Ein argentinisches Arbeitsgericht hat am 30. März 2026 zentrale Teile von Präsident Javier Mileis Arbeitsreform vorläufig ausgesetzt. Betroffen sind 82 von 218 Artikeln des Arbeitsmodernisierungsgesetzes, nachdem die größte Gewerkschaftsvereinigung des Landes geklagt hatte. Die Regierung kündigte Berufung an.

Gericht setzt 82 Artikel aus

Ein Arbeitsrichter in Argentinien stoppte per einstweiliger Verfügung 82 von 218 Artikeln des Arbeitsmodernisierungsgesetzes.

CGT sieht Verfassungsbruch

Die Gewerkschaftsföderation sprach von Eingriffen in Kündigungsschutz, Streikrecht und Gewerkschaftsfreiheit.

Regierung legt Berufung ein

Die Regierung will die Entscheidung anfechten; der Streit dürfte die Gerichte weiter beschäftigen.

Ein argentinischer Arbeitsrichter hat am 30. März 2026 zentrale Teile von Präsident Javier Mileis Arbeitsreform vorläufig ausgesetzt und per Gerichtsentscheidung 82 (Artikel) — Artikel des Arbeitsmodernisierungsgesetzes ausgesetzt — also 82 von 218 Artikeln des Gesetzes —, nachdem die wichtigste Gewerkschaftsföderation des Landes rechtlich gegen das Vorhaben vorgegangen war. Richter Raúl Ojeda, der das Nationale Arbeitsgericht 63 leitet, gab damit einem Antrag der Allgemeinen Konföderation der Arbeit (CGT) auf eine einstweilige Verfügung statt. Er erklärte, die ausgesetzten Bestimmungen zeigten „ernste und schwerwiegende“ Hinweise auf Verfassungswidrigkeit und birgten die Gefahr eines nicht wiedergutzumachenden Schadens für die Rechte der Beschäftigten. Das Arbeitsmodernisierungsgesetz war am 27. Februar 2026 vom Kongress verabschiedet worden und galt mehreren Berichten zufolge als bislang bedeutendster gesetzgeberischer Erfolg von Mileis Regierung. Die argentinische Regierung teilte mit, sie werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen.

Beschäftigte auf Plattformen, Streikrecht und Telearbeit unter den ausgesetzten Punkten Die ausgesetzten Artikel betreffen einige der umstrittensten Elemente der Reform und nehmen dem Gesetz mehrere Bestimmungen, die Gewerkschaften gezielt als verfassungswidrig angegriffen hatten. Unter den nun auf Eis liegenden Maßnahmen sind Artikel, die Plattformbeschäftigte als unabhängige Auftragnehmer einstufen, die Abschaffung des Grundsatzes in dubio pro operario sowie die Aufhebung des Telearbeitsgesetzes. Der Richter setzte außerdem Bestimmungen aus, die das Streikrecht einschränkten, indem sie Versammlungen beschränkten und Sanktionen gegen gewerkschaftliche Aktivitäten erlaubten, darunter den möglichen Entzug der Rechtspersönlichkeit von Gewerkschaften. Weitere ausgesetzte Regelungen betreffen Änderungen der Regeln für Tarifverhandlungen, Anpassungen der Probezeiten, Veränderungen bei der Berechnung von Betriebszugehörigkeit und Abfindungen sowie die Einführung von Fonds zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen, die klassische Abfindungen durch Kapitalisierungskonten ersetzen sollen. Ojeda äußerte die Sorge, das Modell dieser Beendigungsfonds könne ungerechtfertigte Kündigungen fördern und die Beiträge der Beschäftigten einem Risiko schlechter Anlagen aussetzen. Das Urteil setzte zudem Artikel aus, die die Haftung von Unternehmen beim Einsatz ausgelagerter Arbeit begrenzen sollten, sowie Bestimmungen, die Streitigkeiten mit dem Staat der Zuständigkeit der Nationalen Arbeitsjustiz entzogen.

