Die italienische Regierung unter der Leitung von Minister Adolfo Urso hat die Europäische Kommission offiziell aufgefordert, das Emissionshandelssystem auszusetzen. Rom argumentiert, dass sich der Mechanismus in eine repressive fiskalische Abgabe verwandelt habe, die die europäische Industrie angesichts des globalen Wettbewerbs und steigender US-Zölle erdrückt. Diese Forderung findet Unterstützung bei einigen Mitgliedstaaten, obwohl die skandinavischen Länder vor einem Abbau der Grundlagen der EU-Klimapolitik warnen.
Forderung nach Aussetzung des ETS
Italien und Frankreich fordern die Aussetzung des Emissionshandelssystems, das sie als Hindernis für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie betrachten.
Eastinvest-Fonds
Ursula von der Leyen kündigte den Plan an, 20 Milliarden Euro für die Unterstützung der östlichen Regionen der Europäischen Union bereitzustellen.
Anstieg der Gaspreise
Die Erdgasnotierungen stiegen um 3,7 %, was den Kostendruck auf europäische Produzenten erhöht.
Streit um US-Zölle
Europa prüft Möglichkeiten der Verhandlung mit China als Reaktion auf die protektionistische Politik von Donald Trump.
Italien hat seine diplomatischen Aktivitäten in Brüssel intensiviert, um eine radikale Überarbeitung der Klimapolitik der Gemeinschaft zu erreichen. Der Minister für Unternehmen und Made in Italy, Adolfo Urso, formulierte die Forderung, den Mechanismus ETS bis zur Durchführung einer vollständigen Überprüfung stillzulegen. Nach Ansicht der italienischen Verwaltung begünstigt der derzeitige Betrieb des Zertifikatemarktes finanzielle Spekulationen, anstatt einen echten technologischen Wandel zu stimulieren. Die italienische Position wird von Vertretern Frankreichs unterstützt, darunter Stéphane Séjourné, der zugab, dass das System heute von der Wirtschaft als lästige Steuer und nicht als Innovationsanreiz wahrgenommen wird. Schweden, vertreten durch Minister Ebba Busch, bleibt hingegen tiefgreifenden Veränderungen gegenüber skeptisch und schlägt lediglich kleinere operative Korrekturen vor. Die innereuropäischen Spannungen fallen mit neuen Herausforderungen in den Handelsbeziehungen zu den USA zusammen. Donald Trump hält an seiner Zollrhetorik fest, was Europa zwingt, neue Verhandlungsstrategien zu suchen, einschließlich einer möglichen Annäherung an China in ausgewählten Sektoren. Ursula von der Leyen kündigte die Einrichtung eines Eastinvest-Fonds im Wert von 20 Milliarden Euro an, der die östlichen Regionen der Union unterstützen soll, was als Versuch gewertet wird, den inneren Zusammenhalt des Blocks angesichts globaler Erschütterungen zu stärken. Gleichzeitig kämpft der italienische Export, trotz des vierten Platzes im globalen Ranking im Jahr 2025, mit strukturellen Problemen; fast die Hälfte der dortigen Unternehmen stützt ihren Verkauf ausschließlich auf einen ausländischen Markt, was sie extrem anfällig für plötzliche Änderungen der Zollvorschriften macht. Der Europäische Grüne Deal (European Green Deal), der 2019 initiiert wurde, setzte das ehrgeizige Ziel, die Klimaneutralität der Union bis 2050 zu erreichen, was eine tiefgreifende Reform wirtschaftlicher Instrumente wie des ETS erzwang. Auf den Rohstoffmärkten wurde ein deutlicher Preisanstieg für den blauen Brennstoff verzeichnet. Erdgas an der Börse in Amsterdam verteuerte sich um 3,7 % und erreichte einen Stand von 32,2 Euro pro Megawattstunde. Dieser Anstieg der Energiekosten, kombiniert mit den restriktiven Vorschriften des Grünen Deals, weckt berechtigte Befürchtungen hinsichtlich der Rentabilität energieintensiver Sektoren. Trotz dieser Schwierigkeiten zeigt der italienische Bausektor Anzeichen von Widerstandsfähigkeit, was auf die Umsetzung von Eisenbahnprojekten zurückzuführen ist, die aus Mitteln des PNRR finanziert werden. Die Börse in Mailand reagierte auf diese Nachrichten mit verhaltenem Optimismus, wobei die Indizes über dem Referenzniveau blieben, angetrieben durch Kursgewinne bei Nexi und Stellantis, bei gleichzeitiger Schwäche der Telecom-Italia-Aktien.
Mentioned People
- Adolfo Urso — Italienischer Minister für Unternehmen und Made in Italy, Hauptinitiator der Überprüfung des ETS-Systems.
- Stéphane Séjourné — Französischer Politiker, der sich für eine Neuverhandlung der Emissionshandelsregeln in der EU einsetzt.