Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen am 19. März 2026 unverändert gelassen. Als Hauptgrund nannte sie die weitreichende Unsicherheit durch den anhaltenden Krieg im Nahen Osten unter Beteiligung Irans. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte EU-Spitzen zugleich vor Risiken für Inflation und Wachstum im Euroraum.
Deutliche Verluste an Europas Börsen
Am 19. März 2026 schlossen die europäischen Aktienmärkte klar im Minus. Der FTSE MIB verlor 2,32 Prozent, Frankfurt gab nach der EZB-Entscheidung 3 Prozent nach.
EZB hält Zinsen wegen Energieschock und Unsicherheit stabil
Die Europäische Zentralbank beließ die Zinsen unverändert und verwies auf den durch den Krieg im Iran ausgelösten Energieschock sowie auf massive Unsicherheit für den Euroraum.
Bank of England bleibt ebenfalls bei 3,75 Prozent
Auch die Bank of England änderte ihren Leitzins nicht. Die Entscheidung unterstreicht, dass der Iran-Konflikt inzwischen ein wichtiger Faktor in der Geldpolitik europäischer Zentralbanken ist.
Ölpreis stabilisiert sich nach Äußerungen von Scott Bessent leicht
Nach Aussagen des US-Finanzministers zu Iran-Sanktionen verlangsamte sich der Anstieg der Rohölpreise. Das half den Aktienmärkten, einen Teil ihrer Verluste wieder aufzuholen.
Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen am 19. März 2026 unverändert gelassen. Als maßgeblichen Grund für die Pause nannte sie die weitreichende Unsicherheit, die durch den anhaltenden Krieg im Nahen Osten unter Beteiligung Irans entstanden sei. EZB-Präsidentin Christine Lagarde unterrichtete die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union direkt und warnte, der Konflikt berge Risiken sowohl für die Inflation als auch für das Wirtschaftswachstum in der gesamten Staatengemeinschaft. Die Entscheidung fiel in einer Phase weiterhin unruhiger Energiemärkte nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten. Der Krieg wurde dabei als Energiepreisschock von erheblicher Größenordnung beschrieben. Marktteilnehmer und mehrere EZB-Ratsmitglieder signalisierten dennoch anhaltende Wachsamkeit mit Blick auf die Inflation. Einige Banken positionierten sich bereits für künftige Zinserhöhungen. Der Euroraum wurde zwar als widerstandsfähig charakterisiert, zugleich wurde die Unsicherheit im Nahen Osten als Belastung für den allgemeinen Konjunkturausblick anerkannt.
Lagarde warnt EU-Spitzen vor Risiken für Inflation und Wachstum Christine Lagarde gab den EU-Spitzen eine direkte Einschätzung und erklärte, dass der Krieg im Nahen Osten Risiken sowohl für die Inflation als auch für das Wirtschaftswachstum im Euroraum mit sich bringe. Der Konflikt, an dem Iran beteiligt ist, habe an den Energiemärkten und in der Gesamtwirtschaft eine „massive Unsicherheit" ausgelöst, wie der Nachrichtendienst AP News schrieb. Ein vom Krieg ausgelöster Energieschock erschwere der EZB die Aufgabe, ihre Geldpolitik in einem Moment auszutarieren, in dem Preisstabilität weiterhin im Mittelpunkt stehe. Lagardes Unterrichtung der EU-Spitzen machte deutlich, welchen Stellenwert die Bank der geopolitischen Lage in ihren Entscheidungen beimisst. Die EZB ließ die Zinsen unverändert, statt sie zu senken oder anzuheben. Das spiegelt die Schwierigkeit wider, einen Kurs festzulegen, solange die wirtschaftlichen Folgen des Krieges unklar bleiben. Die Haltung der Notenbank war von abwartender Vorsicht geprägt und nicht von einer klaren Weichenstellung in die eine oder andere Richtung.
IWF mahnt zur Wachsamkeit, Dauer des Krieges gilt als entscheidend Der Internationale Währungsfonds äußerte sich gesondert und erklärte, die wirtschaftlichen Folgen des Krieges hingen in hohem Maß von dessen Dauer ab. Zugleich mahnte er die Zentralbanken zur Wachsamkeit. Die Position des IWF entsprach damit weitgehend der vorsichtigen Linie der EZB und stützte die Einschätzung, dass der Konflikt eine Reihe möglicher wirtschaftlicher Entwicklungen nach sich ziehe, nicht aber einen einzigen vorhersehbaren Verlauf. Ein kurzer Krieg und ein lang anhaltender Konflikt hätten grundlegend unterschiedliche Folgen für Energiepreise, Lieferketten und das Verbrauchervertrauen in Europa. Zentralbanken sollten, so der IWF, auf voreilige Schritte in die eine oder andere Richtung verzichten, solange die Lage im Fluss sei. Der Rat, wachsam zu bleiben statt vorbeugend zu handeln, entsprach einem breiteren Konsens internationaler Finanzinstitutionen, wonach das derzeitige Umfeld Geduld verlange. Die Intervention des IWF verlieh der Entscheidung der EZB, die Zinsen vorerst nicht zu verändern, zusätzlich institutionelles Gewicht.
EZB-Ratsmitglieder halten spätere Zinserhöhungen weiter für möglich Trotz der Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, signalisierten EZB-Ratsmitglieder laut Reuters Wachsamkeit gegenüber Inflationsrisiken und ließen damit die Tür für spätere Erhöhungen offen. Einige Banken begannen bereits darauf zu setzen, dass der vom Energieschock ausgehende Preisdruck künftige Zinsschritte nach oben notwendig machen könnte. Die Kombination aus einer widerstandsfähigen Wirtschaft im Euroraum und einem ungelösten Konflikt schafft ein Umfeld, in dem sich die Inflation beschleunigen könnte, während das Wachstum zugleich Gegenwind erfährt. Das erschwert den Einsatz der üblichen geldpolitischen Instrumente. Das Stillhalten der EZB war daher kein Zeichen von Sorglosigkeit, sondern Ausdruck tatsächlicher Unsicherheit darüber, in welche Richtung der nächste Schritt gehen sollte. Die Ratsmitglieder wirkten in ihrer Einschätzung einig, dass die Lage eng beobachtet werden müsse und kein vorab festgelegter Kurs angezeigt sei. Die übergeordnete Botschaft aus Frankfurt lautete, dass die Notenbank handlungsbereit sei, aber mehr Klarheit darüber benötige, wie sich der Krieg im Nahen Osten weiterentwickelt, bevor sie sich auf einen neuen Zinspfad festlegt.
Die EZB bewegt sich seit dem starken Inflationsanstieg nach der Pandemie in einem schwierigen geldpolitischen Umfeld, nachdem ab 2022 eine Reihe kräftiger Zinserhöhungen begonnen hatte. Vor der jetzigen Pause befand sich die Notenbank in einem schrittweisen Lockerungszyklus, weil die Inflation im Euroraum Anzeichen zeigte, sich wieder dem EZB-Ziel von 2 Prozent anzunähern. Der Ausbruch des US-israelischen Krieges gegen Iran Ende Februar 2026 stellte für diesen Kurs jedoch einen neuen und erheblichen externen Schock dar, störte die Energiemärkte und ließ die Sorge vor importierter Inflation in Europa erneut aufkommen.
Mentioned People
- Christine Lagarde — Prezes Europejskiego Banku Centralnego
- Scott Bessent — 79. sekretarz skarbu Stanów Zjednoczonych od 2025 r.