- Jędrzej Solarski — Zastępca Prezydenta Poznania
- Paulina Hennig-Kloska — Minister Klimatu i Środowiska
- Przemysław Plewiński — Radny Miasta Poznania
Sources: 23 articles
- Tor Poznań otwarty. GIOŚ wstrzymał wykonalność decyzji (Onet.pl)
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