Der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa ist am Montag zu seinem Antrittsbesuch in Berlin eingetroffen. Auf dem Programm standen Gespräche mit der politischen Spitze, ein deutsch-syrisches Wirtschaftsforum und Proteste von Tausenden Menschen. Im Mittelpunkt standen Fragen des Wiederaufbaus, der Rückkehr syrischer Flüchtlinge und von Abschiebungen.
Steinmeier empfängt al-Sharaa in Bellevue
Der syrische Übergangspräsident kam zu einem Antrittsbesuch nach Berlin. Der Termin war wegen der Kämpfe in Syrien von Januar auf Montag verschoben worden.
Wirtschaftsforum wirbt um Investitionen
Bei einem Forum im Auswärtigen Amt warben deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Genannt wurden vor allem Energie, Bau, Maschinenbau und IT.
Debatte über Rückkehr und Abschiebungen
Innenminister Alexander Dobrindt stellte freiwillige Rückkehr und Abschiebungen in den Mittelpunkt. Die Opposition kritisierte die Linie der Bundesregierung scharf.
Großer Polizeieinsatz in der Hauptstadt
Wegen des Besuchs kam es in Berlin zu Straßensperrungen und einem Versammlungsverbot rund um Regierungsgebäude. Mehrere Kundgebungen und Gegendemonstrationen waren angemeldet.
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa ist am Montag zu einem viel beachteten Antrittsbesuch in Berlin eingetroffen, der die politische Spitze Deutschlands, ein deutsch-syrisches Wirtschaftsforum und Proteste von Tausenden Demonstranten zusammenbrachte. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing al-Sharaa zu Beginn des Besuchs im Schloss Bellevue. Der Besuch war ursprünglich für Januar geplant, wurde wegen der Kämpfe in Syrien aber verschoben. Al-Sharaa, 43, kommandierte früher die Miliz Hayat Tahrir al-Sham und die al-Nusra-Front, die einst mit al-Qaida verbunden war, bevor er die Offensive anführte, die Ende 2024 Syriens langjährigen Machthaber Bashar al-Assad stürzte. Bei dem Besuch ging es um Investitionen für den Wiederaufbau, die Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat und die Abschiebung von Straftätern. Diese Themen hat die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz in den Mittelpunkt ihrer Syrienpolitik gestellt. Al-Sharaa war zuvor in Washington, Paris und Moskau empfangen worden. Der Berliner Termin ist damit Teil einer breiteren diplomatischen Rehabilitierung im Westen.
Wirtschaftsforum wirbt bei deutschen Unternehmen für Engagement in Syrien Al-Sharaa und mehrere deutsche Minister trafen sich zu einem deutsch-syrischen Wirtschaftsforum im Auswärtigen Amt. Dort warb der syrische Regierungschef direkt um Investitionen deutscher Unternehmen. Außenminister Johann Wadephul, der al-Sharaa die Unterstützung Deutschlands zusicherte, stellte den Termin als Gelegenheit dar, einem Land zu helfen, das aus Jahrzehnten der Diktatur und des Bürgerkriegs herauskomme. „Die Syrerinnen und Syrer verdienen eine Chance, und wir wollen dazu beitragen, dass diese Chance gut genutzt wird.” — Johann Wadephul via Der Tagesspiegel Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nannte Energie, Bau, Maschinen- und Anlagenbau sowie Informationstechnologie als Branchen mit großem Potenzial für die deutsch-syrische Zusammenarbeit. Al-Sharaa sagte, Syrien habe viele seiner Gesetze geändert, um die rechtlichen Bedingungen für Investoren zu verbessern. Mit Blick auf den andauernden Krieg mit Iran bezeichnete er Syrien als „sicheren Hafen“ für Investitionen. Wadephul sagte, er sehe für Deutschland eine starke Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung Syriens. Die mittel- und langfristigen Möglichkeiten des bilateralen Austauschs seien enorm. Für später am Tag waren außerdem Treffen mit Kanzler Friedrich Merz und Innenminister Alexander Dobrindt geplant. Das Gespräch mit Dobrindt sollte um 16.30 Uhr beginnen.
Syrien hat fast 14 Jahre Bürgerkrieg durchlitten, bevor islamistische Milizen unter Führung von al-Sharaa Ende 2024 Bashar al-Assad stürzten. Al-Sharaa, auch unter seinem Kampfnamen Abu Mohammad al-Jolani bekannt, führte zuvor die al-Nusra-Front, die wegen ihrer Verbindungen zu al-Qaida als Terrororganisation eingestuft wurde, und gründete später Hayat Tahrir al-Sham. Nach Assads Sturz wurde er im Januar 2025 zum Übergangspräsidenten ernannt und verfolgt seitdem eine Politik der Öffnung und Annäherung an westliche Regierungen.
