Stephan Bothe, stellvertretender Vorsitzender der AfD in Niedersachsen und Landtagsabgeordneter, weist Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen seine Partei zurück. Er sieht in den überprüften Beschäftigungspraktiken keinen Verstoß gegen geltende Regeln. Im Mittelpunkt steht eine umstrittene Praxis bei Anstellungen in Bundestag und Landtagen.
AfD weist Vorwürfe zurück
Stephan Bothe sieht in den umstrittenen Anstellungen keinen Verstoß gegen die Regeln und spricht von einem erlaubten Vorgehen.
Niedersachsen steht im Zentrum
Besonders die Fälle um Martina Uhr und Ansgar Schledde haben die Debatte in Niedersachsen verschärft.
Chrupalla und Bothe liegen auseinander
Tino Chrupalla räumt einen Beigeschmack ein, während Bothe jede problematische Wirkung zurückweist.
Rechtslage bleibt umstritten
Bothe hält neue Regeln für unnötig und verweist darauf, dass Verwandte von Parteikollegen derzeit nicht ausdrücklich ausgeschlossen sind.
Stephan Bothe, stellvertretender Vorsitzender der AfD in Niedersachsen und Mitglied des Landtags, hat die Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen seine Partei am Sonntag zurückgewiesen. Er sehe an den geprüften Beschäftigungspraktiken kein Fehlverhalten. „Wir haben kein Problem mit Vetternwirtschaft, und ich sehe darin wirklich keinen Skandal.” — Stephan Bothe via German Press Agency Im Zentrum der Debatte steht eine Praxis, bei der AfD-Mitglieder des Bundestags und der Landtage Familienmitglieder von Parteikollegen beschäftigen, statt ihre eigenen Angehörigen einzustellen. Während die Beschäftigung naher eigener Verwandter nach den Regeln des Bundestags untersagt ist, ist die Anstellung von Verwandten anderer Parteimitglieder grundsätzlich erlaubt. Bothe erklärte, die Diskussion sei schwer nachzuvollziehen, weil es dabei um etwas gehe, „das erlaubt ist“, und es dafür kein gesetzliches Verbot gebe.
Zwei Fälle aus Niedersachsen sorgten besonders für Aufmerksamkeit Besonders scharf ist die Debatte in Niedersachsen, wo zwei konkrete Fälle mediale Aufmerksamkeit ausgelöst haben. Der Bundestagsabgeordneten Martina Uhr wurde vorgeworfen, ihren Partner und dessen Tochter in ihrem Parlamentsbüro beschäftigt zu haben. Uhr bestritt in der Zeitung „Bild“, dass es sich bei dem Mann um ihren Lebenspartner handle, und wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht äußern. Unabhängig davon wurde bekannt, dass die Ehefrau des niedersächsischen AfD-Landesvorsitzenden Ansgar Schledde im Büro eines AfD-Bundestagsabgeordneten beschäftigt ist. Nach Medienberichten soll außerdem die frühere Ehefrau von Schledde im niedersächsischen Landtag arbeiten. Die AfD-Fraktion erklärte, alle betroffenen Arbeitsverträge seien unbedenklich. Ähnliche Konstellationen seien Berichten zufolge auch in anderen regionalen AfD-Verbänden in Deutschland bekannt geworden.
Parteichef räumt einen „Beigeschmack“ ein – Bothe widerspricht deutlich Der AfD-Bundesvorsitzende Tino Chrupalla räumte die Außenwirkung der Vorgänge ein. Er sagte, die Verträge seien zwar legal, dennoch bleibe ein unangenehmer Eindruck. „Es hat dennoch einen Beigeschmack.” — Tino Chrupalla via ZEIT ONLINE Bothe widersprach seinem Parteivorsitzenden ausdrücklich und zog eine klare Linie zwischen seiner eigenen Einschätzung und der zurückhaltenden Kritik Chrupallas. „Ich sehe das anders als Herr Chrupalla, ich sehe hier keinen Beigeschmack.” — Stephan Bothe via ZEIT ONLINE Bothe begründete aus praktischer Sicht, warum AfD-Mitglieder bei Einstellungen auf ihr persönliches Umfeld zurückgreifen. Er verwies auf Schwierigkeiten der Partei auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Viele Stellen in der Bundestagsfraktion seien über längere Zeit unbesetzt geblieben. „Wer AfD im Lebenslauf hat, muss im weiteren Arbeitsleben mit Ablehnung rechnen.” — Stephan Bothe via ZEIT ONLINE
Bothe sieht keinen Bedarf für neue Regeln und verweist auf die Rechtslage Bothe sagte, der bestehende Rechtsrahmen reiche aus, eine Reform der Regeln sei nicht nötig. Das Verbot, eigene Angehörige zu beschäftigen, gebe es aus gutem Grund, sagte er. Er selbst würde das ebenfalls problematisch finden. Zugleich grenzte er diesen Fall klar von den aktuellen Konstellationen ab, bei denen Verwandte von Kollegen und nicht die eigenen Familienmitglieder eingestellt würden. „Wenn sie qualifiziert sind und gute Arbeit leisten, sehe ich darin kein Problem.” — Stephan Bothe via ZEIT ONLINE Der Gesetzgeber habe „aus gutem Grund nicht eingegriffen“, fügte er hinzu. Falls neue Regeln eingeführt würden, werde sich die Partei entsprechend anpassen. Seine Position lief auf eine vollständige Verteidigung des Status quo hinaus: „Alles läuft nach Recht und Gesetz.” — Stephan Bothe via ZEIT ONLINE Die Regeln gegen Vetternwirtschaft im deutschen Bundestag zielten bislang vor allem darauf, dass Abgeordnete nicht direkt ihre eigenen nahen Angehörigen aus ihren Personalmitteln beschäftigen. Die geltenden Vorgaben verbieten diese direkte Familienbeschäftigung, erfassen aber nicht Verwandte von Kollegen. Kritiker sehen darin eine Lücke, die informelle Patronagenetzwerke in Parteistrukturen begünstigen könne.
Mentioned People
- Stephan Bothe — Poseł do parlamentu krajowego Dolnej Saksonii i zastępca przewodniczącego AfD w Dolnej Saksonii
- Tino Chrupalla — Federalny rzecznik AfD i przewodniczący klubu parlamentarnego AfD w Bundestagu
- Ansgar Schledde — Przewodniczący AfD w Dolnej Saksonii i poseł do parlamentu krajowego Dolnej Saksonii
- Martina Uhr — Posłanka AfD do Bundestagu z Dolnej Saksonii
Sources: 2 articles
- AfD-Vize Bothe sieht keinen Skandal bei Vetternwirtschaft (Süddeutsche Zeitung)
- AfD-Vize Bothe sieht keinen Skandal bei Vetternwirtschaft (stern.de)
- Parteien: AfD-Vize Bothe sieht keinen Skandal bei Vetternwirtschaft (ZEIT ONLINE)
- Kommission zu Anstellungen - AfD gibt sich wortkarg (Süddeutsche Zeitung)
- Sachsen-Anhalt: Kommission zu Anstellungen - AfD gibt sich wortkarg (N-tv)
- Kommission zu Anstellungen - AfD gibt sich wortkarg (stern.de)