Der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) hat sich an das Regierungspräsidium Darmstadt gewandt, um in einem Streit über die Lagerung von Abfällen aus dem zurückgebauten Atomkraftwerk Biblis zu intervenieren. Das Unternehmen SAVAG GmbH, Betreiber der Deponie in Büttelborn, weigert sich, die Materialien anzunehmen, was den Stilllegungsprozess der Anlage blockiert. Es handelt sich um Abfälle, die als unschädlich und nicht radioaktiv eingestuft wurden.
Antrag auf Intervention der Behörden
Der Zweckverband ZAKB hat einen offiziellen Antrag beim Regierungspräsidium Darmstadt gestellt, um den Betreiber der Deponie Büttelborn zur Annahme von Abfällen aus Biblis zu zwingen.
Blockade durch den Betreiber
Das Unternehmen SAVAG GmbH, das die Deponie verwaltet, weigert sich, Abfälle aus dem Rückbau anzunehmen, was einen entscheidenden Schritt der Kraftwerksstilllegung zum Stillstand bringt.
Charakter der Abfälle
Die Materialien, um die es in dem Streit geht, wurden behördlich von den Vorschriften für radioaktive Abfälle freigestellt und als unschädlich anerkannt.
Im deutschen Bundesland Hessen tobt ein Rechtsstreit, der den Stilllegungsprozess des Atomkraftwerks Biblis verzögern könnte. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) hat beim Regierungspräsidium Darmstadt einen Antrag auf Anwendung des rechtlichen Instruments der sogenannten Mitbenutzung gestellt. Es geht darum, das Unternehmen SAVAG GmbH, den Betreiber der kommunalen Deponie in Büttelborn, zur Annahme und Entsorgung bestimmter Materialien aus dem Rückbau des stillgelegten Atomobjekts zu zwingen. Der Betreiber weigert sich konsequent, sie anzunehmen, obwohl diese Abfälle behördlich von den Vorschriften für radioaktive Abfälle freigestellt und als unschädlich eingestuft wurden. Das Atomkraftwerk Biblis, bestehend aus den Blöcken A und B, war eines der größten seiner Art in Deutschland. Sein Bau begann in den 1970er Jahren, und nach der Katastrophe in Fukushima im Jahr 2011 beschloss die Bundesregierung den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie. Die Blöcke in Biblis wurden endgültig außer Betrieb genommen, und seit 2017 läuft ihr umfassender Abbau und ihre Stilllegung. Der Streit offenbart die praktischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Endphase der Stilllegung von Atomkraftwerken, die nach der Phase der Reaktorabschaltung und der Entfernung von Kernbrennstoff in die Phase des konventionellen Rückbaus der Strukturen übergeht. Materialien wie Beton, Stahl oder Ziegel, die keine radioaktiven Kontaminationen über den zulässigen Grenzwerten aufweisen, können – nach entsprechenden Kontrollverfahren und behördlicher Freigabe – als gewöhnliche Bauabfälle behandelt werden. Ihre Annahme durch lokale Entsorgungsbetriebe stößt jedoch oft auf gesellschaftlichen oder administrativen Widerstand, der aus Befürchtungen vor Stigmatisierung und komplexen Verfahren resultiert. Status der Atomkraftwerke in Deutschland: Anzahl der aktiven Reaktoren (2011): 17 → 0; Datum der endgültigen Abschaltung: geplant für 2036 → 15. April 2023; Objekt Biblis (Leistung): 2 Blöcke, insgesamt ~2500 MW → im RückbauDie Entscheidung des Regierungspräsidiums Darmstadt wird von entscheidender Bedeutung für den Zeitplan der Arbeiten in Biblis sein. Wenn die Behörden dem Antrag des ZAKB stattgeben und eine Anordnung zur zwangsweisen Bereitstellung der Deponie erlassen, kann der Rückbau fortgesetzt werden. Andernfalls muss der Zweckverband nach einem alternativen Lagerort suchen, was mit zusätzlichen Transportkosten, Verhandlungen und potenziellen Verzögerungen verbunden ist. Die Situation in Büttelborn ist kein Einzelfall und stellt ein Beispiel für das breitere logistische Problem dar, mit dem lokale und Landesbehörden im Prozess der Dekarbonisierung und der Bewältigung des nuklearen Erbes konfrontiert sind.