Die deutsche Wirtschaft zeigt zu Beginn des Jahres 2026 ein differenziertes Bild. Während Marktriesen wie Allianz, Deutsche Telekom und Munich Re Rekordgewinne für das vergangene Jahr vermelden, kämpft die Europäische Zentralbank weiterhin mit milliardenschweren Verlusten aus ihrer Zinspolitik. Gleichzeitig melden die Pharma- und Rüstungsbranche starke Zuwächse, trotz instabiler geopolitischer Lage und Handelsstreitigkeiten mit den USA.

Rekordergebnisse von Allianz

Das operative Ergebnis stieg auf 17,4 Mrd. Euro, was eine Erhöhung der Dividende auf 17,10 Euro je Aktie ermöglichte.

Verluste der EZB halten an

Die Europäische Zentralbank schloss das Jahr 2025 mit einem Verlust von 1,25 Mrd. Euro, auch wenn dies ein besseres Ergebnis als im Vorjahr ist.

Boom im Rüstungssektor

Hensoldt verzeichnet einen Auftragszuwachs von 62 Prozent, angetrieben durch erhöhte Verteidigungsausgaben in Europa.

Glasfaserexpansion

Die Deutsche Telekom plant, die Reichweite ihres Glasfasernetzes bis 2030 zu verdoppeln und 25 Millionen Haushalte zu erreichen.

Der deutsche Kapitalmarkt wurde von der Veröffentlichung der Finanzberichte der größten DAX-Konzerne dominiert, die in den meisten Fällen die Erwartungen der Analysten übertrafen. Der Versicherungsriese Allianz erzielte ein historisches operatives Ergebnis von 17,4 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Haupttreiber erwies sich das Sach- und Unfallversicherungsgeschäft, das von einem relativ geringen Schadensausmaß durch Naturkatastrophen profitierte. Ähnliche Erfolge feiert der Rückversicherer Munich Re mit einem Nettogewinn von 6,1 Milliarden Euro, wobei das Management jedoch vor Preisdruck warnt, der paradoxerweise aus der geringeren Zahl von Katastrophen in der vergangenen Saison resultiert. Gleichzeitig kommen positive Signale aus dem Telekommunikations- und Industriesektor. Die Deutsche Telekom meldete Umsätze von über 119 Milliarden Euro sowie ehrgeizige Pläne zum Ausbau des Glasfasernetzes, das bis 2030 25 Millionen Haushalte in Deutschland erreichen soll. Die Pharmabranche, vertreten durch den Verband VCI, verzeichnete einen Produktionsanstieg von 4,5 Prozent. Dieser Sektor zeigte eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber Handelsverwerfungen mit den USA, teilweise dank einer schnellen Steigerung der Exporte vor der Einführung neuer Zölle. In der Verteidigungsbranche verzeichnete das Unternehmen Hensoldt einen beispiellosen Auftragsanstieg von 62 Prozent, angetrieben durch die Modernisierung der Bundeswehr. Seit der Finanzkrise 2008 und der anschließenden Phase negativer Zinsen hat sich die Finanzarchitektur der Eurozone grundlegend verändert, was sich nun auf die Ergebnisse der Zentralbanken auswirkt. Vor diesem Hintergrund stehen die Ergebnisse der Europäischen Zentralbank in Kontrast, die für das Jahr 2025 einen Verlust von 1,254 Milliarden Euro auswies. Obwohl dieser deutlich niedriger ist als die fast 8 Milliarden des Vorjahres, verhindert er weiterhin die Ausschüttung von Dividenden an die nationalen Zentralbanken. Die Präsidentin der EZB betonte jedoch, dass die Institution ihr Mandat der Preisstabilität erfolgreich erfülle, indem sie die Inflation auf 1,7 Prozent senkte. Weniger optimistisch stellt sich die Lage am Immobilien- und Technologiemarkt dar. Trotz Signalen für das Ende der Krise im Wohnungsbau fehlt es weiterhin an einer deutlichen Investitionserholung. An der Börse wurden die Aktien von Freenet und Hensoldt stark abgestraft, da Investoren Gewinne realisierten, nachdem die Ergebnisse in einigen Aspekten nicht den überzogenen Markterwartungen entsprachen. „The ECB’s decisive monetary policy response played a crucial role in bringing inflation back to the target level.” (Die entschlossene geldpolitische Reaktion der EZB spielte eine entscheidende Rolle dabei, die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen.) — Präsidentin der Europäischen Zentralbank Zusammenfassend scheinen die deutschen Wirtschaftschampions die Herausforderungen hoher Zinsen und globaler Spannungen geschickt zu navigieren. Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch die Aufrechterhaltung des Wachstumsimpulses angesichts schwächelnder Binnennachfrage und einer möglichen Verschärfung des Handelsprotektionismus. Investoren verfolgen auch den Markt für künstliche Intelligenz aufmerksam, wo die Ergebnisse des US-Konzerns Nvidia die Technologiestimmung diktieren und indirekt die Bewertungen von Unternehmen wie SAP beeinflussen. Die Stabilisierung der Inflation lässt auf bessere Kreditkonditionen hoffen, was den stagnierenden Bausektor im Jahr 2026 und den Folgejahren beleben könnte.

Mentioned People

  • Christine Lagarde — Präsidentin der Europäischen Zentralbank, kommentiert den Inflationsrückgang und die Ergebnisse der Bank.
  • Tim Höttges — Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, verantwortlich für die Strategie zum Glasfaserausbau.
  • Oliver Bäte — Vorstandsvorsitzender von Allianz, verkündet Rekordergebnisse und Dividenden.
  • Christoph Jurecka — Vorstandsvorsitzender von Munich Re, weist auf den Einfluss niedriger Schäden auf die Rückversicherungspreise hin.