In Italien hat sich eine hitzige Debatte um einen Gesetzentwurf von Michela Vittoria Brambilla entzündet. Der Vorschlag der Abgeordneten der Mitte-rechts-Partei Noi Moderati zielt darauf ab, Pferde als Haustiere anzuerkennen, was ein Verbot ihrer Schlachtung für Fleisch sowie erhebliche Einschränkungen für historische Veranstaltungen wie das Palio zur Folge hätte. Der Entwurf stieß auf scharfe Kritik von Politikern der Rechten, die vor der Zerstörung von Traditionen und einem von der Europäischen Union regulierten Markt warnen.

Verbot von Schlachtung und Verkauf von Fleisch

Der Gesetzentwurf verbietet vollständig die Schlachtung von Pferden, Eseln und Maultieren für Fleisch. Er plant zudem ein Verbot der Herstellung, Einfuhr und des Verkaufs von Pferdefleisch und dessen Verarbeitungsprodukten auf italienischem Staatsgebiet.

Einschränkungen für Palio und Kutschen

Der Entwurf sieht ein Verbot der Nutzung von Pferden bei historischen, folkloristischen und touristischen Veranstaltungen vor, wenn dies ihre Gesundheit oder ihr Leben gefährdet. Dies betrifft die berühmten Palio-Rennen sowie die römischen Touristenkutschen (botticelle).

Scharfe Reaktion der politischen Rechten

Politiker der Parteien Fratelli d'Italia und Lega kritisierten den Entwurf scharf und bezeichneten ihn als Bedrohung für Traditionen, Angriff auf die Wahlfreiheit der Verbraucher und Eingriff in den EU-Markt.

Verteidigung regionaler kulinarischer Traditionen

Kritiker des Entwurfs betonen, dass Pferdefleisch Bestandteil vieler traditioneller Regionalgerichte ist. Sein Verbot wurde von einigen als Akt des "kulinarischen Rassismus" bezeichnet.

Im italienischen Parlament wurde ein Gesetzentwurf eingereicht, der den Status von Pferden, Eseln und Maultieren grundlegend verändern könnte. Initiatorin des kontroversen Vorschlags ist Michela Vittoria Brambilla, Abgeordnete der Partei Noi Moderati. Der Entwurf zielt darauf ab, diese Tiere als Haustiere anzuerkennen, was ihre Behandlung radikal verändern würde. Der Haupt- und meistdiskutierte Punkt ist ein vollständiges Verbot der Pferdeschlachtung für Fleisch. Der Entwurf verbietet auch die Herstellung, das Inverkehrbringen, die Einfuhr und die Ausfuhr von Pferdefleisch und daraus gewonnenen Erzeugnissen auf italienischem Staatsgebiet. Brambilla argumentiert, dass „I cavalli sono amici dell'uomo e non una materia prima” (Pferde sind Freunde des Menschen und keine Rohware) — Michela Vittoria Brambilla. Die Beziehung der Italiener zu Pferden ist historisch ambivalent. Diese Tiere waren jahrhundertelang entscheidend für die Landwirtschaft, den Transport und das Militär, und ihr Fleisch war eine Proteinquelle, besonders in Zeiten der Armut. Gleichzeitig ist der Kult des Pferdes als edler und treuer Gefährte tief in Kunst und Literatur verwurzelt. Der moderne Pferdefleischmarkt in Italien, obwohl eine Nische, hat starke regionale Traditionen, besonders im Norden des Landes. Die zweite Säule des Entwurfs sind Restriktionen für den Einsatz von Pferden bei kulturellen und touristischen Veranstaltungen. Das Gesetz verbietet die Organisation von Veranstaltungen, einschließlich historischer und folkloristischer, wenn sie das Leben oder die Gesundheit der Tiere gefährden. In der Praxis würde dies die weltberühmten Palio-Rennen treffen, wie das in Siena. Das Verbot würde auch die Nutzung von Pferden zum Ziehen von touristischen Kutschen, sogenannten „botticelle”, in Rom umfassen. Der Entwurf stieß auf eine sofortige und heftige Reaktion der politischen Rechten. Der Europaabgeordnete Carlo Picaro von der Partei Fratelli d'Italia warnte, dass das Verbot nicht als einfache nationale Wahl angesehen werden könne, da es in einen gesamten Wirtschaftszweig eingreife, der durch EU-Recht reguliert werde. Seiner Meinung nach würde die De-facto-Abschaffung dieses Sektors ein ernsthaftes Problem für die Grundsätze des Binnenmarkts darstellen. Noch schärfer war die Kritik von der Lega. Der Berichterstatter des Entwurfs für diese Partei, Paolo Formentini, bezeichnete Brambillas Vorschlag als „rassistisch” gegenüber regionalen kulinarischen Traditionen. Diese kontroverse Aussage deutet auf einen tieferen Konflikt zwischen Tierschutz und der Verteidigung des kulturellen Erbes hin. Die Diskussion berührt nämlich die gastronomische Identität vieler Regionen, wo Pferdefleisch Bestandteil traditioneller Gerichte ist, wie etwa pesto di cavallo aus Parma oder pastissada de caval aus Verona. Wesentliche Änderungen im Gesetzentwurf vorgeschlagen: Rechtlicher Status von Pferden: Nutztiere → Haustiere (animali d'affezione); Schlachtung für Fleisch: Erlaubt in regulierten Schlachthöfen → Vollständig verboten; Teilnahme an Palio/riskanten Veranstaltungen: Erlaubt mit gewissen Einschränkungen → Verboten, wenn Gesundheits-/Lebensgefahr besteht; Verkauf von Pferdefleisch: Legal in Geschäften und Restaurants → Verboten (Herstellung, Import, Verkauf) Die Debatte um den Entwurf offenbart eine tiefe gesellschaftliche Spaltung. Befürworter der Änderungen, darunter Tierschutzorganisationen, sehen ihn als notwendigen und fortschrittlichen Schritt in der Entwicklung des gesellschaftlichen Bewusstseins. Gegner betonen die Gefahr für die Wahlfreiheit der Verbraucher, die Zerstörung von Arbeitsplätzen im Zucht- und Verarbeitungssektor sowie den Angriff auf lokale Traditionen, die Teil der italienischen Identität sind. Das weitere Schicksal des Entwurfs ist ungewiss, aber allein seine Einreichung hat bereits eine hitzige Diskussion über die Grenzen des Tierschutzes und das Ausmaß, in dem der Staat in den Bereich der Kultur und Bräuche eingreifen darf, entfacht.

Perspektywy mediów: Liberale und linke Medien stellen den Entwurf als mutigen und humanitären dar, der die Entwicklung der Gesellschaft zeigt. Sie betonen das Leiden der Tiere in der Fleischindustrie und bei gefährlichen Veranstaltungen und sehen in dem Gesetz einen Schritt in Richtung einer ethischeren Zukunft. Konservative und rechte Medien konzentrieren sich auf die Gefahr für Traditionen, wirtschaftliche Freiheit und regionale Identität. Sie stellen den Entwurf als ideologischen Angriff auf die Bräuche des ländlichen Italiens und als Beweis für die Entfremdung der Eliten von den realen Problemen des Landes dar.

Mentioned People

  • Michela Vittoria Brambilla — Abgeordnete, Autorin des Gesetzentwurfs, Partei Noi Moderati
  • Carlo Picaro — Europaabgeordneter, Partei Fratelli d'Italia (FdI), Kritiker des Entwurfs
  • Paolo Formentini — Parlamentarier, Berichterstatter des Entwurfs für die Lega, nannte ihn "rassistisch"