Das italienische feministische Kollektiv „Non Una di Meno“ (Nicht eine weniger) führte in Mailand eine ungewöhnliche Protestaktion durch, indem es Mist vor das Büro der Senatorin Giulia Bongiorno von der Lega kippte. Die Senatorin ist Berichterstatterin des umstrittenen Gesetzentwurfs zur sexuellen Gewalt. Die Protestierenden werfen vor, dass die vorgeschlagene Änderung des Strafrechts die Schlüsselkategorie der „Zustimmung“ zum Geschlechtsverkehr entfernt und durch den Begriff des „Widerspruchs“ oder des „entgegenstehenden freien Willens“ ersetzt. Aktivistinnen zufolge verlagert dies die Beweislast auf das Opfer. Die Veranstaltung ist der Höhepunkt des wachsenden Widerstands gegen den als „ddl Bongiorno“ bezeichneten Entwurf. Als Reaktion auf die Proteste ist bereits eine doppelte Demonstration für März geplant.
Ungewöhnliche Protestform
Mitglieder der feministischen Bewegung „Non Una di Meno“ kippten Mist vor den Eingang des Mailänder Anwaltsbüros der Senatorin Giulia Bongiorno. Die Aktion wurde mit Fotos und Videos dokumentiert, die in den sozialen Medien verbreitet wurden.
Streitgegenstand – Gesetzentwurf
Der Protest richtet sich gegen den Gesetzentwurf zur sexuellen Gewalt, dessen Berichterstatterin Bongiorno ist. Der Entwurf ändert Art. 609-bis des Strafgesetzbuchs und definiert das Vergewaltigungsdelikt neu.
Kritische Definitionsänderung
Hauptvorwurf ist die Streichung des Begriffs der „Zustimmung“ (consenso) zum Geschlechtsverkehr aus dem Gesetz und dessen Ersetzung durch die Kategorie des „Widerspruchs“ oder des „entgegenstehenden freien Willens“ (volontà contraria). Laut Protestierenden kehrt dies die Beweislast zugunsten des Angeklagten um.
Reaktionen und weitere Maßnahmen
Der Entwurf stieß nicht nur bei feministischen Bewegungen, sondern auch bei Teilen der politischen Opposition auf Kritik. Als Reaktion auf die Spannungen ist bereits ein doppelter Protestmarsch für März geplant.
Am Mittwoch kam es in Mailand zu einer spektakulären und symbolischen Protestaktion gegen die italienische Gesetzgebung zur sexuellen Gewalt. Mitglieder der feministischen Bewegung Non Una di Meno kippten Mist vor den Eingang des Anwaltsbüros der Senatorin Giulia Bongiorno, die Berichterstatterin des umstrittenen Gesetzentwurfs ist. Ziel der Aktion war es, die Aufmerksamkeit auf den Inhalt des sogenannten „ddl Bongiorno“ zu lenken, des disegno di legge (Gesetzentwurfs), der die Definition des Vergewaltigungsdelikts im italienischen Strafgesetzbuch ändert. Der Hauptstreitpunkt betrifft eine grundlegende Änderung im Verständnis der Zustimmung zum Geschlechtsverkehr. Nach geltendem Recht gilt Geschlechtsverkehr ohne Zustimmung als Vergewaltigung. Der Bongiorno-Entwurf soll die Kategorie der „Zustimmung“ (consenso) durch den Begriff des „Widerspruchs“ oder des „entgegenstehenden freien Willens“ (volontà contraria) ersetzen. Nach Ansicht der Protestierenden und einiger Juristen verlagert eine solche Änderung die Beweislast vom Angeklagten – der nachweisen müsste, dass er Zustimmung erhalten hat – auf das Opfer, das beweisen müsste, dass es einen klaren und ausreichend starken Widerspruch geäußert hat. Wie die Protestierenden in ihrer Mitteilung erklärten: „Wenn das Gesetz von Zustimmung spricht, lautet die Frage, ob es ein freies, deutliches und bewusstes ‚Ja‘ gab; wenn es von Widerspruch spricht, wird die Frage, ob die Person ‚Nein‘ auf ausreichend klare Weise gesagt hat. Die Last verlagert sich damit auf denjenigen, der die Anzeige erstattet.“Das italienische Strafrecht im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Freiheit wurde unter dem Einfluss starker sozialer Bewegungen mehrfach novelliert. 1996 wurde nach aufsehenerregenden Prozessen Vergewaltigung als Tat gegen die persönliche Freiheit und nicht gegen die Moral definiert. Seitdem ist die Kategorie der Zustimmung ein Schlüsselelement bei der Verfolgung dieser Straftaten geworden. Der Protest ist kein isolierter Vorfall, sondern der Höhepunkt eines breiteren Widerstands. Der Gesetzentwurf stieß nicht nur bei feministischen Bewegungen, sondern auch bei Teilen der parlamentarischen Opposition auf Kritik. Senatorin Bongiorno, eine erfahrene Juristin und ehemalige Ministerin (in der Regierung von Giuseppe Conte), ist zur zentralen Figur dieser hitzigen Debatte geworden. Als Reaktion auf die wachsenden Spannungen wurde bereits die Organisation eines doppelten Protestmarsches im März angekündigt, was auf eine Eskalation des sozialen Konflikts um dieses Thema hindeutet. Der rechtliche und soziale Streit berührt grundlegende Fragen im Zusammenhang mit Gleichberechtigung, sexueller Freiheit und dem Schutz von Gewaltopfern.
Mentioned People
- Giulia Bongiorno — Italienische Senatorin der Lega, Berichterstatterin des Gesetzentwurfs zur sexuellen Gewalt, ehemalige Ministerin