Lord Advocate Dorothy Bain, die höchste Staatsanwältin und zugleich oberste Rechtsberaterin der schottischen Regierung, informierte Premier John Swinney über die Erhebung von Vorwürfen der Veruntreuung von Geldern gegen den ehemaligen SNP-Chef Peter Murrell – den Ehemann der ehemaligen Premierministerin Nicola Sturgeon – fast ein Jahr, bevor der Fall öffentlich wurde. Von der Staatsanwaltschaft veröffentlichte Dokumente zeigen, dass Swinney bereits im März 2025 über die Summe von 460.000 Pfund Bescheid wusste. Das Ereignis löste Kritik und Forderungen nach dem Rücktritt von Bain sowie nach einer Trennung ihrer Doppelrolle aus, die von Teilen der politischen Szene als Interessenkonflikt angesehen wird.
Geheime Information für den Premierminister
Lord Advocate Dorothy Bain informierte den schottischen Premierminister John Swinney im März 2025 über den Vorwurf der Veruntreuung von über 460.000 Pfund der SNP durch Peter Murrell, fast ein Jahr vor der Veröffentlichung dieser Information im Januar 2026.
Kontroversen um die Rolle des Lord Advocate
Die Enthüllung des Falls verstärkte die Kritik an der Doppelrolle des Lord Advocate, der sowohl Chef der Staatsanwaltschaft als auch oberster Rechtsberater des Kabinetts ist. Die Opposition wirft vor, dass das Handeln von Bain der regierenden SNP-Partei einen politischen Vorteil verschafft habe.
Veröffentlichung präzedenzloser Dokumente
Auf Forderungen von Abgeordneten veröffentlichte die Staatsanwaltschaft eine Liste von fast 30 Fällen aus den letzten drei Jahrzehnten, in denen der Lord Advocate Regierungschefs über Verfahren informierte. Die Liste umfasst u.a. Untersuchungen zum Anschlag auf den Flughafen Glasgow und zur Lockerbie-Bombe.
Politische Reaktionen und Verteidigung des Amtes
Premier Swinney verteidigt das Handeln von Bain und behauptet, es entspreche der langjährigen Praxis. Der Führer der schottischen Konservativen, Russell Findlay, beschuldigte die SNP jedoch, ein zweistufiges Justizsystem anzuwenden. Die Staatsanwaltschaft behauptet, die Handlungen seien korrekt gewesen.
Der schottische Premierminister John Swinney wurde fast ein Jahr vor deren Veröffentlichung über strafrechtliche Vorwürfe gegen Peter Murrell, den ehemaligen Chef der SNP-Partei und Ehemann der ehemaligen Premierministerin Nicola Sturgeon, informiert. Die Information wurde ihm im März 2025 von Lord Advocate Dorothy Bain übermittelt, wie Dokumente enthüllten, die das Crown Office and Procurator Fiscal Service (COPFS) unter Druck von Parlamentariern veröffentlichte. Laut einer Notiz vom 20. März 2025 informierte Bain Swinney, dass Murrell beschuldigt wurde, über 460.000 Pfund aus Parteigeldern veruntreut zu haben. Diese Summe, später präzise mit 459.046,49 Pfund angegeben, war damals der Öffentlichkeit nicht bekannt und wurde erst im Januar 2026 verbreitet, als sie von der schottischen Presse gemeldet wurde. Das Amt des Lord Advocate, des höchsten juristischen Beamten in Schottland, vereint die Funktionen des Chefs der Staatsanwaltschaft und des obersten Rechtsberaters der Regierung. Diese Doppelrolle, die im Rechtssystem aus der britischen Tradition verwurzelt ist, ist seit Jahren Gegenstand von Kontroversen, und Kritiker weisen auf einen potenziellen Interessenkonflikt zwischen der Unabhängigkeit der Strafverfolgung und der Loyalität gegenüber dem Kabinett hin. Die Enthüllung dieses konkreten Falls löste einen politischen Sturm aus. Der Führer der schottischen Konservativen, Russell Findlay, nannte sie „schockierend” und erklärte, sie zeige ein zweistufiges Justizsystem, in dem nur der Premierminister und seine Berater geheime Informationen erhielten. John Swinney selbst verteidigte das Vorgehen von Bain und behauptete, es sei „völlig angemessen” und entspreche der langjährigen Praxis. Auf Forderungen nach Erklärungen seitens des Parlaments veröffentlichte das COPFS eine beispiellose Liste von fast 30 Fällen, in denen der Lord Advocate aufeinanderfolgende Premierminister Schottlands oder Großbritanniens über bedeutende Verfahren informiert hatte. Die Liste umfasste Fälle von großer öffentlicher Bedeutung, wie die Untersuchung zum Lockerbie-Bombenanschlag, den Terroranschlag auf den Flughafen Glasgow und den Tod von Sheku Bayoh. Die Staatsanwaltschaft betont, dass Bain ihren Pflichten entsprechend handelte und die Information des Premierministers dazu diente, Fakten nach breiten medialen Spekulationen zu bestätigen und Minister an das Verbot zu erinnern, laufende Verfahren zu kommentieren. „That's a long standing principle. The Lord Advocate has applied it in this particular issue and in other issues and it is an entirely appropriate course of action for the Lord Advocate to take.” (Das ist ein langjähriges Prinzip. Der Lord Advocate hat es in dieser speziellen Angelegenheit und in anderen Angelegenheiten angewandt, und es ist ein völlig angemessener Weg, den der Lord Advocate einschlägt.) — Der Fall befeuerte die Debatte über eine Reform des Amtes des Lord Advocate und die Trennung der staatsanwaltschaftlichen von der beratenden Funktion. Peter Murrell hat noch kein Schuld- oder Unschuldsbekenntnis abgelegt, und eine erste Anhörung in seinem Fall wurde für den 25. Mai angesetzt. In den Notizen für den Premierminister fand sich auch eine Bestätigung des Abschlusses der polizeilichen Ermittlungen gegen Nicola Sturgeon selbst sowie des ehemaligen SNP-Schatzmeisters Colin Beattie, denen jedoch keine Vorwürfe erhoben wurden. Dieses Ereignis wirft ein neues Licht auf die Beziehungen zwischen Politik und Justiz in Schottland und wird wahrscheinlich Konsequenzen für den laufenden Wahlkampf zum schottischen Parlament haben.
Mentioned People
- Dorothy Bain — Lord Advocate von Schottland, oberste Staatsanwältin und oberste Rechtsberaterin der Regierung.
- John Swinney — Premierminister von Schottland (First Minister), Vorsitzender der Scottish National Party (SNP).
- Peter Murrell — Ehemaliger Geschäftsführer der SNP, Ehemann der ehemaligen schottischen Premierministerin Nicola Sturgeon, beschuldigt der Veruntreuung von Parteigeldern.
- Nicola Sturgeon — Ehemalige Premierministerin von Schottland, Ehefrau von Peter Murrell, gegen die Ermittlungen ohne Anklageerhebung abgeschlossen wurden.
- Russell Findlay — Vorsitzender der Scottish Conservative Party, Kritiker des Handelns des Lord Advocate.
- Colin Beattie — Ehemaliger Schatzmeister der SNP, gegen den ebenfalls Ermittlungen ohne Anklageerhebung abgeschlossen wurden.