Rückkehr von Flüchtlingen und Abschiebungen im Fokus bei Dobrindt Das geplante Treffen von Innenminister Alexander Dobrindt mit al-Sharaa stellte die freiwillige Rückkehr von Syrerinnen und Syrern aus Deutschland sowie die Abschiebung von Straftätern in den Mittelpunkt. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Das Haus wolle für Rückkehrwillige „möglichst gute Bedingungen“ schaffen, sagte der Sprecher. Zugleich verwies er darauf, dass die Beschleunigung solcher Rückkehr in der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD als Ziel verankert sei. Eine Pressebegegnung nach dem Gespräch zwischen Dobrindt und al-Sharaa war nicht vorgesehen, wie der Sprecher bestätigte. Der Schwerpunkt der Bundesregierung auf Abschiebungen stieß bei der Opposition auf scharfe Kritik. Die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, warnte Merz vor einer aus ihrer Sicht verfrühten Normalisierung der Beziehungen zu Damaskus. „Der Kanzler hat seine Syrienpolitik immer wieder auf die Frage von Abschiebungen reduziert und die tatsächliche Lage vor Ort ignoriert.” — Luise Amtsberg via ZEIT ONLINE Die Kurdische Gemeinde Deutschland warf al-Sharaa Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und bezeichnete seinen Besuch in Berlin als untragbar. Deutsche Behörden wiesen darauf hin, dass syrische Regierungstruppen bei einer Militäroffensive im Norden und Nordosten Syriens kurdische Kämpfer aus mehreren zuvor von ihnen kontrollierten Gebieten vertrieben hätten.
Polizei sperrt Straßen in Berlin, während Tausende protestieren und jubeln Der Besuch löste in der Berliner Innenstadt einen größeren Polizeieinsatz aus. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, außerdem galt zwischen 11 und 16 Uhr im Umfeld wichtiger Regierungsgebäude ein mehrstündiges Versammlungsverbot. In der Stadt waren sechs Kundgebungen angemeldet, darunter eine Mahnwache vor dem Bundeskanzleramt in der Willy-Brandt-Straße gegen das, was die Organisatoren als politische Aufwertung al-Sharaas durch die Bundesregierung bezeichneten. Stephan Weh, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft in Berlin, warnte vor einer zu starken Belastung der Berliner Polizei. Er wandte sich zugleich direkt an die Bundesregierung und sagte, wenn Merz al-Sharaa einlade, müsse der Bund die damit verbundenen Kosten tragen und dürfe sie nicht allein der Polizei der Hauptstadt aufbürden. Bei einer separaten Begegnung mit der syrischen Gemeinde im Ritz-Carlton Hotel in Berlin wurde al-Sharaa deutlich freundlicher empfangen. Zahlreiche Unterstützer jubelten und skandierten Sprechchöre. Die Demonstrationen zeigten, wie gespalten die Reaktionen in Deutschland auf den Besuch ausfielen. Sowohl Gegner als auch Unterstützer des früheren Milizenführers hatten Kundgebungen angemeldet. Der Besuch machte auch den Spannungsbogen zwischen den migrations- und aufbaupolitischen Zielen der Bundesregierung einerseits und den anhaltenden Sorgen über die Menschenrechtslage im Syrien nach Assad andererseits deutlich.
Perspektywy mediów: Der Besuch könnte einen früheren Dschihadistenführer legitimieren, bevor Syrien glaubwürdige Menschenrechtsschutzgarantien für Minderheiten vorgelegt hat. Der Umgang mit al-Sharaa ist ein pragmatischer Schritt, um Syrien zu stabilisieren, Flüchtlingsbewegungen zu verringern und deutsche Wirtschaftsinteressen beim Wiederaufbau zu sichern.
Mentioned People
- Ahmed al-Sharaa — Prezydent tymczasowy Syrii od stycznia 2025 roku
- Frank-Walter Steinmeier — Prezydent federalny Niemiec
- Friedrich Merz — 10. kanclerz Republiki Federalnej Niemiec od maja 2025 roku
- Johann Wadephul — Federalny minister spraw zagranicznych w gabinecie Merza od maja 2025 roku
- Katherina Reiche — Federalna minister gospodarki i energii w gabinecie Merza od maja 2025 roku
- Alexander Dobrindt — Federalny minister spraw wewnętrznych w gabinecie Merza od 2025 roku
- Luise Amtsberg — Ekspertka Zielonych ds. polityki zagranicznej
Sources: 15 articles
- Besuch in Deutschland: Syriens Übergangspräsident al-Scharaa trifft Innenminister Dobrindt zu Gespräch (N-tv)
- Staatsbesuch in Berlin: Das Richtige tun aus den falschen Gründen (ZEIT ONLINE)
- Staatsbesuch in Berlin: Syrer feiern ihren Präsidenten mit "Allahu-Akbar!"-Rufen (Berliner Zeitung)
- Treffen mit Kanzler Merz: Demos für und gegen syrischen Übergangspräsidenten (ZEIT ONLINE)
- Demos für und gegen syrischen Übergangspräsidenten (stern.de)
- Berlin & Brandenburg: Demos für und gegen syrischen Übergangspräsidenten (N-tv)
- Syrien-Machthaber im Ritz: Video zeigt "Allahu Akbar"-Rufe (Focus)
- Steinmeier empfängt syrischen Präsidenten Sharaa (Spiegel Online)
- Besuch in Berlin: Wadephul: Deutschland steht an der Seite Syriens (Der Tagesspiegel)
- Syrien: Frank-Walter Steinmeier empfängt Syriens Übergangspräsident al-Scharaa (ZEIT ONLINE)