„Mit diesem Erlass der einstweiligen Verfügung werden beide Seiten, der Staat und die CGT, darauf hinarbeiten, so bald wie möglich und unter Wahrung des sozialen Friedens eine endgültige Entscheidung zu erreichen.” — Raúl Ojeda via AFP

CGT begrüßt das Urteil, die Regierung kündigt Gegenwehr vor Gericht an Die CGT begrüßte die Entscheidung als wichtigen juristischen Erfolg und stellte die Reform als Angriff auf grundlegende Arbeitsrechte dar. In ihrer ursprünglichen Klage hatte die Föderation argumentiert, das Gesetz führe rückschrittliche und dauerhafte Änderungen ein und verletze Verfassungsrechte, darunter Kündigungsschutz und Gewerkschaftsfreiheit. „Wir begrüßen diese Gerichtsentscheidung als grundlegenden Schritt zur Verteidigung der Rechte der Beschäftigten.” — CGT via RFI Die argentinische Regierung hingegen sprach von Versuchen, notwendige Reformen zu behindern, und bezeichnete das Gesetz als Instrument zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Mileis Arbeitsministerium veröffentlichte auf X eine Mitteilung, in der die Gesetzgebung als „grundlegendes Instrument für die Schaffung gemeldeter Arbeitsplätze, die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und die Stärkung der Rechtssicherheit für Arbeitnehmer und Arbeitgeber“ beschrieben wurde. Die Regierung bestätigte, dass sie Berufung einlegen werde. Der Rechtsstreit dürfte sich damit weiter durch die Instanzen ziehen, bevor eine endgültige Entscheidung über die Verfassungsmäßigkeit des Gesetzes fällt. Die CGT hatte ihre Klage kurz nach der parlamentarischen Verabschiedung eingereicht, die bereits von Straßenprotesten und einem Generalstreik begleitet worden war.

300.000 verlorene Jobs zeigen den politischen Einsatz der Reform Der argentinische Arbeitsmarkt steht seit Jahren unter anhaltendem Druck. Nach Berichten von AFP, auf die sich mehrere Quellen beziehen, gingen in den beiden Jahren vor dem Inkrafttreten des Gesetzes rund 300.000 Arbeitsplätze im privaten und öffentlichen Sektor verloren. Die Reform wurde inmitten einer breiteren Sparpolitik der Milei-Regierung verabschiedet, die auf eine Eindämmung der Inflation zielte, die in Argentinien vor den fiskalischen Verschärfungsmaßnahmen der Regierung extreme Werte erreicht hatte. Die 1930 gegründete CGT war historisch mit dem Peronismus verbunden und ist seit fast einem Jahrhundert ein zentraler Akteur der argentinischen Arbeitsmarktpolitik. Das Urteil vom 30. März war nicht der erste juristische Rückschlag für die Reform. Mindestens fünf weitere argentinische Gerichte hatten bereits einzelne Artikel in Entscheidungen erster Instanz aufgehoben, bevor Ojeda die weiter gefasste Aussetzung verfügte. Die argentinische Föderation der Beschäftigten im Handel und im Dienstleistungssektor hatte zudem separat die Aussetzung von Artikeln durchgesetzt, die die Gültigkeit von Tarifverträgen und die Finanzierung von Gewerkschaften einschränken sollten. Milei hatte die Reform als Mittel dargestellt, einen seit mehr als einem Jahrzehnt festgefahrenen Arbeitsmarkt zu beleben. Das Gesetz lockert die Einstellungsbedingungen, senkt die Kosten bei Entlassungen und erlaubt eine Ausdehnung des Arbeitstags von acht auf zwölf Stunden, sofern zwischen den Schichten eine Ruhezeit von zwölf Stunden eingehalten wird. Die einstweilige Verfügung ist vorläufig und bleibt in Kraft, bis das Gericht über die eigentliche Verfassungsfrage entscheidet. Damit steht der eigentliche Rechtsstreit über die Zukunft der Reform noch aus.

Arbeitsmodernisierungsgesetz — zentrale Bestimmungen vor und nach der Aussetzung: Einstufung von Plattformbeschäftigten (before: Als unabhängige Auftragnehmer eingestuft, after: Ausgesetzt — der frühere Status gilt vorläufig weiter); Grundsatz in dubio pro operario (before: Durch die Reform abgeschafft, after: Ausgesetzt — der Grundsatz gilt vorläufig wieder); Telearbeitsgesetz (before: Durch die Reform aufgehoben, after: Ausgesetzt — die Aufhebung ist vorerst gestoppt); Maximale tägliche Arbeitszeit (before: Auf 12 Stunden verlängert, after: Ausgesetzt — die Verlängerung ist vorerst gestoppt)

Mentioned People

  • Javier Milei — ekonomista, pisarz, polityk i nauczyciel, obecny prezydent Narodu Argentyńskiego od 10 grudnia 2023 roku
  • Raúl Ojeda — szef Krajowego Sądu Pracy nr 63 w Argentynie

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