Die polnische Regierung kündigt eine grundlegende Wende in der Rüstungsbeschaffungspolitik an, indem sie vom Modell einfacher Transaktionen abrückt und stattdessen lokale Investitionen und Technologietransfer zur Bedingung macht. Vize-Minister Konrad Gołota bezeichnete die bisherige Haltung Polens gegenüber US-Lieferanten direkt als 'naiv'. Gleichzeitig weist das Verteidigungsministerium auf die Unterstützung der neuen Regierung von Donald Trump für den europäischen SAFE-Fonds hin, was die Verteidigungsautonomie des Kontinents unter Beteiligung der US-Industrie stärken soll.
Ende der Käufe ohne Offset
Vize-Minister Konrad Gołota kündigte an, dass Polen keine Waffen mehr ohne Technologietransfer und Investitionen der Lieferanten in die polnische Industrie kaufen wird.
USA unterstützen SAFE-Programm
Die Regierung Donald Trumps sieht im EU-Programm SAFE eine Chance, die europäische Verantwortung für Sicherheit unter Beteiligung des Konzerns BAE Systems zu erhöhen.
Export-Erfolge von Piorun
Die tragbaren Raketensysteme Piorun von Mesko wecken das Interesse mehrerer Länder, was die Position der Polska Grupa Zbrojeniowa auf den Weltmärkten stärkt.
Die polnische Regierung, vertreten durch den stellvertretenden Minister für Staatsvermögen Konrad Gołota, hat eine radikale Änderung im Umgang mit ausländischen Rüstungskonzernen angekündigt. Die bisherige Strategie, die als 'Bezahlung für Sicherheit' bezeichnet wurde, soll durch harte Bedingungen bezüglich Local Content und Transfer von Schlüsseltechnologien ersetzt werden. Laut dem Vize-Minister in einem Bericht der Agentur Bloomberg will Polen nicht mehr nur passiver Empfänger von Fertiglösungen sein, sondern strebt danach, integraler Teil der globalen Lieferkette zu werden. Dabei wurde betont, dass die bloße Präsenz von Montagelinien im Land angesichts des Aufbaus technologischer Souveränität nicht ausreicht. Gleichzeitig informierte der stellvertretende Verteidigungsminister Paweł Zalewski über die positive Einstellung der Regierung Donald Trumps zum SAFE-Programm. Die USA sehen diesen EU-Mechanismus als Instrument zur Umsetzung ihrer langjährigen Forderung: Europa soll mehr Verantwortung für die konventionelle Verteidigung übernehmen. Obwohl der Fonds die europäische Produktion fördert, können US-Hersteller wie BAE Systems davon profitieren, und zwar durch ihre europäischen Tochtergesellschaften und die Zusammenarbeit im Rahmen gemeinsamer Beschaffungen, wie auf der letzten Münchner Sicherheitskonferenz diskutiert wurde. Seit der großangelegten Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 ist Polen zu einem der am schnellsten aufrüstenden NATO-Staaten geworden, der rekordverdächtige Prozentsätze des BIP für Verteidigung ausgibt und ein Schlüsselkunde für die Industrie der USA und Südkoreas ist. Im regionalen Kontext zeigt auch Estland Bestrebungen, sich europäischen Produktionsketten anzuschließen. Verteidigungsminister Hanno Pevkur erklärte den Wunsch, estnische Firmen in die Produktion der Schützenpanzer CV90 einzubinden. Polen wiederum fördert neben großen Käufen eigene Exporterfolge wie die Flugabwehrsysteme Piorun des Herstellers Mesko, an denen mehrere Länder interessiert sind. All diese Maßnahmen sind Teil des breiteren Trends zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit der östlichen NATO-Flanke, was der Besuch einer Delegation des SEDE-Ausschusses des Europäischen Parlaments in polnischen Rüstungsbetrieben bestätigte. „Wenn Unternehmen uns Waffen verkaufen wollen, müssen sie bei uns investieren. Polen war bisher ein naiver Käufer, insbesondere von US-Waffen.” — Konrad Gołota Änderung des Rüstungsbeschaffungsmodells Polnische Rüstungsaktivität 2026: Geplante Ausgaben in den USA: 200, Interessierte Länder (Piorun): 15, Potenzial polnischer Betriebe: 85 Liberale Medien betonen die Notwendigkeit des Aufbaus europäischer Autonomie und der Kostenrationalisierung durch Integration in das EU-Programm SAFE. | Konservative Medien warnen vor dem Risiko einer Abkühlung der Beziehungen zu den USA durch zu radikale Rhetorik über angebliche Naivität früherer Regierungen.
Mentioned People
- Konrad Gołota — Stellvertretender Minister für Staatsvermögen, verantwortlich für die Aufsicht über den Rüstungssektor.
- Paweł Zalewski — Stellvertretender Verteidigungsminister, Teilnehmer der Münchner Konferenz.
- Hanno Pevkur — Verteidigungsminister Estlands, der bestrebt ist, die nationale Industrie in die Produktion von CV90 einzubinden.