Der US-Botschafter in der Tschechischen Republik, Bijan Sabet, hat öffentlich die Pläne der dortigen Regierung zur Verringerung der Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 kritisiert. In einem Interview mit dem Tschechischen Rundfunk warnte Sabet, dass Tschechien unter die NATO-Verpflichtung von 2 % des BIP für das Militär fallen und schließlich zu den Bündnispartnern mit den niedrigsten Ausgaben zählen könnte. Der tschechische Premierminister Andrej Babiš verteidigte die Budgetvorschläge und argumentierte mit der Priorität sozialer Ausgaben angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen.
Scharfe Kritik des US-Botschafters
Der US-Botschafter in Prag, Bijan Sabet, nannte die Vorschläge zu Kürzungen der Verteidigungsausgaben „schockierend” und kritisierte die Regierung direkt für das Signal, das sie in der Region sendet. Die Äußerung ist ein seltenes Beispiel öffentlicher Kritik eines amerikanischen Diplomaten gegenüber dem Gastgeberland.
Risiko der Nichterfüllung von NATO-Verpflichtungen
Laut einer von Reuters zitierten Analyse könnten die geplanten Kürzungen die tschechischen Verteidigungsausgaben auf etwa 1,4 % des BIP senken, was deutlich unter dem Bündnisziel von 2 % liegt. Das würde Tschechien zu einem der am wenigsten ausgebenden Länder der NATO machen.
Verteidigung der tschechischen Regierung
Premierminister Andrej Babiš von der Partei ANO verteidigt die Budgetvorschläge und verweist auf die Notwendigkeit von Kürzungen in vielen Bereichen aufgrund fiskalischer Zwänge. Die Regierung will die Sozialausgaben aufrechterhalten und gleichzeitig in einem Wahljahr Steuersenkungen erwägen, was in Washington Besorgnis über die langfristige Sicherheit auslöst.
Die amerikanische Diplomatie hat öffentlich die Pläne der tschechischen Regierung zu Kürzungen der Verteidigungsausgaben angegriffen, was ein seltener und direkter Ausdruck von Spannungen im Bündnis ist. Der US-Botschafter in Prag, Bijan Sabet, nannte diese Pläne in einem Interview für den tschechischen Rundfunk „schockierend” und warnte, dass Tschechien unter das NATO-Ziel von 2 % des Bruttoinlandsprodukts für das Militär fallen könnte. „Das ist ein sehr schlechtes Signal für die Region”, sagte Sabet in einer vom Dienst wnp.pl zitierten Aussage. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters geben Tschechien derzeit etwa 1,8 % des BIP für Verteidigung aus, und die geplanten Kürzungen könnten diesen Indikator auf etwa 1,4 % senken. Das NATO-Ausgabenziel von 2 % des BIP wurde von den Bündnisführern auf dem Gipfel in Wales 2014 nach der russischen Annexion der Krim vereinbart. Diese Verpflichtung, obwohl rechtlich nicht bindend, ist seit Jahren ein Schlüsselelement des amerikanischen Drucks auf die europäischen Verbündeten, ihre Beiträge zur kollektiven Sicherheit zu erhöhen. Der tschechische Premierminister Andrej Babiš reagierte entschieden auf die Kritik. In einer in den sozialen Medien veröffentlichten Mitteilung betonte er, dass seine Regierung fiskalisch verantwortlich handeln und „die Interessen der tschechischen Steuerzahler schützen” müsse. Der Premierminister argumentierte, dass Einsparungen in vielen Bereichen, einschließlich der Verteidigung, notwendig seien, um die Sozialausgaben aufrechtzuerhalten und Steuersenkungen angesichts der wirtschaftlichen Verlangsamung in Betracht zu ziehen. Ein solches Argument, das soziale Ausgaben gegen Bündnisverpflichtungen stellt, ist eine Quelle wachsender Verärgerung in Washington. Der Streit kommt zu einem entscheidenden politischen Zeitpunkt, da sowohl in den USA als auch in Tschechien Wahlen bevorstehen und die US-Administration den Druck auf die europäischen Verbündeten erhöht, ihre Position gegenüber Russland nicht zu schwächen.
Botschafter Sabet verwies unter Berufung auf eine Analyse des tschechischen Verteidigungsministeriums darauf, dass die vorgeschlagenen Kürzungen die Ausgaben um mehrere hundert Millionen Kronen reduzieren könnten. „Das würde bedeuten, dass Tschechien eines der am wenigsten ausgebenden Länder in der NATO sein wird”, fügte er hinzu und äußerte seine Enttäuschung, dass die Regierung nach Jahren eines schrittweisen Anstiegs des Verteidigungshaushalts nun eine Umkehr dieses Trends erwäge. Reuters wiederum weist auf den weiteren Kontext hin: Tschechien als wichtiger Verbündeter in Mitteleuropa spiele eine Schlüsselrolle in der Logistik der Militärhilfe für die Ukraine, und seine potenzielle Schwächung könnte Auswirkungen auf die regionale Sicherheit haben. Dieser Streit spiegelt die anhaltende Spannung in der NATO zwischen den amerikanischen Erwartungen eines größeren finanziellen Engagements Europas und den innenpolitischen und wirtschaftlichen Prioritäten der einzelnen Mitgliedstaaten wider.
Mentioned People
- Bijan Sabet — Botschafter der Vereinigten Staaten in der Tschechischen Republik. Kritisierte öffentlich die Pläne für Kürzungen im tschechischen Verteidigungshaushalt.
- Andrej Babiš — Premierminister von Tschechien, Vorsitzender der Partei ANO. Verteidigt die Pläne für Budgetkürzungen und argumentiert mit der Notwendigkeit fiskalischer Verantwortung und dem Schutz sozialer Ausgaben