Das Berufungsgericht in Hongkong hat eine überraschende Entscheidung getroffen und das Verurteilungsurteil gegen Jimmy Lai wegen angeblichen Finanzbetrugs aufgehoben. Der ehemalige Medienmogul und Gründer der prodemokratischen Zeitung „Apple Daily“ erringt einen seltenen juristischen Sieg in einem System, das zunehmend von Peking kontrolliert wird. Trotz des günstigen Urteils bleibt der Aktivist in Isolationshaft und wartet auf einen Prozess wegen nationaler Sicherheit, der ihm lebenslange Haft droht. Die internationale Öffentlichkeit fordert seine Freilassung.
Aufhebung des Betrugsurteils
Das Berufungsgericht stellte fest, dass die Beweise im Fall der Bürountervermietung für eine Schuld Jimmy Lais nicht ausreichten.
Weiterhin Inhaftierung des Aktivisten
Trotz des Siegs in diesem Fall bleibt Lai aufgrund von Vorwürfen im Zusammenhang mit nationaler Sicherheit in Haft.
Appell an polnische Behörden
Die Familie und Unterstützer Lais rufen die polnische Regierung auf, Maßnahmen zu seiner Freilassung zu ergreifen.
Symbolischer Charakter des Urteils
Das Urteil wird als seltener Beweis für die letzten Reste richterlicher Unabhängigkeit im post-protestantischen Hongkong angesehen.
Das Berufungsgericht in Hongkong hat ein wegweisendes Urteil gefällt und Jimmy Lai von Betrugsvorwürfen freigesprochen, die ursprünglich zu einer Verurteilung zu fast sechs Jahren Haft geführt hatten. Der Fall betraf angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Untervermietung von Büroflächen im Hauptsitz der inzwischen nicht mehr existierenden Zeitung „Apple Daily“. Die Richter stellten fest, dass die Staatsanwaltschaft nicht genügend Beweise für eine vorsätzliche Täuschung des Immobilieneigentümers vorgelegt hatte. Diese Entscheidung wird als seltener Fall richterlicher Unabhängigkeit in der Region angesehen, die seit 2020 unter enormem politischem Druck steht. Seit der Übergabe Hongkongs von Großbritannien an China im Jahr 1997 funktionierte die Region nach dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“, das rechtliche Autonomie garantierte. Die Situation änderte sich drastisch nach der Einführung des Nationalen Sicherheitsgesetzes im Jahr 2020, das weitreichende Repressionen gegen die Opposition ermöglichte. Trotz dieses juristischen Erfolgs bleibt die Situation des 78-jährigen Aktivisten dramatisch. Jimmy Lai verbüßt weiterhin Haft im Hochsicherheitsgefängnis, da parallel ein Prozess gegen ihn wegen angeblicher Verschwörung mit ausländischen Kräften und Anstiftung zum Aufruhr läuft. Dabei handelt es sich um Vorwürfe, die auf dem umstrittenen Nationalen Sicherheitsgesetz basieren. Der Sieg im Betrugsfall hat prestigeträchtige und moralische Bedeutung, bringt ihn in der Praxis jedoch der Freiheit nicht näher, solange keine Entscheidungen in den rein politischen Angelegenheiten gefällt werden. Die internationalen Reaktionen auf die jüngsten Ereignisse sind eindeutig. In Polen und anderen westlichen Ländern gab es Appelle zu diplomatischen Interventionen. Menschenrechtsverteidiger weisen darauf hin, dass Lai ein Symbol für den Kampf um Meinungsfreiheit in Asien ist und seine Verfolgung darauf abzielt, den Rest der Gesellschaft einzuschüchtern. Der Angeklagte selbst hat wiederholt betont, dass er Hongkong trotz der Gefahr einer langjährigen Haftstrafe nicht verlassen will. Medien bemerken, dass die Aufhebung des Betrugsurteils ein Versuch sein könnte, das Image der Hongkonger Justiz in den Augen globaler Investoren zu retten, die sich um die Rechtssicherheit in diesem Finanzzentrum sorgen. Solange Lai jedoch wegen journalistischer Aktivitäten hinter Gittern bleibt, werden diese Gesten mit großer Skepsis betrachtet. „What we have left is truth and dignity. If we lose this fight, we lose everything for future generations.” (Was uns bleibt, ist Wahrheit und Würde. Wenn wir diesen Kampf verlieren, verlieren wir alles für künftige Generationen.) — Jimmy Lai Analysten prognostizieren, dass die Staatsanwaltschaft versuchen könnte, das aktuelle Berufungsurteil vor die höchste Instanz zu bringen, was den Rechtsstreit weiter verlängern würde. Gleichzeitig wird der Prozess in den politischen Angelegenheiten mehrfach verschoben, was nach Ansicht von Kritikern eine Form psychischer Folter für den betagten Gefangenen darstellt. Die Situation Lais spiegelt einen breiteren Rückschritt der Demokratie in Hongkong wider, wo die meisten Oppositionsführer inhaftiert oder im Exil sind.
Mentioned People
- Jimmy Lai — 78-jähriger Gründer der prodemokratischen Zeitung Apple Daily, Ikone des Kampfes für Meinungsfreiheit in Hongkong.