
Unwetter in Deutschland: Superzelle verwüstet Thangelstedt, Baum begräbt Familie in Hamburg
Nach der Rekordhitze vom Montag mit 39,4 Grad in Regensburg ziehen schwere Gewitter mit Orkanböen und Starkregen durch Deutschland. Der DWD warnt für weite Teile vor Unwettern; erste Schäden und Verletzte werden bereits aus mehreren Bundesländern gemeldet.
Deutschland erlebt die zweite Unwetternacht in Folge. Nach der extremen Hitze vom Montag (39,4 Grad in Regensburg) brachte ein Wetterumschwung kräftige Gewitter, die in mehreren Bundesländern Schäden und Behinderungen verursachten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt für weite Landesteile vor anhaltender Unwettergefahr.
Schäden und Verletzte in mehreren Regionen
In Hamburg stürzte am frühen Dienstagvormittag bei einem Gewitter ein Baum auf ein Auto mit sieben Insassen – vier Erwachsene und drei Kinder.
Die Familie hatte sehr, sehr viel Glück.
Laut Feuerwehr war das Fahrzeug lediglich unter der Baumkrone eingeschlossen. Ein Mensch erlitt mittelschwere Verletzungen, die anderen sechs kamen mit leichten Verletzungen davon.
In Thüringen richtete am Montagabend eine sogenannte Superzelle schwere Verwüstungen im Ort Thangelstedt (Weimarer Land) an. Dächer wurden abgedeckt, Straßen blockiert, ein Spielplatz zerstört und die Stromversorgung war kurzzeitig unterbrochen. Der DWD prüft, ob ein Tornado die Ursache war. Auch im Raum Blankenhain stürzten Bäume um und das Dach einer Reithalle wurde teilweise abgedeckt.
Massive Störungen im Bahnverkehr
In Nordrhein-Westfalen brachten lokale Unwetter bereits in der Nacht den Zugverkehr zum Erliegen. Bei Schwelm mussten Fahrgäste mehr als vier Stunden in einem ICE ausharren, weil ein Baum auf die Oberleitung gestürzt war. Nach der Entfernung des Baumes zog eine Diesellok den Zug über den stromlosen Streckenabschnitt. Die Bahnstrecke zwischen Mönchengladbach und Aachen blieb wegen eines Oberleitungsschadens gesperrt; dort waren am Montagabend zwischen Rheydt und Lindern Bäume auf die Gleise gestürzt. Zwei Regionalzüge mit mehr als 250 Fahrgästen mussten geräumt werden.
Fahrgäste konnten die Züge mit Unterstützung der Rettungskräfte vor Ort sicher verlassen und ihre Reise anschließend mit Bussen fortsetzen.
Amtliche Warnungen und akute Gefahren
Der DWD gab für die Nacht zum Mittwoch Unwetterwarnungen für zahlreiche Regionen heraus. Für Berlin und Brandenburg galt eine Warnung vor heftigem Starkregen (bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit), Sturmböen um 90 km/h und Hagel. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg wurden orkanartige Böen bis 110 km/h, Starkregen bis 35 Liter pro Stunde und größerer Hagel erwartet. Für Baden-Württemberg sagte der DWD örtlich 20 bis 40 Liter (vereinzelt bis 60 Liter), drei Zentimeter große Hagelkörner und Böen bis 110 km/h voraus. In 17 Kreisen (Schwerpunkt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) galt zwischenzeitlich die höchste Warnstufe mit "Alarmstufe Rot".
Besondere Gefahr in Berlin
Berlins Straßenbäume stehen nach wochenlanger Dürre unter massivem Trockenstress. Felix Weisbrich, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts in Friedrichshain-Kreuzberg, beschrieb die Kernproblematik als den Wechsel aus langen Trockenperioden und Starkregen. Enger Wurzelraum und verdichtete Böden lassen die Bäume austrocknen, Kronen lichten sich, Äste werden spröde – eine gefährliche Kombination für die bevorstehenden Unwetter.
Ausblick
Der Mittwoch bringt keine Entspannung: Zunächst sind im Nordosten unwetterartige Gewitter mit kräftigem Regen und Sturmböen, auch an der Nordseeküste bleibt es stürmisch. Am Donnerstag können erneut Gewitter aufkommen, vor allem in Richtung Alpen besteht die Gefahr kräftiger Schauer. Eine allgemeine Wetterberuhigung wird erst zum Wochenende erwartet.
- 39.4°C Tageshöchsttemperatur gemessen
- Superzelle verwüstet Ort, beschädigt Dächer und blockiert Straßen
- ICE evakuiert nach Baumsturz auf Oberleitung, Fahrgäste harren 4 Stunden aus
- Baum stürzt auf Auto mit 7-köpfiger Familie; 1 Person mittelschwer, 6 leicht verletzt
- DWD erwartet neue kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial, ausgehend vom Schwarzwald
- Gewitter ziehen ab und werden schwächer; Tiefstwerte 16–22°C
- Erneut Gewitter, im Nordosten Unwettergefahr; an der Nordseeküste stürmisch
- Generelle Wetterberuhigung erwartet


